Logo

Holländerin in gestreiftem Rock

Ident. Nr.: NG 5/63

ObjID: obj:963237

1963 erworben durch das Land Berlin
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Max Beckmann (1884 - 1950),
Künstler*in
Datierung
1941
Weitere Titel
Sammlungstitel: Holländerin in gestreiftem Rock
Übersetzung: Dutchwoman in a Striped Skirt
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
1942
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 95 x 55 cm
Erwerbung
1963 Ankauf von der Galerie Günther Franke, München, aus Mitteln der Deutschen Klassenlotterie Berlin

Objektbeschreibung

In hellen Farben leuchtet das Bildnis einer unbekannten Holländerin in ihrer Tracht. Die Frau füllt das Format als Dreiviertelporträt fast ganz aus, wobei Beckmann uns eine Rückenansicht gibt und den Kopf ins Profil gedreht hat. Der schwarz-weiß gestreifte Rock kontrastiert mit der blauen Bluse, Haube und Ärmel sind ebenfalls weiß und heben sich vom Inkarnat sowie den wenigen roten Akzenten (Mund, Kette, Armbänder) ab. Runde und rechteckige Formen rhythmisieren den Hintergrund und akzentuieren ihn farblich, während das Bild nach rechts mit einem roten, schwarz gemusterten Vorhang abgeschlossen wird. So weit, so harmlos, möchte man sagen. Doch das Gemälde hat es in sich. Beckmann hat immer wieder versucht, die Räumlichkeit der Realität und die Flächigkeit des Bildes in ein Spannungsverhältnis zu setzen. Hier unternahm er das durch Überschneidungen, wenn ein schwarzer Streifen die Formen im Hintergrund zerteilt und die Frau nach links begrenzt. Nach rechts ist sie ebenfalls von einem schwarzen Streifen eingefasst, der jetzt vor ihr liegt, während der linke von ihr leicht überschnitten wird. So hat Beckmann ihr Körpervolumen zwischen zwei Streifen gestellt, die selbst wieder ganz flach sind und damit die Zweidimensionalität der Komposition betonen. Der Körper der Frau wird aber auch zwischen diesen Streifen arretiert, das Profil erscheint so gewaltsam nach links gedreht, wie die Arme unter Zwang mit unsichtbaren Bändern hinter den Rücken gebunden wirken. Die Holländerin des Jahres 1941 war unter deutscher Besatzung weiter schön, aber unfrei. | Olaf Peters

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz