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Eine Dame in Schwarz

Ident. Nr.: A I 553

ObjID: obj:964995

Details (Expert)

Beteiligte
John Lavery (1856 - 1941),
Maler*in
Datierung
1894
Provenienz
Kauf: Hugo von Tschudi für die Nationalgalerie, Berlin,
1896
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 91 x 71 cm
Erwerbung
1896 Schenkung von Robert Guthmann, Berlin

Objektbeschreibung

Mit der Ausstellung ihrer Arbeiten im Münchner Glaspalast 1890 begann der internationale Erfolg der schottischen Künstlergruppe Glasgow Boys und ihres vielleicht bekanntesten Mitstreiters, des irischen Malers John Lavery. Pendelnd zwischen London, Paris und Berlin gehörte Lavery neben John Singer Sargent bald zu den international gefragtesten Porträtisten der Oberschicht. Velázquez war Laverys großes Vorbild und mit dem befreundeten James McNeill Whistler verband ihn eine ähnliche Ästhetik: Beiden war an einer harmonischen Farbgestaltung, an einer optimalen Abstimmung der Valeurs und bei flotter Pinselschrift an einer glatten Oberflächentextur gelegen. Das 1894 in Edinburgh entstandene Bildnis Laverys »Eine Dame in Schwarz« ist dafür ein gutes Beispiel. Es gehört zu einer Reihe von Porträts, die Lavery unter gleichen Titeln in den 1890er Jahren malte und ausstellte. Modell saßen ihm dafür Mrs. Hunter, Mrs. Swinnerton und – im vorliegenden Fall – Esther McLaren (Lebensdaten unbekannt), die Tochter des Rechtsanwalts Lord John McLaren und seiner Ehefrau Ottilie Augusta Schwabe. Dem »sehr vornehmen, geschmackvollen Damenbildnis«, um dessen Erwerbung sich Hugo von Tschudi 1896 bemühte (zit. nach: B. Maaz, Hugo von Tschudi im Briefwechsel, in: Jahrbuch der Berliner Museen, Bd. 45, Berlin 2003, S. 172), eignet eine Eleganz, die auf manche heute dekorativ wirken mag. Doch ging es Lavery weniger um das Porträt als um das farbige Gesamtbild und das ausgedrückte Lebensgefühl. Dies spiegelt sich in Anlehnung an Whistler auch im Titel der Bilder wider. »Was Lavery malt«, schrieb 1909 ein anonymer Rezensent, »ist die Idee, seine Idee, wie sie sich in seinem Haupte während des Schaffens entwickelt […] Die Farbe ist das Leitmotiv« (Die Kunst für Alle, 24. Jg, 1909, H. 18, S. 418–420). Und Archibald Stodart Walker bemerkte 1914: »He sees the colour métier of his sitters at a glance and weaves them into a harmony of paint with unerring skill« (in: The Studio, 62. Jg., Nr. 254, S. 9). | Regina Freyberger

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Alte Nationalgalerie

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Mit der romantischen Rückbesinnung auf Traditionen der altdeutschen und altitalienischen Malerei wurden zugleich Bildtypen und Ornamentformen revitalisiert, die am Ausgang des Mittelalters und der frühen Neuzeit die künstlerische Gestaltgebung bestimmt hatten. Dazu gehören das Tondo ebenso wie die Schmuckform der Arabeske. Schon Philipp Otto Runge hatte wieder auf eine die Bildaussage vertiefende Allegorisierung mittels arabeskem Rahmenornament zurückgegriffen. Für das Doppelbildnis seiner Eltern, des kurpfälzischen Amtmanns Franz Anton Peter Begasse (1764–1842) und dessen Ehefrau, Susanne Henriette, geborene Hofstadt (1769–1851), nutzte der noch ganz von nazarenischen Idealen durchdrungene Begas sowohl das Rahmenornament auf goldenem Grund als auch die Pathosformel strenger Profilbildnisse im Rund eines verdoppelten Tondos, dessen Ursprünge bis in die antike Medaillenkunst zurückreichen. Auf diese Weise gelingt es dem Künstler, das Elternpaar ins Ideale zu verklären, ohne dabei auf die sachliche Beobachtung der Details mit all ihren stofflichen Reizen und auf eine liebevolle Erfassung ihrer individuellen, vom Alter gezeichneten Gesichtszüge verzichten zu müssen. Die plastisch herausmodellierten Köpfe, die vor dunklem Grund einander gegenübergestellt sind, werden durch die allegorischen Anspielungen auf der Rahmenleiste miteinander in Verbindung gebracht: Oben in der Mitte sind es die Genien des häuslichen Fleißes und der Gerechtigkeit, die ausgestattet mit den Attributen Spinnrocken und Blütenkranz bzw. Waagschale auf die Wirkungsbereiche der Mutter im Hause und des Vaters im Amte verweisen. Auch die anderen Symbolfiguren beziehen sich auf Charakterzüge der Eltern: Links neben der Mutter sind es das Lamm als Zeichen christlicher Demut sowie der Bienenkorb und das Eichhörnchen als Metaphern des Fleißes und der häuslichen Fürsorge, während der sich seinen Jungen opfernde Pelikan und der Hund, als Zeichen der Opferbereitschaft und Treue, dem Vater zugeordnet sind. Das auf einem festen Fundament ruhende Genienpaar unten in der Mitte versteht sich hingegen als eine allgemeine Allegorie der Ehe. – Beim Berliner Bild handelt es sich um eine Replik nach dem Original im Wallraf-Richartz-Museum zu Köln. | Gerd-Helge Vogel

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Hans Rosenhagen

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Das Jahr 1899 war für den Maler Lovis Corinth von entscheidender Bedeutung. Die Jury der Münchner Secession, der er seit ihrer Gründung 1892 angehörte, wies sein Bild »Salome mit dem Haupte des Johannes« (Harvard University, Cambridge, Massachusetts) von ihrer Ausstellung zurück. Walter Leistikow jedoch, der gerade in München für die neugegründete Berliner Secession warb, war von dem Bilde begeistert und erbat es für die nächste Ausstellung dort. Corinths Übersiedelung nach Berlin war angebahnt.Das Jahresende 1899 verbrachte Corinth in Berlin. Er arbeitete in Leistikows Atelier in der Körnerstraße 26 an verschiedenen Porträts. Leistikow auch stellte den Kontakt zur Berliner Gesellschaft her. Am 28. Dezember berichtete Corinth nach München: »Durch die Salons schwimme ich wie ein Hecht, als wenn ich mich nie in anderen Kreisen bewegt hätte. Meine Erfolge hier habe ich Leistikow zu danken, bei dem ich auch viel bin« (L. Corinth, Eine Dokumentation, Tübingen 1979, S. 58). Über Leistikow lernte Corinth den Berliner Kunstkritiker Hans Rosenhagen und dessen Mutter kennen. Rosenhagen war nicht nur Herausgeber der Zeitschrift »Das Atelier«, er schrieb Artikel zur Berliner Kunst für die Zeitschrift »Die Kunst für Alle«, später auch Rezensionen über die Ausstellungen der Berliner Secession und der Galerie Cassirer. Corinth malte Hans Rosenhagen (1858–1943) am 25. Dezember in dessen Berliner Wohnung (Nationalgalerie Berlin, Inv.-Nr. A II 994). Mit merklich größerer malerischer Freiheit und Freude hatte er zuvor schon, im November, das Bildnis der Mutter gemalt (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A II 532). Er hatte sie darum gebeten, wie überliefert ist, für dieses Bildnis ihr rot changierendes Kleid anzuziehen. Der warme Farbklang des Kleides wiederholt sich im Bild bei Tisch und Stuhl und dem Sofakissen und betont die Blässe des Gesichts. Dessen Tonigkeit variiert Corinth in der Decke und der hellen Gardine. Mutter Rosenhagen aber war mehr als ein Modell, wie wir aus einem Brief von Hans Rosenhagen an Charlotte Corinth von 1931 erfahren: Corinth »widmete ihr sogleich eine besondere Zuneigung, die aufrichtig erwidert wurde. Sah meine Mutter doch – sie stammte aus Westpreußen – in Corinth so etwas wie einen halben Landsmann« (Ch. Berend-Corinth, Lovis Corinth, München 1992, S. 219). | Angelika Wesenberg