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Paschergut im Erzgebirge

Ident. Nr.: A IV 325

ObjID: obj:963843

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Hermann Glöckner (1889 - 1987),
Künstler*in
Datierung
1936
Weitere Titel
Sammlungstitel: Paschergut im Erzgebirge
Übersetzung: Poachers' Goods in the Ore Mountains
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
1975
Material / Technik
Tempera auf Pappe
Abmessungen
Höhe x Breite: 53 x 67 cm
Erwerbung
1975 Ankauf vom Künstler

Objektbeschreibung

Während eines Sommeraufenthaltes im Erzgebirge hatte Glöckner Ende der 1920er-Jahre die Struktur der Landschaft und die dörfliche Architektur für sich entdeckt. Es war genau die Landschaft, die er gesucht hatte: „Dort sah ich die Flächen der Felder und die Flächen der Dächer, die Giebel und eben schon Formen, die später ganz ausgeprägt zu meinen Bildinhalten werden sollten“ (Hermann Glöckner, Meine Arbeit ist mein Leben, in: John Erpenbeck, Hermann Glöckner. Ein Patriarch der Moderne, Berlin [Ost] 1983, S. 56). „Paschergut im Erzgebirge“ ist eine solch geometrisierende Naturstudie. In einer dunklen grau-grünen und schwarzen Farbigkeit gehalten, stellte Glöckner ein menschenleeres Gehöft dar. „Paschergut“ steht für Schmugglerware, weshalb das Bild auf einem alten Foto (SMB-ZA, Künstlerdokumentation) auch als „Schmugglerhof“ bezeichnet worden ist. Das Motiv ist jedoch nur angedeutet und nicht detailliert ausgeführt. Wie in seinen übrigen halb abstrakten Arbeiten ging es dem Künstler um die Struktur, das Verhältnis der einzelnen Formen im Bildraum, weniger um das Sujet. Solche gegenständlichen Kompositionen entstandenen parallel zu Glöckners abstrakten Arbeiten, sah er in den Giebeln der Bauernhäuer doch ähnliche Formen von Faltungen und geometrischen Flächen, wie er sie seit 1930 in seinen gegenstandsfreien Tafeln schuf. Die zeithistorischen Umstände der 1930er-Jahre schlagen sich in Glöckners Werken nicht nieder. Der schon vor 1933 recht zurückgezogen lebende Künstler zeigte seine freien Arbeiten in den folgenden Jahren kaum jemandem. Ihren Lebensunterhalt verdienten er und Frieda, seine Frau, durch dekorative Wandgestaltungen am Bau. | Maike Steinkamp

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

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Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz