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Tänzerin, ihre rechte Fußsohle betrachtend

Ident. Nr.: B I 458

ObjID: obj:963436

Details (Expert)

Beteiligte
Edgar Degas (1834 - 1917),
Bildhauer*in
Datierung
1890–1911 (Guss 1919–1926)
Provenienz
Kommission: Galerie Flechtheim, Berlin,
1926
Kauf: Nationalgalerie,
5.6.1926
Verlagerung in die Sowjetunion,
1945
Rückkehr in die Nationalgalerie (Ost),
1958
Material / Technik
Bronze
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 47,5 x 24,5 x 22 cm
Erwerbung
1926 Ankauf von der Galerie Alfred Flechtheim, Berlin

Objektbeschreibung

Auf der sechsten Ausstellung der Impressionisten in Paris 1881 zeigte Degas das erste und einzige Mal eine seiner Plastiken der Öffentlichkeit. Sein ursprünglich etwa 150 Kleinplastiken umfassendes Œuvre blieb ansonsten bis zu seinem Tod und der Veröffentlichung beziehungsweise Verbreitung durch die Erben sowie die Pariser Gießerei Hébrard allein privates Studienmaterial. Der Künstler umkreiste mit seinen auf Beweglichkeit und Veränderlichkeit ausgelegten Arbeiten eine Bildidee, die maßgeblich die transitorischen Momente des Tanzes sowie Bewegungsabläufe von Tieren (vgl. „Tänzelndes Pferd“, um 1890 [Guss 1919/1920], B I 459) in den Blick nahm. Hier experimentierte er in variantenreichen Anordnungen mit der Verteilung von Volumina, mit Gewichten und Gegengewichten. Das Motiv der „Tänzerin, ihre rechte Fußsohle betrachtend“ beschäftigte den Künstler dabei besonders intensiv. Allein vier Versionen in pigmentiertem Wachs sind überliefert, von denen er eine selbst in Gips gießen ließ (1900 – 1903, Privatsammlung), um die Pose in einem langlebigen Material zu konservieren. Die fragilen, wächsernen Originalmodelle zeichnen sich durch ihre skizzenhafte Modelliertechnik sowie durch zahlreiche Armaturen aus, die die komplizierten Haltungsmotive stabilisierten. Bei der posthumen Umsetzung in Bronze blieben diese unberücksichtigt, ebenso wurde die ursprünglich lichtreflektierende Oberflächengestaltung geglättet. Die vorliegende, als Modellnummer 59 bezeichnete Plastik stammt aus der Serie O, deren Vertrieb in Deutschland der Galerist Alfred Flechtheim übernahm und die er in Einzelstücken verkaufte. | Yvette Deseyve

Letzte Aktualisierung: 09.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Alte Nationalgalerie

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Abenddämmerung am Toten Meer

Abenddämmerung am Toten Meer

Am 20. September 1880 traten die Maler Eugen Felix Prosper Bracht, Adolf von Meckel und Carl Coven Schirm ihre Reise in den Vorderen Orient an: nach Palästina, Jordanien, Syrien und auf die Sinaihalbinsel. Am Toten Meer hielten sie sich zwölf Wochen lang auf. In Kairo erreichte Bracht die Nachricht von einer schweren Krankheit seiner Frau; im März 1881 reisten die drei Künstler zurück. Bereits auf der Ausstellung der Berliner Akademie von 1881 zeigte Bracht drei große Gemälde nach seinen Studien. Das Bild »Sinai« erwarb der Kaiser, die »Abenddämmerung am Toten Meer« die Nationalgalerie, für beide Bilder wurde Bracht mit der Kleinen Goldenen Medaille für Kunst ausgezeichnet. »Der in meinem Bilde ›Abenddämmerung am Toten Meere‹ dargestellte Ort ist der Uferrand bei Ain Djiddi (Ziegenquelle), das Engeddi des alten Testaments, wohin sich 1. Sam. 24 David zurückzog«, erklärte Bracht am 21. März 1883 in einem Schreiben an Max Jordan. »Dasselbe liegt am westlichen Ufer des toten Meeres und die gegenüber ragenden Felsterrassen sind die Hänge des Gebirges Moab. […] Aus Zeiten in denen die Waßer des toten Meeres höher standen als jetzt, hat sich rings um seine Ufer eine Fluthmarke erhalten, gestrandete Hölzer, die gebleichten Stämme von Segal-Akazien und von Palmen. […] Ruinenhaufen mögen von der alten amoritischen Stadt Hazezon Thamar herrühren, besser erhaltene Gebäudereste dagegen sind mittelalterlich arabischen Ursprungs« (SMB-ZA, I/NG 1449, Journal-Nr. 1883/325). – Vgl. die vorbereitende Studie (Verbleib unbekannt, Abb. 31 in: M. Osborn, Eugen Bracht, Bielefed 1909, S. 34). | Angelika Wesenberg

Rückzug der Franzosen aus Rußland 1812

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Großformatige Gemälde, die keine siegreiche Schlacht, sondern eine Niederlage darstellen, waren noch Mitte des 19. Jahrhunderts umstritten. Adolph Menzels »Friedrich II. und die Seinen bei Hochkirch« (1856, Nationalgalerie, Kriegsverlust) hatte allerdings für Franz Adam den Boden bereitet, und so zeigt der Künstler in düsteren Farben das von den Kämpfen und vom russischen Winter aufgeriebene französische Heer Napoleons auf dem entbehrungsreichen Heimweg. Es war nicht das erste Schlachtenbild dieser Art: Franz Adams Hauptwerk, »Rückzug nach der Schlacht bei Solferino in Italien« (1859, Verbleib unbekannt), das unmittelbar unter den Eindrücken des Sardinischen Krieges entstanden war, zeigt ähnlich drastisch die Niederlage der Österreicher. Es hatte viel Lob geerntet, sich aber über Jahre hinweg als unverkäuflich erwiesen. Der Rußlandfeldzug war als historisches Ereignis zur Darstellung der Schrecken des Krieges besser geeignet, außerdem waren Tragik und Scheitern Napoleons untrennbar mit den Legenden um den französischen Herrscher verknüpft.Da Franz Adam für die Darstellung nicht auf eigene Anschauungen zurückgreifen konnte, variierte er ein Gemälde seines Vaters Albrecht Adam von 1840, der 1812 als Schlachtenmaler beim Rußlandfeldzug mit dabeigewesen war (versteigert bei Dobiaschofsky, Bern, Mai 2007). Franz Adam ist im Vergleich zu seinem Vater vom Ansatz her realistischer, auch kritischer. »Eigentlich«, so schrieb er an seine Frau Ida am 1. Juli 1866, »liegt etwas Unbehagliches in diesem Kriegsleben und hier erscheint mir der Schlachtenmaler wieder als schändlich« (zit. nach: Albrecht Adam und seine Familie, Ausst.-Kat., München 1981, S. 82). Zwölf Jahre später, nach dem Deutsch-Französischen Krieg, bei der Vorbereitung eines Gemäldes zur Schlacht von Sedan, ist von dieser kritischen Haltung nur noch wenig zu spüren. »Es sieht sich doch bei Gott für uns besser an«, schrieb er 1877 an Max Jordan, den Direktor der Nationalgalerie, »wie die Franzosen in Fetzen geschossen werden als die Deutschen« (zit. nach: Kunst recherchieren, Berlin 2010, S. 79). | Regina Freyberger

Freiherr Uz von Schönberg

Freiherr Uz von Schönberg

Möglicherweise auf Vermittlung des befreundeten Erich von Schönberg lernte Rayski in den 1840er Jahren den königlich-sächsischen Kammerherrn Freiherr Kaspar Karl Philipp Uz von Schönberg (1804–1864) kennen. Ihm gehörten die Rittergüter Purschenstein südöstlich von Sayda und Reichstädt südwestlich von Dippoldiswalde; als Vertreter des Erzgebirgischen Kreises war er Mitglied der ersten Kammer der Ständeversammlung. 1841 weilte Rayski erstmals auf Schloß Purschenstein, malte im Auftrag des Schloßherrn zwei Ganzfigurenporträts von ihm und seiner Ehefrau Ida für die Kapelle (vgl. M. Walter, Ferdinand von Rayski, Bielefeld 1943, Nr. 483 und 726) sowie fünf große Schlachten- und Landschaftsbilder für den Speisesaal (vgl. O. Grautoff, Ferdinand von Rayski, Berlin 1923, S. 43). Über fünfzehn Jahre später, 1858, porträtierte Rayski Uz von Schönberg erneut. In geschmeidig lockerem Pinselstrich zeigt er den damals 54jährigen Witwer in schwarzem Rock und schwarzer Halsbinde vor braungrünem Hintergrund, den Kopf leicht zur Seite gedreht, mit wachem, ernstem Blick.Rayski, selbst einer sächsischen Adelsfamilie entstammend, mit deren Helmzier im Wappen, einem Hundekopf, er seine Bilder vor allem in späteren Jahren zu signieren pflegte, wurde erst 1906 durch die Deutsche Jahrhundertausstellung einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Sowohl die Nationalgalerie als auch die Dresdner Gemäldegalerie kauften im Zusammenhang mit dieser Ausstellung die ersten Arbeiten Rayskis an. 1907, ein Jahr später, erschien in Dresden die früheste Würdigung seines Werks von Ernst Sigismund; es folgte eine umfängliche Gedächtnisausstellung in der Dresdner Galerie Ernst Arnold, die im selben Jahr bei der Galerie Schulte in Berlin wiederholt wurde, und auf der auch das vorliegende Porträt zu sehen war. | Regina Freyberger

Rosa Rosen

Rosa Rosen

Im Sommer 1923 hatte in der Neuen Abteilung der Nationalgalerie im Kronprinzen-Palais die sehr erfolgreiche Ausstellung zum 65. Geburtstag des Secessionspräsidenten Corinth stattgefunden. Unmittelbar darauf zeigte Direktor Ludwig Justi in diesen Räumen neu erworbene Arbeiten Lesser Urys, darunter den „Fliederstrauß“ von 1922 (A II 403), und sofort stellte sich eine Beziehung zu Édouard Manets Bild „Der Fliederstrauß“ (um 1882, A II 379) im Impressionistenraum daselbst her, wie die Presse ausdrücklich vermerkte. Im folgenden Sommer erwarb Justi die gerade vollendeten „Rosa Rosen“ von Corinth und verstärkte damit diese das breite Publikum versöhnlich stimmende Motivreihe. Corinth, der in den 1920er-Jahren unter den Folgen eines Schlaganfalls wie unter schweren Depressionen litt, hat aus ebenjener Gefährdung heraus eine große Anzahl von Blumen und Sträußen gemalt. Wie seinerzeit den todkranken Manet reizte ihn an diesen fragilen Gebilden das Beieinander von kurzer Pracht und Vergänglichkeit, und wie Manet entlockte er ihrer Darstellung koloristische Reize von großer Feinheit. Unter dem Stichwort „Letzte Meisterschaft“ beschreibt Justi die „Rosa Rosen“ als „Beispiel aus einer Schar herrlicher Blumenstücke, die Corinth in seinen letzten Jahren malte, meist riesige Sträuße von vielerlei Blüten, gern besonders große Formen und leuchtende Töne darin, ein wahres Rauschen von Farbe, wie man es noch nie gesehen hatte. Die Rosen sind bescheidener in der Anlage, aber äußerst fein in der Stufung vom kühlen zum brennenden Rot; auch das Grau des Glases und der Umgebung ist farbig wie malerisch höchst lebendig“ (Ludwig Justi, Von Corinth bis Klee, Berlin 1931, S. 43). | Angelika Wesenberg

Schleichhändler-Felouke vor der Küste von Biskaya

Schleichhändler-Felouke vor der Küste von Biskaya

Théodore Gudin, der in den dreißiger Jahren mehrfach in Berlin, sowohl in der Akademie wie auch im Kunstsalon Sachse, ausgestellt hatte, war seit 1837 Mitglied der Akademie. Der junge Menzel erwähnt ihn lobend in einem Brief vom 29. Dezember 1836 (vgl. A. Menzel, Briefe, Bd. 1, Berlin 2009, S. 89). Am 24. Januar 1845 wurde er mit dem Orden Pour le Mérite ausgezeichnet und hielt sich wohl deshalb im Frühjahr 1845 in Berlin auf. Wie das »Kunst-Blatt« berichtete, machte er »in der vornehmen Kunstwelt Furore«. Dennoch wies »ein vermögender Kunstfreund in Potsdam« ein großes Bild zurück, das er bestellt hatte, »da es zum größten Theil aus einem Nebel besteht« (Kunst-Blatt, Beilage des Morgenblatts für gebildete Stände, 27. Jg., 1846, H. 3, S. 11). Daß Gudin auch auf kontinentalen Reisen unverdrossen seine Meeresmotive wiederholte, unterstreicht den Anteil der Spezialisten-Routine an seiner Arbeit. Als das Bild »Leuchtturm an der Bretonischen Küste« (Nationalgalerie, Inv.-Nr. W.S. 62) in Berlin bekannt wurde, nannte man es ›die Laterna magica‹. Der Leuchtturm, dessen Wirkung mit diesem Beinamen beschrieben wird, ragt unerschüttert aber nutzlos über der stürmischen See, die sein rötliches Licht zurückwirft, und den Überresten des zerschellten Schiffes, dessen Insassen sich retten konnten. Der Schiffbruch ist eines der bevorzugten Bildthemen der Romantik. Ein »gestrandetes Schiff« stellte Gudin im Juni desselben Jahres 1845 bei der Gesellschaft patriotischer Kunstfreunde in Prag aus (Kunst-Blatt, Beilage des Morgenblatts für gebildete Stände, 26. Jg., 1845, H. 52, S. 216).Der im Vergleich mit dem düster-dumpfen Gegenstück deutlich freiere Vortrag in Gudins »Schleichhändler-Felouke vor der Küste von Biskaya« (Nationalgalerie, Inv.-Nr. W.S. 63), die lebhaftere und frischere, französisch geprägte Farbigkeit sind auch inhaltlich begründet. Das Bild, wie der Maler an Wagener schrieb, »stellt die Abfahrt des Schiffes dar, das auf dem Pendant ›Leuchtturm‹ vor der Küste zerschellt ist. Hier ist alles Licht, Hoffnung und Freude, in dem anderen ist alles Trauer« (Brief von Gudin an Wagener vom 4.4.1845, SMB-ZA, IV/NL Wagener, Künstlerbriefe, im Original französisch). | Claude Keisch

Sabina von Steinbach

Sabina von Steinbach

Die Ursprünge der Legenden um Erwin von Steinbach, den Erbauer des Straßburger Münsters, und um seine Tochter, die Bildhauerin Sabina, reichen zurück bis ins frühe 16. Jahrhundert. Moritz von Schwind hatte sich diesem Stoff bereits vor der 1840 begonnenen Arbeit an den Fresken zur »Einweihung des Freiburger Münsters« im Treppenhaus der Karlsruher Kunsthalle zugewandt. Er war ihm gewiß durch Goethes unter dem Titel »Von deutscher Baukunst« (1772) erschienenen Hymnus auf Erwin von Steinbach bekannt. In dem Gemälde »Sabina von Steinbach« wiederholte Schwind das ein Jahr zuvor entstandene gleichnamige Karlsruher Wandbild. Dargestellt ist die Bildhauerin Sabina bei der Arbeit an der allegorischen Figur der Synagoge. Von ihr sollen die Skulpturen des Straßburger Südquerhausportals und des Engelspfeilers stammen. Auf dem Boden steht ein Blumenstrauß, auf dem Wandregal hinter der Bildhauerin ist die Büste ihres Vaters zu erkennen, zum Zeichen, daß Sabina in seinem Geiste arbeitet. Im Türausschnitt rechts sieht man einen Steinmetzen bei der Arbeit, vielleicht eine Darstellung des Bruders Johannes. Dahinter ist Erwin von Steinbach, durch eine Meßlatte als Architekt bezeichnet, im Gespräch mit dem Straßburger Erzbischof Konrad zu sehen. Mit Blick auf den eingerüsteten Nordturm der Westfassade besprechen Baumeister und Bauherr Grundrißpläne der Kathedrale. Ludwig Justi, der mehrere Gemälde von Schwind erwarb, schrieb über den Künstler: »Sein Werk ist die schönste und reichste Gabe des Wienerischen an die deutsche Malerei des Jahrhunderts. Er liebt die Welt des Märchens und des behaglichen Bürger-Daseins, man benennt ihn daher gern mit dem vieldeutigen Wort Romantiker« (Von Runge bis Thoma, Berlin 1932, S. 82). | Birgit Verwiebe