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Mädchenakt mit Tuch

Ident. Nr.: B I 681

ObjID: obj:963593

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Oda Schottmüller (1905 - 1943),
Künstler*in
Datierung
um 1931
Weitere Titel
Sammlungstitel: Mädchenakt mit Tuch
Übersetzung: Female Nude with Drapery
Provenienz
Schenkung: Alfred Jonas, Falkensee (Gipsgießer),
399577
Magistrat von Groß-Berlin,
399578
Nationalgalerie, Berlin (Übergabe),
23.6.1950–1951
Material / Technik
Gips und Wachs
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 62 x 13 x 15 cm

Objektbeschreibung

Eine nackte junge Frau steht kerzengerade auf einem Sockel. Der linke Arm ist hinter den Rücken gedreht, während sie mit der rechten Hand seitlich ein Tuch hält, das von den Füßen bis hoch zu den Knien um ihre geschlossenen Beine geschlungen ist. Schottmüller war nicht nur Bildhauerin, sondern auch Ausdruckstänzerin, weshalb das Motiv umso mehr Prägnanz erhält, da die Bewegungsmöglichkeiten der weiblichen Figur durch das Tuch nahezu negiert werden. Andere von ihr bekannte Skulpturen hingegen sind als intensive Bewegungsstudien konzipiert. Vielleicht weist die Lähmung der Figur bereits auf die politische Situation in Deutschland, auf das Erstarken von Rechtsextremismus und Nationalsozialismus hin. Die in Posen (heute Poznań) geborene Schottmüller war 1928 nach Berlin gezogen, wo sie ein Studium an der Hochschule für die bildenden Künste bei der Bildhauerin Milly Steger begann. Außerdem wurde sie Mitglied der „Gruppe junger Tänzerinnen“ an der Berliner Volksbühne, in der sie 1932 ihren ersten Soloauftritt hatte. Ab 1933 beteiligte sie sich an Ausstellungen. Im selben Jahr lernte sie den Widerstandskämpfer Harro Schulze-Boysen kennen und engagierte sich seit 1936 aktiv in dem Netzwerk der Roten Kapelle im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Zwischen 1940 und 1942 war sie als Tänzerin auf zahlreichen Tourneen im Rahmen der kulturellen Truppenbetreuung der deutschen Wehrmacht durch Europa unterwegs. Bei ihrer Rückkehr im September 1942 wurde sie verhaftet und am 5. August 1943 im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee hingerichtet. Viele ihrer Werke sind heute verschollen. | Anja Pawel

Letzte Aktualisierung: 10.11.2025

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Karelien und Murmansk

Karelien und Murmansk

Nach seiner Rückkehr aus Karelien 1925 malte Vogeler vier Komplexbilder, von denen nur das Gemälde „Karelien und Murmansk“ erhalten ist. In kaleidoskopartig angelegten Feldern stellt er dort seine Reise von Petrosawodsk im Süden bis Murmansk im Norden von unten nach oben dar. Zu sehen sind die karelische Landschaft, Fischerhäfen, die damals nördlichste Agrarstation in Chibinen, eine Holzflößerei, ein Bohrturm sowie die Murmansk-Eisenbahn, die das Werk von unten nach oben diagonal durchzieht. Die einzelnen Prismen gehen von dem übergroßen roten Sowjetstern aus. In ihm thront eine Tanne, das Wahrzeichen der finnisch geprägten Region Karelien. Sie steht auf einem rot umkränzten Berg aus toten Revolutionären, unter dem in einem neuen Feld eine Revolutionsfeier stattfindet. Oberhalb des Sterns sind eine Versammlung der Internationalen Roten Hilfe (MOPR) sowie Hammer und Sichel zu sehen. Auf Finnisch wird im Stern verkündet: „Die Sowjetmacht befreit alle Völker von den Ketten des Imperialismus.“ Dies ist die zentrale politische Botschaft, die Vogeler durch die „vielen erlebten realistischen Szenen“ im Komplexbild zusammengefügt hatte – für ihn die „beste agitatorisch-propagandistische Form“, um „das Werden der sozialistischen Gesellschaft nach der großen Oktoberrevolution“ zu vermitteln (H. Vogeler: Werden. Erinnerungen, 1989, S. 328 f). Weitere Banner fordern auf Finnisch: „Arbeiter und Unterdrückte aller Länder, vereinigt Euch“ und auf Russisch mit den Worten Wladimir Iljitsch Lenins: „Vor allem brauchen wir um jeden Preis eine Steigerung der Produktion“. | Maike Steinkamp

Vollblutfohlen

Vollblutfohlen

Mit dem „Großen Vollblutfohlen“ verließ Sintenis 1940 ein weiteres Mal die für sie typische kleinformatige Darstellungsweise (vgl. u.a. B I 683). Die Plastik ist eine Vergrößerung des ein Jahr zuvor geschaffenen, 21 Zentimeter großen „Vollblutfohlens“, von dem sich ebenfalls ein Guss im Bestand der Nationalgalerie befindet (NG 18/81). Sintenis modellierte das Jungtier mit überlangen, staksigen Beinen, flatternder Mähne und aufmerksam-neugierigem Blick. Die Oberfläche der Figur ist stark strukturiert, die Muskulatur herausgearbeitet. Das „Große Vollblutfohlen“ ist eine der letzten in Bronze gegossenen Arbeiten Sintenis’ in jenen Jahren, herrschte um 1940 doch ein Mangel an diesem für den Krieg benötigten Material. An ihre Freundin Anita Warncke schrieb die Bildhauerin: „[…] das trifft mich gerade so radikal, die meisten anderen können sich umstellen auf Stein etc., aber für meine Sachen geht nichts anderes.“ Und ein Jahr später fügte sie hinzu: „Der Gießer hört ganz auf und macht Granaten. Und was mache ich?“ (Briefe vom 12.3.1940 und 21.4.1941, zit. nach S. Kettelhake, Renée Sintenis. Berlin, Boheme und Ringelnatz, Berlin 2010, S. 340). Vermutlich handelt es sich bei dem „Großen Vollblutfohlen“, das 1957 für die West-Berliner „Galerie des 20. Jahrhunderts“ angekauft wurde, um einen Nachkriegsguss. Sintenis hatte diesem zugestimmt, da ein früheres Exemplar des Fohlens in den Wirren nach 1945 in Berlin abhandengekommen war. | Maike Steinkamp

Atelierecke

Atelierecke

Von 1922 bis 1928 studierte Anhalt Malerei an der Kasseler Kunstakademie. Noch in dieser Zeit stellte er 1926 in der „Herbstschau hessischer Kunst“ aus. Dort erwarb der preußische Oberpräsident Rudolf Schwander aus Mitteln des Kultusministeriums zur Unterstützung lebender Künstler sein Gemälde „Atelierecke“. Das Werk blieb in Hessen, wo es spätestens 1930 als Leihgabe in das Kunsthistorische Museum der Universität Marburg gelangte; inventarisiert wurde es jedoch in der Nationalgalerie. Das war in jener Zeit üblich bei Kunstankäufen der Oberpräsidenten, die Mittel des Ministeriums erhielten. Die von Schwander erworbenen Werke wurden in mehreren hessischen Institutionen aufbewahrt. Im Jahr 1930 befanden sich dort bereits 34 als im Besitz der Nationalgalerie geführte Arbeiten in unterschiedlichen Museen und staatlichen Büroräumen (vgl. SMB-ZA, I/NG 211). „Atelierecke“ verblieb bis 1966 in Marburg und wurde dann an die West-Berliner Nationalgalerie gegeben. Im Mittelpunkt des Gemäldes stehen zwei Staffeleien: Eine ist leer, auf der anderen befinden sich zwei noch unvollendete, schemenhaft gemalte Bilder vor einem Fenster. Die Komposition ist aus leichter Untersicht angelegt. Die Betrachter:innen schauen durch die Fensterscheiben hinauf in einen hellen Himmel; im Gegenlicht wirken die Gegenstände im Raum dunkel. Schräges Sonnenlicht streift die leere Staffelei, das geöffnete Fensterfeld und den unteren Fensterrahmen. Rosa-, Gelb- und Orangetöne lockern die Farbpalette auf und verleihen der Studie eine impressionistische Wirkung. | Emily Joyce Evans

Melancholie (Reinhardt-Fries)

Melancholie (Reinhardt-Fries)

Durch den Berliner Theaterdirektor Max Reinhardt erhielt Munch 1906 den Auftrag zu einem Bilderfries für einen Saal im Obergeschoss der Kammerspiele. Es entstanden zwölf Gemälde, von denen neun heute zur Sammlung der Nationalgalerie gehören. Die anderen befinden sich im Essener Museum Folkwang, in der Hamburger Kunsthalle und in Osloer Privatbesitz. Ursprünglich waren die Werke unmittelbar unter der 4,70 Meter hohen Decke angebracht und bis 1912 dort zu sehen. Der Saal wurde mit einem Fest zu Silvester 1907 eingeweiht. Zwei Tage zuvor hatte Munch den fertigen Fries seinem Malerkollegen Emil Nolde sowie dem Hamburger Richter und Kunstsammler Gustav Schiefler gezeigt. Letzterer notierte am 29. Dezember 1907 in sein Tagebuch: „Munch deutete uns die Bilder: Es sind die alltäglichen Erlebnisse aus dem Landleben der norwegischen Küstenbewohner, die Mädchen versammeln sich am Strande und unterhalten sich, bis die jungen Burschen aus der Nachbarschaft in Bo[o]ten herangerudert kommen. Dann vereinigen sie sich zu Gesellschaftsspiel und Tanz. Endlich fahren sie wieder fort. Die Mädchen zerstreuen sich, aber eine sitzt in tiefer Schwermut versunken in einem roten Kleide am Strande“ (Edvard Munch und Gustav Schiefler, Briefwechsel, Band 1: 1902–1914, Hamburg 1987, S. 266, Nr. 368). Da die Gemälde für eine hohe Hängung konzipiert waren, verzichtete Munch auf detaillierte Binnenzeichnungen. Um den Eindruck einer Wandmalerei zu erzeugen, benutzte er spröde, kalkhaltige Kaseintempera und grobe, ungrundierte Leinwände, welche die Farbe stark aufsaugten. Raue Untergrundstruktur und matte Farbigkeit ergeben die Anmutung alter Fresken. Als Ort der Handlung wählte Munch den Åsgårdstrand, wo er ein Sommerhaus mit Blick auf den Oslofjord besaß. | Dieter Scholz

Frau am Tisch

Frau am Tisch

Seit den 1920er-Jahren beschäftigte Kaus sich intensiv mit dem Motivkomplex Interieur mit weiblichem Modell und entwickelte ihn kontinuierlich weiter, wobei sich bestimmte, stets klar konturierte Objekte, wie etwa Möbelstücke, wiederholen. „Frau am Tisch“ entstand 1949, als Kaus nach der Diffamierung seines Œuvres durch die Nationalsozialisten und der Zerstörung seines Ateliers bei einem Bombenangriff auf Berlin seine Lehrtätigkeit wiederaufgenommen und eine Professur an der dortigen Hochschule für bildende Künste erhalten hatte. Sind Kaus’ frühere Interieurs häufig Ausdruck von Harmonie und Ruhe, so drücken jene der Nachkriegszeit eher eine problematische persönliche Konstellation aus. Das vorliegende Gemälde zeigt eine blasse Frau, deren linke Gesichtshälfte verschattet ist, leicht vorgebeugt in einem Sessel sitzend. Vor ihr steht ein Tisch mit Papieren bedeckt und einer schwer zu fassenden grauen Plastik. Über die Rückenlehne eines leeren Stuhls hinweg scheint der Blick der Dargestellten ins Leere zu gehen. Denkt sie an ihr abwesendes Gegenüber? Eine offene Tür gibt zudem partiellen Einblick in einen weiteren, im Gegensatz zu jenem im Vordergrund hellen Raum. Ein runder Tisch mit einem Spiegel darüber ist zu erkennen sowie eine kleine Skulptur, die von Kaus’ Künstlerkollegen Bernhard Heiliger stammen könnte. Gedämpfte Rot-, Grün- und Grautöne bestimmen die Komposition. Genauso wie die strukturierenden Horizontalen und Vertikalen und die ornamentalen Linien verbinden diese Farben Person und Gegenstände zu einem melancholischen Ganzen. | Lisa Hackmann

Sonnenblume (Reinhardt-Fries)

Sonnenblume (Reinhardt-Fries)

Durch den Berliner Theaterdirektor Max Reinhardt erhielt Munch 1906 den Auftrag zu einem Bilderfries für einen Saal im Obergeschoss der Kammerspiele. Es entstanden zwölf Gemälde, von denen neun heute zur Sammlung der Nationalgalerie gehören. Die anderen befinden sich im Essener Museum Folkwang, in der Hamburger Kunsthalle und in Osloer Privatbesitz. Ursprünglich waren die Werke unmittelbar unter der 4,70 Meter hohen Decke angebracht und bis 1912 dort zu sehen. Der Saal wurde mit einem Fest zu Silvester 1907 eingeweiht. Zwei Tage zuvor hatte Munch den fertigen Fries seinem Malerkollegen Emil Nolde sowie dem Hamburger Richter und Kunstsammler Gustav Schiefler gezeigt. Letzterer notierte am 29. Dezember 1907 in sein Tagebuch: „Munch deutete uns die Bilder: Es sind die alltäglichen Erlebnisse aus dem Landleben der norwegischen Küstenbewohner, die Mädchen versammeln sich am Strande und unterhalten sich, bis die jungen Burschen aus der Nachbarschaft in Bo[o]ten herangerudert kommen. Dann vereinigen sie sich zu Gesellschaftsspiel und Tanz. Endlich fahren sie wieder fort. Die Mädchen zerstreuen sich, aber eine sitzt in tiefer Schwermut versunken in einem roten Kleide am Strande“ (Edvard Munch und Gustav Schiefler, Briefwechsel, Band 1: 1902–1914, Hamburg 1987, S. 266, Nr. 368). Da die Gemälde für eine hohe Hängung konzipiert waren, verzichtete Munch auf detaillierte Binnenzeichnungen. Um den Eindruck einer Wandmalerei zu erzeugen, benutzte er spröde, kalkhaltige Kaseintempera und grobe, ungrundierte Leinwände, welche die Farbe stark aufsaugten. Raue Untergrundstruktur und matte Farbigkeit ergeben die Anmutung alter Fresken. Als Ort der Handlung wählte Munch den Åsgårdstrand, wo er ein Sommerhaus mit Blick auf den Oslofjord besaß. | Dieter Scholz

Bildnis Joachim Ringelnatz

Bildnis Joachim Ringelnatz

In den 1920er-Jahren fertigte Sintenis zahlreiche Bildnisse an. Diese waren sowohl Auftragsarbeiten als auch Porträts von Freunden und Bekannten. So modellierte sie etwa Bildnisse des Bankiers Hugo von Oppenheim (WVZ Berger/Ladwig 2013, 067), der Frau von Mendelssohn (WVZ Berger/Ladwig 2013, 068), des Schriftstellers Hans Siemsen (WVZ Berger/Ladwig 2013, 053) oder ihres Mannes, des Künstlers Emil Rudolf Weiß (NG 61/81). Auch von dem Schriftsteller, Kabarettisten und Maler Joachim Ringelnatz (1883–1934), mit dem sie befreundet war, fertigte sie 1923 eine Kopfstudie an. Seit Beginn der 1920er-Jahre tingelte Ringelnatz als kabarettistischer Seemann „Kuttel Daddeldu“ durch alle großen Städte Deutschlands sowie durch Prag, Zürich und Wien. Unter anderem trat er regelmäßig in Berlin auf den Kleinkunstbühnen der Stadt auf. Ringelnatz und Sintenis hatten sich 1922 auf einem Berliner Künstlerball kennen- und schätzen gelernt. Nur ein Jahr später fertigte Sintenis das ausdrucksstarke Bildnis des Künstlers an. Gekonnt hat sie dessen markante Gesichtszüge festgehalten, die charakteristische Nase und die abstehenden Ohren. Das ganze Gesicht ist sehr lebendig modelliert, was dem Porträt zum einen etwas Skizzenhaftes verleiht, zum anderen das unruhige Wesen des Künstlers spiegelt. Eindrücklich gelang es Sintenis, Ringelnatz’ Persönlichkeit, seine innere Gespaltenheit, Verletzlichkeit ebenso wie seinen Schalk und Charme in all ihren Widersprüchlichkeiten in Ton zu fassen. | Maike Steinkamp