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Wilhelm Pieck

Ident. Nr.: A IV 496

ObjID: obj:963175

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Bernhard Franke (1922 - 2004),
Künstler*in
Datierung
1979/1980
Material / Technik
Öl auf Hartfaser
Abmessungen
Höhe x Breite: 90 x 125 cm
Erwerbung
1984 Ankauf vom Künstler, Jeßnitz, aus Mitteln des Kulturfonds der DDR

Objektbeschreibung

Friedrich Wilhelm Reinhold Pieck (1876–1960) war seit 1895 Mitglied der SPD. 1919 gehörte er zu den Gründern der KPD und 1943 zum Nationalkomitee Freies Deutschland, einem Bündnis zur Bekämpfung des Nationalsozialismus (vgl. Werner Tübke, „Nationalkomitee Freies Deutschland“, 1970, A IV 247). Pieck war von 1946 bis 1954 gemeinsam mit Otto Grotewohl Vorsitzender der SED und von 1949 bis 1960 Präsident der DDR. In diesem posthumen Porträt steht er im Anzug mit einem Blatt Papier in der Hand vor der Kulisse des zerstörten Berlin. Zusammen mit dem Demonstrationszug unten links verweist die Darstellung auf Piecks Rolle bei der Vereinigung von SPD und KPD gegen den Willen vieler Sozialdemokraten 1946. Das Porträt war von großer politischer Bedeutung, weswegen die Erwerbung für die Nationalgalerie über das Ministerium für Kultur lief. Fünf Jahre lang hing es als Dauerleihgabe der Nationalgalerie (Ost) in der Wilhelm-Pieck-Gedenkstätte in Guben an der Neiße, der Geburtsstadt des Künstlers. Als im Jahr 1990, noch vor der deutschen Wiedervereinigung, die Nationalgalerie (Ost) alle Dauerleihgaben zurückforderte, schrieb der Leiter der Gedenkstätte: „Auf Grund der eingetretenen gesellschaftlichen und politischen Veränderungen in unserem Land kann auch unsere Einrichtung ihre bisherige Orientierung nicht länger behalten. Im Klartext bedeutet das, daß wir ab August 1990 als Wilhelm-Pieck-Gedenkstätte aufhören zu existieren.“ (Michael Kucher an Christine Hoffmeister, 16.7.1990, SMB-ZA, II A/NG 0399) Aus der Gedenkstätte sollte ein Kulturzentrum werden. Das Gemälde kam zurück in die Nationalgalerie. | Emily Joyce Evans

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz