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Johannastraße in Spandau

Ident. Nr.: B 57/29

ObjID: obj:965065

1950 erworben durch das Land Berlin
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Gustav Wunderwald (1882 - 1945),
Künstler*in
Datierung
1927
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
1945
Nachlass/Vermächtnis: Berta Wunderwald, Berlin,
1945–1952
Kauf: Galerie des 20. Jahrhunderts, Berlin (West),
1952–1968
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 60 x 85,5 cm
Erwerbung
1952 Ankauf aus dem Nachlass des Künstlers durch das Land Berlin für die Galerie des 20. Jahrhunderts (West)

Objektbeschreibung

Wie Kulissen wirken viele Stadtansichten in den Gemälden von Wunderwald, so auch jene der Johannastraße in Spandau, auf der ein einsamer Radfahrer die mit niedrigen, einfachen Häusern und freien Flächen gesäumte Kopfsteinpflasterstraße entlangfährt. Spandau war erst 1920 mit dem Gesetz über die Bildung Groß-Berlins eingemeindet worden. Vorstädtisch wirkt hier die Szenerie. Das Bild ist in einer zurückgenommenen, vorfrühlingshaft graublauen Farbigkeit gehalten, zwei kahle Bäume beleben die Ecke zur Amalienhofstraße ein wenig. Paul Westheim feierte Wunderwald 1927 in einem Artikel im „Kunstblatt“ als Entdeckung, er lobte die Finesse, mit der der Maler „die Spröde, die Un-Menschlichkeit, das kaltschnäuzig Sachliche dieser sachlichsten aller europäischen Großstädte“ darstellte (zit. nach Gustav Wunderwald. Gemälde, Handzeichnungen, Bühnenbilder, Ausst. Kat., Berlin [West]/Albstadt, 1982, S. 112). Gleichermaßen hob er Wunderwalds kompositorisches Geschick hervor, die Eindringlichkeit und Intimität seiner Beobachtungsgabe, die sich in einer klaren, ausgewogenen Flächengestaltung und bereichernden, belebenden Farbigkeit äußerten. | Maike Steinkamp

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz