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Prinz August von Preußen

Ident. Nr.: A I 452

ObjID: obj:963838

Details (Expert)

Beteiligte
Franz Krüger (1797 - 1857),
Maler*in
Datierung
um 1828
Provenienz
Ehrenstiftsdame Mathilde von Waldenburg, Tochter des Prinzen August von Preußen,
365549
Rudol Lepkes Kunstauktionshaus (Versteigerung des Nachlasses Waldenburg),
9.3.1886
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 63 x 47 cm

Objektbeschreibung

Franz Krüger war unter den Berliner Malern des Biedermeier einer der herausragenden Porträtisten. Vorbereitet durch sorgfältige Zeichnungen und Studien nach der Natur, bewies er in zahlreichen Bildnissen von Persönlichkeiten des Adels und des Bürgertums einen ausgeprägten Sinn für Authentizität. In diesem Gemälde ist Prinz August von Preußen (1779–1843), ein Neffe Friedrichs des Großen, in würdevoller Haltung im Gelben Zimmer seines Palais in der Wilhelmstraße 65 dargestellt. Dessen Innenräume waren 1817 nach Plänen Karl Friedrich Schinkels umgebaut worden. Schinkel hatte bei diesem ersten Auftrag für eine Innendekoration einen sorgfältig abgewogenen, repräsentativen und zugleich eleganten Dekorationsstil in vornehmer Farbigkeit und römischer Ornamentik entwickelt. In der Uniform der Gardeartillerie, an der Brust das Rangabzeichen des Generalstabes, steht Prinz August in der Mitte des Raumes, eine Hand am Degen, in der anderen, zwischen den Fingerspitzen, den federgeschmückten Zweispitz. Ein auf dem Tisch liegender Festungsplan verweist auf seine Kriegserfahrungen, die er sich im Kampf gegen Napoleon erworben hatte. Als Bild im Bild erscheint an der Wand im Hintergrund ein Hauptwerk des französischen Empire, das von François Gérard zwischen 1801 und 1805 gemalte Porträt der Französin Juliette Récamier (Musée Carnavalet, Paris). Die von vielen Männern umschwärmte Ehefrau eines Pariser Bankiers wurde auch von Prinz August verehrt, der sie bei Madame de Staël auf Schloß Coppet am Genfer See kennengelernt hatte. Es heißt, Madame Récamier habe erwogen, sich von ihrem Mann zu trennen, um Prinz August zu heiraten. Sie verzichtete jedoch auf die Scheidung von ihrem unterdessen geschäftlich gescheiterten Ehegatten. Hingegen überließ sie 1808 dem Prinzen ihr berühmtes Bildnis, das sie nach dessen Tod wieder zurückerhielt. Als Gegengabe übersandte ihr Prinz August das Gemälde »Corinna auf Cap Misenum«, welches er zu Ehren von Madame de Staël 1819 bei Gérard in Auftrag gegeben hatte (Musée des Beaux-Arts, Lyon). 1811 mußte sich Prinz August für mehrere Jahre von dem Bildnis der Juliette Récamier trennen, da in Paris eine Lithographie gefertigt werden sollte. Erst 1822 traf das Porträt wieder bei Prinz August ein: »Ich werde es in mein Kabinett hängen, das somit ganz Ihrer Erinnerung geweiht sein wird« (Brief vom 19.10.1822, in: A. W. Hein, Briefe des Prinzen August von Preußen an Madame Récamier, in: Francia, 4. Jg., 1976, S. 552). Frühestens zu diesem Zeitpunkt könnte Krüger dieses Bildnis gemalt haben. August von Preußen und Juliette Récamier hatten jedoch erst 1827/28 beschlossen, sich in eigenen Wohnräumen porträtieren zu lassen und anschließend diese Bildnisse miteinander zu tauschen. Krügers Bildnisauftrag geht höchstwahrscheinlich darauf zurück. »Ich sehe zu«, schrieb der Prinz, »dass ich jenes [Bild] von dem Zimmer, in dem ich Ihr Porträt aufgehängt habe, möglichst beschleunige« (Brief vom 7.6.1827, ebd., S. 562). Neben der ausgereiften Maltechnik spricht auch die Barttracht des Prinzen ohne Koteletten für eine Datierung um 1828: »Da Sie sich gewünscht hatten, mein Porträt in diesem Zimmer wieder zu finden, gibt mir nur dies das Recht, mich so darstellen zu lassen, wie mich das Alter hat werden lassen. Ich sehe traurig aus, da ich schon so lange von Ihnen getrennt bin« (Brief vom 23.8.1828, ebd., S. 563). | Birgit Verwiebe

Letzte Aktualisierung: 16.03.2026

Kontakt

Einrichtung:

Alte Nationalgalerie

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Ganze Zyklen biblischer Landschaften sind das Hauptthema Schirmers in seinen letzten Lebensjahren, der Zeit seiner Lehrtätigkeit in Karlsruhe. 1855 und 1856 entstanden zunächst 26 Kohlezeichnungen mit alttestamentarischen Szenen vom Paradies bis zum Begräbnis Abrahams (Staatliche Kunsthalle Karlsruhe). Sie wurden in vielen größeren Städten Deutschlands mit Erfolg gezeigt. In einer zweiten Ausführung setzte er die Zeichnungen in Ölskizzen um (Museum Kunstpalast, Düsseldorf; Museum Georg Schäfer, Schweinfurt). Von 1859 bis Mai 1861 – das sechste Bild wurde erst 1862 vollendet – entstand sodann der in Ölmalerei ausgeführte Zyklus, der sich heute in der Nationalgalerie befindet. Schirmer widmete ihn allein der Geschichte Abrahams, in zwölf Bildern zu sechs Tafeln gerahmt. Dieser Zyklus wiederum wurde durch zwei Reihen von Ölskizzen kleineren Formats vorbereitet: einer aus elf Doppelbildern bestehend (Privatbesitz), der zweite aus neun Einheiten mit je einem kleinen Breitformat über und unter dem Hauptbild, also mit 27 Bildern im Ganzen (verschollen). Daneben entstanden zahlreiche Einzelstudien. In allen biblischen Zyklen Schirmers dominiert die Landschaft. »Die Staffage bietet nur das Motiv, das von der landschaftlichen Darstellung aufgenommen und künstlerisch durchgebildet wird, sie ist gewissermaßen der Text zur Melodie« (K. Schnaase, zit. nach: K. Zimmermann, Johann Wilhelm Schirmer, Saalfeld 1920, S. 45). Sinnbildhafte Beziehungen zwischen Landschaft und Begebenheit sind durch Art der Landschaft, Tageszeit, Stimmung sowie Lichtführung gegeben. Die Landschaften haben keinen einheitlichen geographischen Charakter, sie sind aus Eindrücken Italiens, Deutschlands, der Schweiz und Südfrankreichs zusammengesetzt. So hat Schirmer für den Hintergrund der »Vertreibung der Hagar« (Inv.-Nr. A I 7, oben) eine Skizze von der Italienreise 1840 mit Blick in den Park der Villa Borghese verwandt (Museum Kunstpalast, Düsseldorf). Auch für die Staffage griff Schirmer auf Vorbilder zurück. Einzelne Figuren und ganze Szenen entnahm er der zwischen 1852 und 1860 erstmals erschienenen »Bibel in Bildern« von Julius Schnorr von Carolsfeld (Inv.-Nr. A I 5, 7, 9, 10, jeweils oben), weil dessen »Darstellungen biblischer Handlungen, das tiefe kindliche Gemüt, alle anderen Erscheinungen dieser Art übertrifft« (Schirmer an Schnaase, zit. nach: ebd., S. 46). Für andere Figurengruppen waren die Loggien Raffaels in Rom Vorbild (Inv.-Nr. A I 5 und 6, jeweils unten). In der Art der Motivübernahme und in der Kombination von Landschaftsmalerei und Historiendarstellung in einem Zyklus besteht eine Beziehung zu Friedrich Preller (dem Älteren) und dessen »Odyssee«-Zyklen (vgl. z. B. die Fresken im Neuen Museum Weimar). Carl Schnaase bemängelte die Form des Doppelbildes, die eine innere Zusammengehörigkeit von Haupt- und Staffelbild erwarten ließe, wo doch nur ein zeitliches Nacheinander gemeint sei; als Entgegnung verwies Schirmer auf sein ursprüngliches Vorhaben, den Bildern angemessene Arabesken- und Ornamentfelder zur Gliederung beizugeben (vgl. ebd., S. 45 ff.).Der vorliegende Zyklus wurde erstmals 1861 in Köln ausgestellt – noch ohne das Doppelbild »Abrahams Bitte für Sodom« und »Die Flucht Lots« (Inv.-Nr. A I 6) – und wanderte dann durch die meisten großen Städte Deutschlands und Österreichs. In der Nationalgalerie fand er später Aufstellung in dem apsisartigen Raum an der Stirnwand des zweiten Corneliussaales, wie noch auf alten Fotos erkennbar. | Angelika Wesenberg

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Gotische Kirche auf einem Felsen am Meer

Gotische Kirche auf einem Felsen am Meer

Während seiner ersten Reise nach Italien weilte Karl Friedrich Schinkel 1803 in Istrien, wo er auch den Küstenort Piran besuchte. Dessen am Meer gelegener Dom beeindruckte ihn: »Auf einem Felsen, der von der Stadt aus ins Meer sich streckt, steht der Hauptdom der Stadt und macht mit seinem hohen Turm […] eine herrliche Wirkung« (K. F. Schinkel, Reisen nach Italien, Berlin 1979, S. 38). 1813 begann Schinkel mit »Gotischer Dom am Wasser« (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A III 842) eine Reihe von Dom-Bildern; zwei Jahre später entstand »Gotische Kirche auf einem Felsen am Meer«. Dargestellt ist rechts eine Gruppe mittelalterlich gekleideter Herren, die auf einen Hafen zureiten. Soeben passieren sie ein am Wege stehendes gotisches Denkmal, das Schinkel der Hallenser Betsäule von 1455 nachempfand. Vom Meer scheint stürmischer Wind herüberzuwehen. Über dem Felsen am Wasser erhebt sich majestätisch eine Kathedrale, als sei sie dem Gestein entwachsen. Die tiefstehende Sonne bleibt dahinter verborgen, ihr Licht umstrahlt das filigrane Gebäude.Schinkels Dom-Bilder spiegeln die politische und geistige Situation in Deutschland während der Freiheitskriege. In dieser Zeit entwickelte der Künstler eine Vorliebe für altdeutsche Motive und die gotische Baukunst, von der damals angenommen wurde, sie sei deutschen Ursprungs. Mit dem Erwerb des Gemäldes im Entstehungsjahr 1815 begann der Berliner Bankier Joachim Heinrich Wilhelm Wagener seine Sammeltätigkeit. Eine formatgleiche Kopie eines unbekannten Künstlers der Schinkel-Zeit befindet sich in Privatbesitz. | Birgit Verwiebe

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Inneres der Westminster Abbey, London

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1858 erwarb Wagener noch einmal ein Bild von Ainmüller, sein bislang größtes. Im folgenden Jahr wird er sein Testament machen und einen letzten Ankauf tätigen. Die Darstellung aus der Westminster Abbey beweist einmal mehr die stupende Technik des bei Friedrich von Gaertner in München und als Porzellanmaler ausgebildeten Ainmiller. Sein Haupttätigkeitsfeld lag seit 1828 bei der bayerischen Glasmalereianstalt, administrativ, technisch und künstlerisch. Erst daneben war er als begeisterter Architekturmaler tätig – und zu seinen Lieblingsmotiven zählten die großen Kirchen Londons.Eine erste, sehr ähnliche Fassung von 1844, »Chor der Westminster Abbey«, befindet sich in der Sammlung des Fürstenhauses Thurn und Taxis, Regensburg (vgl. U. Staudinger, Die »Bildergalerie« Maximilian Karls von Thurn und Taxis, Kallmünz 1990, Nr. 25). Hier ist ein Blick in das nördliche Seitenschiff des Chors gegeben. Rechts ist das Denkmal Heinrichs III. in Form einer Tumba zu sehen, links die Kapelle des heiligen Paulus, in der Mitte der Zugang zur prachtvollen Kapelle Heinrichs VII., 1502 bis 1520 erbaut, davor die reich skulptierte Grabkapelle Heinrichs V. »Andere Denkmäler der neueren Zeit sind, als mit dem gothischen Styl der Kirche im Widerspruch, von dem Künstler unterdrückt worden«, vermerkt der Katalog der Sammlung Wagener zustimmend. (Verzeichniss der Gemälde-Sammlung des J. H. W. Wagener, Berlin 1861, S. 5, Nr. 10). Alle Bilder von Ainmiller der Sammlung Wagener sind in München gemalt (vgl. ebd., S. 4–6), nach Studien der Reise von 1841 sicher, aber wohl auch nach graphischen, vielleicht auch schon fotografischen Vorlagen; sie folgen einem Ideal, wie der Hinweis auf das nicht Dargestellte uns zeigt. | Angelika Wesenberg