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Vorstadtstraße

Ident. Nr.: A IV 645

ObjID: obj:964815

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Ewald Jorzig (1905 - 1983),
Künstler*in
Datierung
vor 1933
Weitere Titel
Sammlungstitel: Vorstadtstraße
Übersetzung: Street on the Outskirts
Provenienz
Kauf: Ministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung,
1933–1939
Abmessungen
Höhe x Breite: 63 x 57,5 cm
Erwerbung
1939 vom Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung als Werk der "Verfalls- und Judenkunst" der Nationalgalerie zur Verwahrung übergeben

Objektbeschreibung

Der in Lütgendortmund geborene Jorzig absolvierte sein Studium zum Zeichner, Grafiker und Maler an der Kunstgewerbeschule in Essen und der Kunstakademie in Düsseldorf – in letzterer Stadt wurde er auch ansässig. In den 1930er-Jahren gehörte er zu den erfolgreichen Landschafts- und Porträtmalern seiner Zeit. Großformatige Industriebilder von ihm waren auch in den „Großen Deutschen Kunstausstellungen“ 1938 und 1940 im Münchner Haus der Deutschen Kunst zu sehen und fanden dort unter anderem in Hermann Göring und Adolf Hitler interessierte Käufer. Das vor 1933 entstandene Werk „Vorstadtstraße“ dagegen weist eine andere Bildmotivik auf. Einen Gehstock in der Hand läuft eine schemenhaft gemalte Figur am linken Straßenrand entlang und führt die Betrachter:innen direkt in die Darstellung. Hinter einer schulterhohen Mauer ist unbebautes Land zu sehen, doch künden Laternen und Stromleitungsmasten an der nach unterschiedlichen Wohn- und Behausungskonzepten bebauten Straße bereits von urbanem Komfort. Der Pinselduktus ist grob, unruhig und konturenhaft. Komplementärfarben variieren in abgemischten Graunuancen und verleihen der Szenerie eine eigentümliche Tristesse. Von Vorstadtidyll keine Spur. Alles scheint zur Stadt hinzustreben, die namenlos und abwesend bleibt. Das Bild wurde 1933 vom preußischen Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung erworben, bevor es 1939 als Werk der „Verfalls- und Judenkunst“ (SMB-ZA, I/NG 949, Bl. 258–261) der Nationalgalerie zur Verwahrung übergeben wurde. Vermutlich entsprach es nicht mehr dem Anspruch der nationalsozialistischen Kunstpolitik an heroische Vaterlandsdarstellungen. | Janet Röder

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz