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Christus (Der Sämann)

Ident. Nr.: A II 45

ObjID: obj:964910

Details (Expert)

Beteiligte
Hans Adolf Bühler (1877 - 1951),
Maler*in
Datierung
1910
Material / Technik
Tempera auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 172 x 124 cm
Erwerbung
1913 Ankauf aus Mitteln der Gustav-Müller-Stiftung, Rom

Objektbeschreibung

Begonnen wurde das Bild in Rom, vollendet in Deutschland. Vielleicht ist die urweltliche Berglandschaft des Hintergrundes angeregt durch den Hotzenwald am Hochrhein, wo Bühler sich eine Zeit lang aufhielt. Die Saatkörner im Schoß des Sitzenden erschließen eine Bildsymbolik, die auf die Gleichnisse vom Sämann (Matthäus 13, 1–9, 18–32) zurückgeht: Die Saat ist das Wort Christi. Auf den ersten Blick leitet sich die Sitzfigur von der alten Ikonografie des „Christus im Elend“ ab, doch mit dem gewichtigen Unterschied, dass spezifische Attribute, Hinweise auf die Leidensgeschichte und die heilsgeschichtliche Bedeutung Christi fehlen. Selbst der geläufige Typus des Heilands ist ins Athletisch-Heroische umgeformt (wie schon in Michelangelos „Jüngstes Gericht“, 1536–1541; Sixtinische Kapelle, Rom). Was bleibt, sind diffuse Erinnerungen an die religiöse Bilderwelt. Diese Auffassung setzt die auf Gedanken Ernest Renans und David Friedrich Strauß’ gegründete Loslösung von der traditionellen religiösen Ikonografie voraus. Die naturalistische Historisierung des biblischen Geschehens wird auf das Stimmungshafte reduziert und soll überkonfessionell ins Allgemeine gehoben werden. Die von den Bildrändern überschnittenen Flankenfiguren – trotz athletischer Bildung winzig gegenüber der mächtigen Hauptgestalt – könnten Wächter ebenso wie trauernde Jünger sein, noch eher aber vertreten sie hier die Menschheit: Der Samen der guten Lehre mag hier, im Sinne eines Vulgär-Nietzscheanismus, den Aufstieg zu einem heroischen Übermenschen vorbereiten. Darauf deuten die kubische Wucht des flächenfüllenden, raumsprengenden Heilbringers und der verquält-finstere Ernst seines Ausdrucks hin. Der bauernhafte Typus gibt den nationalen Akzent hinzu. Um dieselbe Zeit malte Bühler den figurenreichen Prometheus-Fries für die Freiburger Universität, in welchem die gleiche Größenstaffelung zwischen Held und Volk zu finden ist. Ähnlich gedankenbelastete, den Betrachter:innen gegenübersitzende oder kauernde Figuren hat Bühler immer wieder gemalt. Ihrem Anspruch zum Trotz sind sie stets von einer ahnungsvollen Gemütsschwere und verharren in brütender Untätigkeit: Vorläufer finden sich bei Johann Heinrich Füssli, William Blake oder den Düsseldorfer Spätromantikern. Das Bedürfnis nach einer ornamentalen Aufteilung der Bildfläche führt – hier bei den seitlichen Figuren – zu choreografischen Zwängen. Auf der „Dresdner Kunstausstellung“ 1912 war das Bild in den Zusammenhang einer Sonderausstellung monumental-dekorativer Malerei einbezogen, für die man die Werke rahmenlos in die Wand eingelassen hatte, um den Freskocharakter zu unterstreichen. Auch Bühlers Entscheidung für Tempera statt für Ölfarbe geht in diese Richtung. | Claude Keisch

Letzte Aktualisierung: 19.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Alte Nationalgalerie

E-Mail:

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Edward T. Pearson

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Die Porträtbüste Edward T. Pearsons (Lebensdaten unbekannt) wirft einige Fragen auf. Interessant ist, dass sie 1930 beim Künstler gegen einen Aufpreis gegen ein früheres Werk, und zwar den „Kopf von Werner Krauß“ (Verbleib unbekannt), ertauscht wurde. Dieser war 1922 erworben worden, wiederum durch einen Tausch. So war das erste Werk, das die Nationalgalerie von Ebbinghaus besaß, eine 1912 auf der Ausstellung der Berliner Secession ausgestellte Bildnisbüste des Malers Albert Hertel (Verbleib unbekannt). Doch wer mag das Tauschgeschehen angeregt haben? War es der Künstler, der immer sein bestes Werk in der Sammlung der Nationalgalerie wissen wollte? Es erscheint wahrscheinlicher, dass die Nationalgalerie Initiator des Tauschs gewesen war und es um den Dargestellten ging. Wer Pearson war, lässt sich jedoch heute nicht mehr sicher bestimmen. Er ist als alter Mann porträtiert. Nase und Ohren sind groß, das Gesicht faltig, der Haaransatz hoch und die Augen trüb. Die Zufälligkeit der Patinierung wirkt geschickt genutzt, da sie den Eindruck des Alters verstärkt. Im Inventarbuch findet sich der Hinweis, dass es sich um den Bruder der Mutter von Ebbinghaus handelt, einen englischen Kaufmann. In Paris lebte ein Engländer und Kunstsammler mit dem Namen Pearson, der enge Beziehungen zu Berlin besessen haben muss. Sein Nachlass wurde 1927 auf einer großen Auktion in der Berliner Kunsthandlung Cassirer angeboten, auf der auch die Nationalgalerie ein Werk („Italienische Landschaft“, A II 587) erwarb. In diesem Sinne wäre es von Interesse gewesen, die Büste des Kunstsammlers zu besitzen. | Johanna Yeats

Knabe am Schreibtisch

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Läuferin

Läuferin

Der aus Riga stammende Starck begann sein Studium in Stuttgart und wechselte 1887 an die Berliner Hochschule für die bildenden Künste. Dort studierte er bei Albert Wolff, Fritz Schaper und Ernst Herter, von 1891 bis 1898 war er Meisterschüler von Reinhold Begas. Sein 1891 entstandener „Flötenspieler“ weist noch letzte Wurzeln im Neobarock auf, ehe sich der Bildhauer verstärkt einer neoklassizistischen Formensprache zuwandte, wie sie in seiner Bronze „Träumerei“ (1898, B I 129) oder auch in der polychrom gefassten Marmorarbeit „Die Quelle“ (1903, B I 200) zu beobachten ist. Die kleinformatige Statuette einer antikisierend gestalteten Läuferin im weiten Ausfallschritt und mit erhobenem rechten Arm wurde 1928 vom Kultusminister für die Nationalgalerie angekauft. In Starcks handschriftlichem Werkverzeichnis (NL Starck, vgl. Sabine Hannesen, Der Bildhauer Constantin Starck (1866–1939). Leben und Werk, Frankfurt am Main 1991, Kat. Nr. 154) lautet der Titel „Läuferin“; in anderer Literatur werden auch „Im Ziel“, „Am Ziel“ oder „Durchs Ziel“ genannt. Der Originalgips befindet sich im Besitz der Erben des Künstlers in Berlin. Nicht zuletzt durch die Statuetten der Bildhauerin René Sintenis (vgl. etwa „Der Läufer Nurmi“, B I 463) erfreuten sich in der Weimarer Republik Darstellungen von Sportlern zunehmend großer Beliebtheit. Starck betrieb häufig Studien auf Sportplätzen, die er mehrfach in entsprechende Motive umsetzte und teilweise lebensgroß ausführte: Golfspielerinnen, Tennisspielerinnen und andere, von denen manche auch in kleinformatigen Wiederholungen angeboten wurden. Vom vorliegenden Motiv ist keine großformatige Version bekannt. | Yvette Deseyve und Bernhard Maaz

Tafelaufsatz

Tafelaufsatz

Der zunächst als Illustrator und Grafiker tätige Geyger beschäftigte sich 1886 erstmals autodidaktisch mit der Bildhauerei. Sein figürlich ausgestalteter Standspiegel (1896, B I 136), modelliert für Kaiserin Victoria, sowie sein von Kaiser Wilhelm II. für den Schlosspark Sanssouci erworbener „Bogenschütze“ (1900) zählen zu seinen bekanntesten Werken. Großen Anteil an der Verbreitung hatte die vielfache und in verschiedenen Formaten ausgeführte Reproduktion seiner Arbeiten sowohl durch die Württembergische Metallwarenfabrik in Geislingen an der Steige (WMF) als auch durch die Gießerei der Aktien-Gesellschaft Gladenbeck. Ebenfalls aus der Produktion Gladenbecks stammt der kunsthandwerkliche Entwurf eines Tafelaufsatzes mit figuralem Schaft sowie Alabasterfuß und -schale; er ist eine verkleinerte Version der Marmorausführung (Verbleib unbekannt) für den Sammler, Kunsthistoriker und Schriftsteller Johannes Gutmann, der 1909 eine der frühesten Würdigungen des Künstlers verfasst hatte. 1910 hieß es schwärmerisch über den Tafelaufsatz: „Knaben und Mädchen in der ersten knospenden Jugendschönheit umdrängen den Schaft des Kandelabers oder der Schale mit Karyatidengebärden und das wundervolle Ensemble ergibt Profile von einem unsagbaren Reiz“ (Maximilian Rapsilber, Ernst Moritz Geyger, in: Kunst und Künstler, 8. Jg. [1910], S. 627). Die jugendstilhafte Komposition der ineinander verschlungenen Aktfiguren wird durch die wenig anmutige, harte Körpermodellierung gebrochen und steht damit stilistisch Geygers in der Nationalgalerie verwahrten monumentalen Marmorfiguren „Arbeit“ und „Fleiß“ (1904, B I 352, B I 303) nahe. | Yvette Deseyve