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Kopf in Messing

Ident. Nr.: B I 480

ObjID: obj:964894

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Rudolf Belling (1886 - 1972),
Künstler*in
Datierung
1925
Weitere Titel
Sammlungstitel: Kopf in Messing
Übersetzung: Head in Brass
Geografische Bezüge
Provenienz
Kauf: Kunsthandlung Alfred Flechtheim, Berlin,
unbekannt - 1928
Kauf: Nationalgalerie, Berlin,
1928–7.7.1937
Beschlagnahmung: Deutsches Reich, Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, Berlin,
7.7.1937 - unbekannt
Verwahrung: Kunsthändler Bernhard A. Böhmer, Güstrow,
1943/44 - 3.5.1945
Nachlass/Vermächtnis: Atelier Ernst Barlach, Güstrow,
3.5.1945–21.3.1947
Verwahrung: Deutsche Zentralverwaltung für Volksbildung, Berlin/SBZ,
21.3.1947
Verwahrung: Museum der Stadt Rostock,
21.3.1947 - 7.1949
Ehem. Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie,
7.1949
Material / Technik
Messing
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 38,3 x 22,5 x 19 cm
Erwerbung
1928 Ankauf von der Kunsthandlung Alfred Flechtheim, Berlin. 1937 als "entartet" beschlagnahmt. 1947 auf dem Grundstück von Bernhard A. Boehmer, Güstrow, sichergestellt und 1949 der Nationalgalerie (Ost) übergeben

Objektbeschreibung

Im Gegensatz zu früheren Köpfen Bellings („Kopf in Mahagoni“, FNG 95/04, und „Skulptur 23“, NG 16/73) ist beim „Kopf in Messing“ das Volumen fest und geschlossen. Aussparungen gibt es nur, um Schatten zu erzeugen, und eine Haarsträhne zieht sich in großzügigem Schwung von der Stirn durch die Luft in den Nacken der Figur. Was heute als ein elegant-melancholisches, den Geist der Zeit einfangendes Frauenbild zwischen Art déco und Neuer Sachlichkeit erscheint, war vom Bildhauer zunächst anders gedacht. 1924 hatte er eine lebensgroße Madonna mit Kind modelliert, den Entwurf aber mehrfach gekürzt, sodass am Ende nur der Kopf erhalten blieb. Seine Zeitgenossen sahen darin ein Porträt von Bellings Ehefrau, der Tänzerin Toni Freeden (1901-1942). Diese Annahme unterstützten zwei Fotos, auf denen sie den „Kopf in Messing“ im Arm hält, untertitelt mit: „Plastische Arbeit des Bildhauers Belling und das Modell“ (Hamburger Illustrierte, 24.11.1927, S. 24) bzw. „Die Gattin des Bildhauers Belling mit ihrem Ebenbild“ (Revue des Monats, 4. Jg. [1929/30], H. 4, Feb., erste innere Titelseite). Der Künstler jedoch verwahrte sich stets dagegen, wie er noch 1961 an den Saarbrücker Museumsdirektor Rudolf Bornschein schrieb (Brief im Rudolf Belling Archiv, Krailling). Der Messingkopf, 1928 von der Nationalgalerie erworben, bildete in deren Neuer Abteilung im ehemaligen Kronprinzen-Palais einen Gegenpol zu dem weitgehend abstrahierten „Dreiklang“ (B I 449). Beide Werke zeigten, dass Abstraktion und Gegenständlichkeit nicht zwangsläufig gegeneinander stehen, sondern sich im Schaffen ein und desselben Künstlers verbinden können. Die Nationalsozialisten beschlagnahmten beide Skulpturen 1937 und stellten sie in München als „entartete Kunst“ aus. 1949 konnte „Kopf in Messing“ der Nationalgalerie (Ost) zurückgegeben werden. | Dieter Scholz

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

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Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz