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Turm des Mailänder Doms

Ident. Nr.: W.S. 232

ObjID: obj:963457

Details (Expert)

Beteiligte
Johann Carl Schultz (1801 - 1873),
Maler*in
Datierung
1829
Provenienz
Joachim Heinrich Wilhelm Wagener, Berlin,
18.1.1861
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 69 x 51 cm
Erwerbung
1861 Vermächtnis des Bankiers Joachim Heinrich Wilhelm Wagener als Gründungssammlung der Nationalgalerie

Objektbeschreibung

Johann Carl Schultz, Sohn eines Kaufmanns, wurde 1801 in Danzig geboren. Mit 17 begann er eine Ausbildung an der dortigen Kunstschule und ließ sich vom Direktor und Gründer dieser Kunstschule Johann Adam Breysig privat im Zeichnen unterrichten. 1820 ging Schultz nach Berlin und setzte sein Studium an der Kunstakademie bei Johann Erdmann Hummel, Professor für Perspektive, Optik und Architektur, fort. Schultz entwickelte ein besonderes Interesse an der Architekturmalerei. Eines seiner großen Vorbilder war der Berliner Maler und Architekt Karl Friedrich Schinkel. 1823 zeigte Schultz auf einer Danziger Debütanten-Ausstellung eine historische Landschaft mit einer Architektur nach Schinkel (Johann Carl Schultz, Ausst.-Kat., Malbork 2009, S. 39). Im gleichen Jahr ging er nach München, um sich bei dem damals namhaften Architekturmaler Domenico Quaglio weiterzubilden. 1824 brach er für vier Jahre nach Italien auf. Über Mailand, Mantua, Bologna, Florenz und Siena reiste er nach Rom. Während dieser Reise sammelte Schultz vielfältige Inspirationen für sein späteres Werk. 1828 kehrte der Maler nach Berlin zurück. 1830 wurde er Lehrer für Perspektive an der Bauakademie. Zwei Jahre später trat er als Nachfolger von Breysig das Amt des Direktors der Danziger Kunstschule an. Als Maler, Lehrer und als Denkmalpfleger erwarb er sich in seiner Heimatstadt große Verdienste. Während seiner Italienreise war für Schultz der Aufenthalt in Mailand einer der Höhepunkte. Der dortige Dom hinterließ bei ihm, wie bei anderen Künstlern auch, bleibende Eindrücke. Bereits Schinkel war zwei Jahrzehnte zuvor von dem Gebäude begeistert gewesen. Das damals für ihn großartigste gotische Architekturwerk hatte Schinkel in Berlin mit Diorama-Vorführungen populär gemacht. So präsentierte er 1808 in einer Weihnachtsausstellung die Außenansicht des Domes bei Mondbeleuchtung mit Fackelzug sowie ein Jahr später eine Innenansicht. Schultz hatte das Innere und Äußere des Doms in Mailand eingehend studiert und mehrfach gezeichnet. In Rom führte er nach diesen Skizzen zunächst zwei verschiedene Innenansichten in Öl aus. Er sandte die Werke 1826 auf die Berliner Akademieausstellung (Katalog zur Ausstellung der Königlichen Akademie der Künste, Berlin 1826, S. 50, Kat. 483, 484). König Friedrich Wilhelm III. von Preußen und der Kronprinz erwarben die beiden Bilder. Für den an einer solchen Darstellung ebenfalls interessierten Sammler Joachim Heinrich Wilhelm Wagener schuf der Künstler 1827 eine verkleinerte Fassung des vom Kronprinzen gekauften Bildes, das das sonnenbeschienene Innere nahe der Vierung mit Blick zum Chor zeigt. Eine Mönchsprozession ist im Gange, mehrere Andächtige und Pilger haben sich eingefunden (Nationalgalerie, Inv.-Nr. W.S. 231).

Als Pendant zu dieser Komposition malte Schultz für Wagener zwei Jahre später die formatgleiche, kühn angeschnittene Ansicht des begehbaren Daches des Mailänder Doms (Nationalgalerie, Inv.-Nr. W.S. 232). Wagener bezahlte dafür 125 Taler (Verzeichniss der Gemälde-Sammlung des J.H.W. Wagener, Berlin 1850, S. 95, Kat. 192, 193, SMB-ZA, IV/NL Wagener). 1830 war das Bild auf der Akademieausstellung zu sehen. Mittelalterlich gekleidete Handwerker sind mit Arbeiten am Bau beschäftigt. Links überragt der Vierungsturm die Dachszene, rechts ist ein Ausblick auf die Stadt und schneebedeckte Alpengipfel gegeben. Der vom Sonnenlicht beschienene Marmor des filigran verzierten Gebäudes leuchtet hell vor dem strahlenden Blau des wolkenlosen Himmels. | Birgit Verwiebe


Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Alte Nationalgalerie

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Lautespielendes Mädchen

Lautespielendes Mädchen

Das Motiv der musizierenden Genien in Form zweier Laute beziehungsweise Lyra spielenden Mädchen (B II 87 a, b) entwickelte Hildebrand aus der ursprünglichen Idee einer Orpheus-Darstellung. Verschiedene Skizzen und plastische Entwürfe (Sigrid Esche-Braunfels, Adolf von Hildebrand [1847–1921], Berlin 1993, S. 335–342) zeigen Sänger sowohl mit Laute als auch mit Leier. War das durch den Orpheus-Mythos angerissene Thema der Musik im Zusammenhang mit der Idee einer Brunnenanlage zunächst noch als Relief vorgesehen, so tritt das Motiv mit der Konzeption der beiden musizierenden Mädchen plastisch in den Vordergrund. Der Bildhauer hatte nach dem Wegfall des stark räumlich entwickelten Brunnenbeckens offensichtlich nach einem plastischen Ausgleich gesucht und die beiden wandgebunden konzipierten Gestalten vollplastisch ausgeformt. Beide Musikerinnen sind in einem komplizierten Spiel gegenläufiger Achsen aufeinander bezogen; sie bekrönten einst den treppenartigen Aufbau einer von Pilastern bestandenen Wandnische. Die Ausführung der Marmorarbeiten für das Denkmal, das Joseph Joachim gewidmet ist (vgl. B II 87 c, d), war dem Bildhauer Rothenburger übertragen worden, doch befriedigte diese nicht vollständig. Augenscheinlich sind die Figuren nicht mit der gleichen subtilen Oberflächenqualität gehauen wie eigenhändig von Hildebrand ausgeführte Werke. Jener war sich dieser Abweichung im arbeitsteiligen Werkprozess durchaus bewusst, unterschied er doch das Original als „Ergebnis eines gestaltenden Prozesses, einer schaffenden Phantasie“ von der „Kopie“ als „das Resultat einer Nachahmungsfähigkeit“ (Adolf von Hildebrand an Alfred Hildebrand-Koppel, Dezember 1891, zit. nach Bernhard Sattler [Hrsg.], Adolf von Hildebrand und seine Welt. Briefe und Erinnerungen, München 1962, S. 373). Die Originalgipse beider Figuren befinden sich zusammen mit dem umfangreichen Ateliernachlass in der Neuen Pinakothek in München. | Yvette Deseyve

Rebekka und Elieser am Brunnen

Rebekka und Elieser am Brunnen

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Die Eltern des Künstlers

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Monica, die Tochter der Künstlerin

Monica, die Tochter der Künstlerin

Das im Jahre 1900 auf der Ausstellung der Berliner Secession gezeigte Bild der Tochter Monica (1893–1961) war unerwartet erfolgreich und bewog etliche Familien zu dem Wunsch, ihre Kinder ebenfalls von dieser Künstlerin malen zu lassen. Sabine Lepsius, die so anspruchs- und hoffnungsvoll ihre künstlerische Arbeit begonnen hatte (vgl. das Selbstbildnis von 1885, Nationalgalerie, NG 1/56), sah sich dadurch auf ein typisch weibliches Motivfeld zurückgeworfen. Sie benötigte jedoch die Einkünfte, um ihren anspruchsvollen Hausstand mit etlichen Kindern, Hauslehrern, aber auch vielen Gästen finanzieren zu können. Was hatte das Bild so erfolgreich werden lassen? Das etwa siebenjährige Mädchen sitzt betont ungezwungen auf einer Decke auf dem Boden, ohne Schuhe und Strümpfe, die Haare offen. Die gute Herkunft aber beweisen die Rokokokommode im Hintergrund, das feine Empirekleid, die Perlenkette am Fußgelenk, der goldene Armreif, die gezierte Haltung. Der modernen Lebensreform zugeneigte, wohlhabende Familien fühlten sich von diesem gemäßigt unkonventionellen Bilde, das auch pädagogische Reformideen widerspiegelte, angenehm überrascht. Auch mit einem zweiten Bild ihrer eigenen Kinder, der Tochter Sabine (1899–1982), Krokusse pflückend (1906, Verbleib unbekannt), war Sabine Lepsius besonders erfolgreich. Ludwig Justi, der mit dem Künstlerpaar Lepsius befreundet war, hatte nach eigener Aussage 1914 geschwankt, ob er »dieses oder das Monica-Bild für die Galerie erwerben sollte« (Justi an Sabine Lepsius, Brief vom 13.7.1942, Deutsches Literaturarchiv Marbach, zit. nach: A. Dorgerloh, Das Künstlerehepaar Lepsius, Berlin 2003, S. 202, Anm. 346). – Monica Lepsius heiratete später den Innenarchitekten John Berenberg und war lebenslang selbst als Malerin tätig. | Angelika Wesenberg

Hans Rosenhagen

Hans Rosenhagen

Das Jahr 1899 war für den Maler Lovis Corinth von entscheidender Bedeutung. Die Jury der Münchner Secession, der er seit ihrer Gründung 1892 angehörte, wies sein Bild »Salome mit dem Haupte des Johannes« (Harvard University, Cambridge, Massachusetts) von ihrer Ausstellung zurück. Walter Leistikow jedoch, der gerade in München für die neugegründete Berliner Secession warb, war von dem Bilde begeistert und erbat es für die nächste Ausstellung dort. Corinths Übersiedelung nach Berlin war angebahnt.Das Jahresende 1899 verbrachte Corinth in Berlin. Er arbeitete in Leistikows Atelier in der Körnerstraße 26 an verschiedenen Porträts. Leistikow auch stellte den Kontakt zur Berliner Gesellschaft her. Am 28. Dezember berichtete Corinth nach München: »Durch die Salons schwimme ich wie ein Hecht, als wenn ich mich nie in anderen Kreisen bewegt hätte. Meine Erfolge hier habe ich Leistikow zu danken, bei dem ich auch viel bin« (L. Corinth, Eine Dokumentation, Tübingen 1979, S. 58). Über Leistikow lernte Corinth den Berliner Kunstkritiker Hans Rosenhagen und dessen Mutter kennen. Rosenhagen war nicht nur Herausgeber der Zeitschrift »Das Atelier«, er schrieb Artikel zur Berliner Kunst für die Zeitschrift »Die Kunst für Alle«, später auch Rezensionen über die Ausstellungen der Berliner Secession und der Galerie Cassirer. Corinth malte Hans Rosenhagen (1858–1943) am 25. Dezember in dessen Berliner Wohnung (Nationalgalerie Berlin, Inv.-Nr. A II 994). Mit merklich größerer malerischer Freiheit und Freude hatte er zuvor schon, im November, das Bildnis der Mutter gemalt (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A II 532). Er hatte sie darum gebeten, wie überliefert ist, für dieses Bildnis ihr rot changierendes Kleid anzuziehen. Der warme Farbklang des Kleides wiederholt sich im Bild bei Tisch und Stuhl und dem Sofakissen und betont die Blässe des Gesichts. Dessen Tonigkeit variiert Corinth in der Decke und der hellen Gardine. Mutter Rosenhagen aber war mehr als ein Modell, wie wir aus einem Brief von Hans Rosenhagen an Charlotte Corinth von 1931 erfahren: Corinth »widmete ihr sogleich eine besondere Zuneigung, die aufrichtig erwidert wurde. Sah meine Mutter doch – sie stammte aus Westpreußen – in Corinth so etwas wie einen halben Landsmann« (Ch. Berend-Corinth, Lovis Corinth, München 1992, S. 219). | Angelika Wesenberg