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Roter Akt

Ident. Nr.: A IV 343

ObjID: obj:965006

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Erwin Hahs (1887 - 1970),
Künstler*in
Datierung
1923
Weitere Titel
Sammlungstitel: Roter Akt
Übersetzung: Red Nude
Provenienz
Nachlass/Vermächtnis: Iris Hahs-Hofstetter, Zernsdorf,
1970–1977
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 70,5 x 70,5 cm
Erwerbung
1977 Ankauf aus dem Nachlass des Künstlers

Objektbeschreibung

Der rot durchglühte weibliche Akt wirkt wie ein spätexpressionistisches Programmgemälde. Mit angezogenem Knie posiert das Modell auf einem samtgrünen Sofa, dahinter der Boden des Ateliers, angeschnitten links oben ein Bild-im-Bild mit rätselhaften Formen. Zur Entstehungszeit lehrte Hahs als Professor für Malerei an der Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein in Halle an der Saale. Dorthin war er zum 1. April 1919 berufen worden, nachdem er vor dem Krieg in Berlin bei Hans Seliger und Cesar Klein zum Dekorationsmaler ausgebildet worden war und an der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums die Malklasse von Emil Rudolf Weiß besucht hatte. Als Mitglied im Arbeitsrat für Kunst war Hahs die Verbindung von Kunst und Handwerk ebenso ein Anliegen wie die Integration von Kunst in den Alltag. Es entstanden Wandbilder und Konzepte für die farbige Ausmalung von Räumen, auch die Gestaltung von Werbedrucksachen spielte eine Rolle. Die Formen im Hintergrund des Aktgemäldes scheinen aber nicht praxis- oder politikbezogen zu sein, vielmehr zeugen sie von Hahs’ Beschäftigung mit esoterischen Lehren und deren Symbolen. Veranschaulicht sind gegensätzliche Prinzipien, die sich durchdringen. Zwischen dem roten und gelben Kreis sind sich schneidende Abschnitte von Ringen zu sehen, die Raute daneben ist aus der Kombination zweier Dreiecke hervorgegangen. Sie steht als Rune Ingwaz für das Göttliche. Auf diese Weise hat Hahs die Aktdarstellung mit dem Hinweis auf eine höhere spirituelle Ebene verbunden. | Dieter Scholz

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson