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Bahnübergang Reick mit Schimmel

Ident. Nr.: A IV 384

ObjID: obj:962799

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Bernhard Kretzschmar (1889 - 1972),
Künstler*in
Datierung
1924
Weitere Titel
Sammlungstitel: Bahnübergang Reick mit Schimmel
Übersetzung: Railway Crossing at Reick with a White Horse
Provenienz
Nachlass/Vermächtnis: Hildegard Stilijanow-Kretzschmar,
1972–1977
Material / Technik
Öl auf Pappe
Abmessungen
Höhe x Breite: 70 x 100 cm
Erwerbung
1977 Ankauf aus dem Nachlass des Künstlers durch das Ministerium für Kultur aus Mitteln des Kulturfonds der DDR für die Nationalgalerie

Objektbeschreibung

Aus seinem erhaltenen Frühwerk ist ersichtlich, dass sich Kretzschmar in den 1910er-Jahren sämtliche Gattungen der Malerei erarbeitet und diese im weiteren Verlauf seiner Karriere in thematischen Blöcken vertieft hatte. So begann er nach dem Autodafé von 1921 (vgl. „Bildnis des Malers Oskar Trepte“, A IV 382) seine neue künstlerische Phase mit einer Serie von kleinstädtischen Impressionen seines Geburtsortes Döbeln sowie Ansichten von Provinzbahnhöfen und -plätzen wie in dem Bild „Bahnhof Sayda“ (A IV 385). Die Auseinandersetzung mit diesen Motiven erfolgte sowohl in der Malerei als auch in der Grafik. Bereits 1923 war etwa eine nahezu identische, wenngleich seitenverkehrte Wiedergabe des Bahnübergangs Reick als Radierung entstanden. Naturgemäß deutlicher als die Gemälde betonen die Grafiken Linie und Fläche und damit den konstruktiven Aufbau der Kompositionen jener Jahre. In den Gemälden ergänzt die Farbsetzung die Funktion der Linie und rhythmisiert die Fläche. Der gespachtelte Farbauftrag, den Kretzschmar seit Beginn der 1920er-Jahre anwandte, trägt den neu gewonnenen Parametern im Werk des Künstlers ebenfalls Rechnung und betont diese. Die Übersetzung kleinstädtischer Räume und ihrer Gegebenheiten in künstlerische Motive ist charakteristisch für Kretzschmar. Das änderte sich sein Leben lang nicht, weder durch Aufenthalte in Frankreich und Italien während eines Urlaubssemesters 1913 noch durch Fernreisen in späteren Jahren wie 1954 in die Volksrepublik China oder 1955 in die UdSSR. Kretzschmar blieb mit wenigen Ausnahmen ein Chronist des sächsischen (klein-)bürgerlichen Alltags, dessen Gepflogenheiten er mittels seiner Gestaltung in eine zeitlose Gültigkeit überführte. | Katharina Wippermann

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz