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Die Straße

Ident. Nr.: B 922

ObjID: obj:963371

1969 erworben durch das Land Berlin
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Chaïm Soutine (1893 - 1943),
Künstler*in
Datierung
um 1923/1924
Weitere Titel
Sammlungstitel: Die Straße
Übersetzung: The Street
Originaltitel: La route (de Céret)
Provenienz
Pierre Berès, Paris,
spätestens 1940 - um 1950
Madame Demaarne [?],
393279
Galerie Bénézit, Paris,
- April 1957
Paul Rosenberg & Co., New York,
April 1957 - Januar 1962
George Bluds, New York,
Januar 1962
Sotheby’s, London,
1963
Marlborough Fine Art Ltd., London,
24.4.1963–31.12.1963
Luigi Toninelli, Mailand,
31.12.1963
Renato Zevi, Mailand,
393287
Galerie Romeo Toninelli, Rom,
393289
Kauf: Land Berlin,
September 1969
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 65,1 x 81 cm
Erwerbung
1969 Ankauf von Romeo Toninelli, Rom, aus Mitteln der Deutschen Klassenlotterie, Berlin

Objektbeschreibung

Obwohl seit 1913 in Paris ansässig, war Soutine in jeglicher Hinsicht ein Einzelgänger. Lediglich die Bekanntschaft mit Amedeo Modigliani 1915 reifte zu einer tiefen Freundschaft, die mit dessen Tod 1920 jäh endete. Dieses Ereignis scheint ein Auslöser für eine erste produktive Phase gewesen zu sein. Früheste Werke datieren von 1919. In diesem Jahr siedelte Soutine in das südwestfranzösische Céret über, dessen schroffe Topografie zuvor schon Pablo Picasso, Fernand Léger und andere Künstler des Kubismus fasziniert hatte. Innerhalb von drei Jahren entstanden hier 200 Arbeiten, vor allem Landschaften und Stadtansichten. „Die Straße“ hingegen gehört zu einer Serie, die der Künstler in Cagnes-sur-Mer an der Côte d’Azur schuf. Zwischen den beiden Aufenthalten lag als biografischer Einschnitt der sagenhafte Erwerb von über fünfzig Werken Soutines durch den Sammler Albert C. Barnes, der den Künstler mit einem Schlag aus seiner bis dato prekären Situation befreite. Offenbar wollte Soutine daraufhin mit seinem alten Leben abschließen, was sich unter anderem in der Zerstörung eines Teils seiner Céret-Arbeiten äußerte, von denen die verbliebenen heute als ein Höhepunkt in seinem Schaffen gelten. Künstlerisch zeigt sich in den Cagnes-Bildern allerdings nicht so sehr ein Neuanfang als eine Variation. Bildausschnitte und Perspektiven bleiben skurril und verschoben wie vordem, aber die Linienführung ist nun weicher, runder, geschwungener. Zusammen mit den kräftigeren, kontraststärkeren Farben wirken die Werke aus Cagnes heiterer und durch architektonische Einleitungen im Bildvordergrund wie Treppen und Straßen den Betrachter:innen leichter zugänglich. | Katharina Wippermann

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

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Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz