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Alter Russe vor Kathedralen Verso: Bildnis Lis Bertram

Ident. Nr.: A III 441

ObjID: obj:963772

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Heinrich Ehmsen (1886 - 1964),
Künstler*in
Datierung
1932
Weitere Titel
Sammlungstitel: Alter Russe vor Kathedralen Verso: Bildnis Lis Bertram
Übersetzung: Old Russian before Cathedrals Verso: Portrait of Lis Bertram
Geografische Bezüge
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
1957
Material / Technik
Öl und Emailfarbe auf Holz
Abmessungen
Höhe x Breite: 60 x 48 cm
Erwerbung
1957 Ankauf vom Künstler

Objektbeschreibung

1932 erhielt Ehmsen vom sowjetischen Staat den Auftrag zum Triptychon „Erschießung des Matrosen Egelhofer“ (heute Eremitage, Sankt Petersburg). Im selben Jahr wurde ihm in Moskau eine große Ausstellung ausgerichtet. Fünf Moskauer Museen erwarben mehrere seiner Revolutionsbilder (vgl. „Geiselerschießung“, A IV 486 und A VI 487). Der Erlös ermöglichte ihm eine neunmonatige Studienreise durch die Sowjetunion bis zur Krim und in den Kaukasus. Zurück in Berlin entstand zwischen 1932 und 1935 eine Serie, die von der Moskauer Basilius-Kathedrale inspiriert ist; dieses Bild gehört zu den frühesten. Charakteristisch ist der eigenartige Farbauftrag in repetitiv getupften Pinselbahnen, der gewissermaßen Kolorit und Zeichnung in dynamische Farbspurwolken verschmilzt. Die in ihrer Fremdartigkeit betonten und bejahten Architektur- und Menschentypen geben Gelegenheit zu einem lyrischen, sich der Räumlichkeit tendenziell entziehenden Kolorismus. Vielleicht auch aus diesem Grunde wählte Ehmsen hier sogenannte Emailfarbe, mit Alkydharzlack gebundene Pigmente, die jedoch nicht mit der auf Glasfluss basierenden Emaille zu verwechseln ist, die Goldschmiede verwenden. Die Rückseite der Holztafel zeigt Vorzeichnung und Untermalung eines Brustbildes von Lis Bertram (1897–1986), der Lebensgefährtin Ehmsens. Wahrscheinlich handelt es sich um die verworfene Version eines Porträts, das 1927 als ganzfiguriges Bildnis (Heinrich Ehmsen, Ausst.-Kat. Deutsche Akademie der Künste, Berlin [Ost], 1951, Taf. S. 51) ausgeführt wurde. | Kyllikki Zacharias

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

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Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz