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Rausch II (Rote und grüne Akte)

Ident. Nr.: NG 36/66

ObjID: obj:963903

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Moriz Melzer (1877 - 1966),
Künstler*in
Datierung
1912
Weitere Titel
Sammlungstitel: Rausch II (Rote und grüne Akte)
Übersetzung: Intoxication (Red and Green Nudes)
Provenienz
Nachlass Moritz Melzer,
1966
Material / Technik
Öl auf Papier auf Pappe
Abmessungen
Höhe x Breite: 89 x 130 cm
Erwerbung
1966 Geschenk von Elisabeth Brüning, Berlin, aus dem Nachlass des Künstlers

Objektbeschreibung

Nachdem er bereits sieben Jahre als Porzellan- und Keramikmaler gearbeitet hatte, studierte Melzer von 1903 bis 1908 an der Großherzoglich-Sächsischen Kunstschule in Weimar. Dort war insbesondere Ludwig von Hofmann mit seinen idyllisch-arkadischen Bildkompositionen von großem Einfluss. 1908 wechselte Melzer nach Berlin, schloss sich expressionistischen Künstlerkreisen an und gründete 1910 mit Georg Tappert und anderen die Neue Secession. Besonderes Ansehen erwarb er sich mit einer neuen Technik, die Grafik und Malerei miteinander verband: der großformatigen Farbmonotypie. Auch bei „Rausch II“ malte der Künstler das Motiv zuerst mit Öl auf Linoleum, unter Aussparung der beleuchteten Partien. Anschließend wurde mit der Platte das auf einen festen Träger geklebte Papier bedruckt und schließlich das Resultat malerisch überarbeitet. Melzer bezeichnete diese Praxis als „indirektes Malverfahren“ (zit. nach Hermann Voss, Die erste internationale graphische Kunstausstellung in Leipzig 1914, in: Die Graphischen Künste, 38. Jg. [1915], S. 38). Charakteristisch für jene Phase in Melzers Schaffen sind die weich gebogenen und überlängten Körper in expressiven Farben. In „Rausch II“ umschlingen sie sich in sinnlicher Ekstase. Die Figuren befinden sich in einer Art erotischem Taumel, ihre wogende Dynamik erinnert an den Schwung vielfiguriger Kompositionen des Barocks. Möglicherweise kommen darin Eindrücke zum Tragen, die Melzer im Pariser Louvre empfangen hatte, denn ab Mai 1912 lebte er für eineinhalb Jahre in der französischen Kunstmetropole. | Dieter Scholz

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

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Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz