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Damenbildnis (Annette Kolb)

Ident. Nr.: A IV 644

ObjID: obj:963539

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Emil Brischle (1884 - 1966),
Künstler*in
Datierung
vor 1930
Weitere Titel
Sammlungstitel: Damenbildnis (Annette Kolb)
Übersetzung: Portrait of a Lady (Annette Kolb)
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 59 x 35 cm
Erwerbung
Zugang ungeklärt

Objektbeschreibung

Brischle und die Schriftstellerin Annette Kolb lebten von 1923 bis 1929 in einer kleinen Künstlerkolonie in Badenweiler. Wahrscheinlich entstand das vorliegende Bild auch in dieser Zeit, da Brischle 1929 zurück in seine Geburtsstadt Offenburg zog. Kolb, die sich vor allem als Pazifistin und Mittlerin zwischen Deutschland und Frankreich verstand, emigrierte 1933 nach Frankreich. Neben Porträts von Freunden und Selbstbildnissen schuf Brischle Landschaften, Stadtansichten und Stillleben. Besonders in Letzteren entwickelte er eine Darstellung der Gegenstände, die er als „relative Sehweise“ (Emil Brischle, 1884 – 1966. Gemälde – Zeichnungen – Druckgraphik. Kat. Offenburg 1985, S. 18) bezeichnete. Dabei fokussiert das Auge ein Objekt, nimmt die Umgebung aber nur unscharf wahr. Diese im späteren Œuvre konsequenter zum Ausdruck kommende Darstellungsweise lässt sich bereits im Bildnis Kolbs erkennen: Hier ist die Umgebung schemenhaft auf grüne Linien reduziert, die die Person aureolengleich umfangen. Nichts lenkt von Geist und Wesen der Dargestellten ab. Das bekannteste Bildnis Kolbs ist ein literarisches: „Von mondäner Häßlichkeit, mit elegantem Schafsgesicht, darin sich das Bäuerliche mit dem Aristokratischen mischte […], war sie außerordentlich intelligent und zugleich gehüllt in die naiv nachfragende Ahnungslosigkeit des alternden Mädchens“ (Thomas Mann, Doktor Faustus, 1947, Frankfurt am Main 1997, S. 272). Wenig schmeichelhaft hat auch Brischle die Freundin wiedergegeben. Im Gegensatz zu Manns beißendem Sarkasmus offenbart sich hier aber die besondere Nähe zwischen Künstler und Modell, die über jegliche Schönfärberei erhaben war.| Katharina Wippermann

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

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Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz