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Chile 73. Zum Tode Pablo Nerudas

Ident. Nr.: A IV 358

ObjID: obj:964120

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Renate Göritz (1938 - 2021),
Künstler*in
Datierung
1973/1974
Weitere Titel
Sammlungstitel: Chile 73. Zum Tode Pablo Nerudas
Übersetzung: Chile '73. Upon the Death of Pablo Neruda
Abmessungen
Höhe x Breite: 90 x 70 cm
Erwerbung
1977 Ankauf von der Künstlerin, Berlin (Ost), aus Mitteln des Kulturfonds der DDR

Objektbeschreibung

Collagen und Assemblagen waren für Göritz, die bis 1963 an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst in Berlin-Weißensee studiert hatte, wichtige Ausdrucksformen, um sich mit dem Zeitgeschehen und persönlichen Erleben auseinanderzusetzen. Mit „Chile 73. Zum Tode Pablo Nerudas“ reagierte sie auf den Militärputsch in dem südamerikanischen Land am 11. September 1973. Die drei Jahre zuvor demokratisch gewählte Regierung des sozialistischen Präsidenten Salvador Allende war gestürzt und in der Folge eine brutale Militärdiktatur errichtet worden. Kurze Zeit nach dem Putsch war zudem der unter militärischer Bewachung stehende chilenische Dichter Pablo Neruda, Nobelpreisträger und Freund Allendes, gestorben. In der DDR zerbrach mit Allendes Regierung die Hoffnung vieler Bürger*innen auf demokratische Reformen im eigenen Land. Ungemein breit fiel daher auch das künstlerische Echo auf das Ereignis aus. Als eindrückliches Beispiel hierfür steht Göritz’ Assemblage in Kontrast zum offiziellen Kunstschaffen in der DDR, für das Anfang der 1970er-Jahre noch die klassischen Gattungen und eine realistisch-figürliche Formauffassung maßgebend waren. In Göritz’ Bild wirken die aufwendig arrangierten, alltäglichen Materialien wie versprengt. Die spröde, silbrig-graue Farbgebung lässt die etwas dunklere untere Bildhälfte rußig wirken. Ein mittig aufgebrachtes, ärmelähnliches Stück Stoff und seine stellenweise rote Übermalung eröffnen Assoziationen an Verletzung und Schmerz. So mutet das Werk als Sinnbild auf Zerfall und Auslöschung an. | Sophie Thorak

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz