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Der Buchleser

Ident. Nr.: B 19

ObjID: obj:963263

1949 erworben durch das Land Berlin
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Ernst Barlach (1870 - 1938),
Künstler*in
Datierung
Herstellung: 1936 (Guss um 1937/1938)
Weitere Titel
Sammlungstitel: Der Buchleser
Übersetzung: The Reader
Provenienz
Galerie Franz, Berlin,
mind. Nov. 1948 - 1949
Kauf: Galerie des 20. Jahrhunderts, Berlin (West),
1949–1968
Material / Technik
Bronze
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 44 x 22 x 30,7 cm
Erwerbung
1949 Ankauf von der Galerie Franz, Berlin, durch das Land Berlin für die Galerie des 20. Jahrhunderts (West)

Objektbeschreibung

Die Bronzeplastik „Der Buchleser“ ist ein trotziges Aufbegehren gegen die Unbilden der Zeit und eine Beschwörung des Humanen. 1935 war der von Reinhard Piper in enger Absprache mit Barlach verlegte Band „Zeichnungen“ erschienen. Als Eingangstafel dient das Blatt „Der Lesende“ von 1922 (WVZ Wittboldt/Laur 2013, Teil 1, 1853). Am 24. März 1936 beschlagnahmte die Bayerische Politische Polizei das Buch. In seinem Protestbrief an Joseph Goebbels erwähnte Barlach die Zeichnung: „Unmöglich, daß z. B. Blätter wie […] Lesender, Geiger […] und weitere ähnliche, nämlich Schilderungen rein menschlicher und zeitloser Zustände, den Schutz der Öffentlichkeit vor ihnen herausfordern“ (Ernst Barlach, Die Briefe II, München 1969, S. 636 ff.). Der Barlach-Forscher Elmar Jansen schlussfolgerte: „So darf es als gesichert gelten, daß Barlach den Gedanken an vorliegende Plastik im Zusammenhang mit der Beschlagnahme des Bandes ‚Zeichnungen‘ aufgriff und den ‚Buchleser‘ als Versuch konzipierte, den verordneten Diffamierungen seinen Selbstbehauptungswillen entgegenzusetzen“ (Ernst Barlach. Werke und Werkentwürfe aus fünf Jahrzehnten, Band 1: Vorworte, Einleitung. Plastik 1894–1937, Ausst.-Kat., Berlin, 1981, S. 125). Das Motiv versunken und konzentriert Lesender war in Barlachs Werk seit Langem präsent (vgl. „Die lesenden Mönche III“, NG 29/62). 1916 hatte der Künstler für die von Paul Cassirer und Leo Kestenberg konzipierte Grafikedition „Der Bildermann“ die Lithografie eines Lesenden geschaffen und im Blatt beschriftet: „Wem Zeit wie Ewigkeit und Ewigkeit wie Zeit, der ist befreit von allem Leid (Jacob Böhme)“. | Angelika Wesenberg

Letzte Aktualisierung: 04.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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