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Der Flößer

Ident. Nr.: A III 283

ObjID: obj:965301

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Heinrich Vogeler (1872 - 1942),
Künstler*in
Datierung
Herstellung: um 1933
Weitere Titel
Sammlungstitel: Der Flößer
Übersetzung: The Raftsman
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
1942
Nachlass/Vermächtnis: Jan Vogeler, Moskau,
1942 - Ende 1952
Material / Technik
Öl auf Holz
Abmessungen
Höhe x Breite: 86 x 27,5 cm
Erwerbung
1952 Schenkung der Regierung der UdSSR an die DDR aus dem Moskauer Nachlass Heinrich Vogelers. 1953 der Nationalgalerie (Ost) übergeben

Objektbeschreibung

Das Bild „Der Flößer“ war ursprünglich die linke Tafel des Triptychons „Holzarbeit“ (WVZ Noltenius 2000, 295 A), das Vogeler um 1933 im Zusammenhang mit einer Reise nach Karelien schuf. Die in dunklen Brauntönen gehaltene Darstellung eines Mannes füllt das Holzpaneel fast vollständig aus. Der Abgebildete hält einen langen Stock und einen Fisch in den Händen, ein Fischernetz hat er über den Arm gelegt, weshalb man das Werk auch als „Fischer“ betitelt hat. Sieht man es jedoch im Kontext mit den anderen beiden Paneleen des Triptychons, so passt die Bezeichnung Flößer besser. So war auf dem mittleren Bild, das – anders als die beiden äußeren Tafeln – auf Leinwand gemalt war, ein mit Pferdekraft betriebener Holzhebekran in winterlicher Landschaft platziert, das rechte Paneel zeigte einen Holzfäller. Spätestens seit 1940 ist „Der Flößer“ nicht mehr in das Triptychon eingebunden. Als Einzelbild hat es Vogeler im selben Jahr auf dem Gemälde „Puppenwerkstatt“ (A III 449) im Hintergrund seines engen Arbeitsplatzes wiedergegeben. Die beiden anderen Teile des Triptychons sind verschollen. | Maike Steinkamp

Letzte Aktualisierung: 04.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Farbige Formen

Farbige Formen

Das Haus Nummer 15 des Herkulesufers am Berliner Landwehrkanal, heute eine Freifläche zwischen Bauhaus-Archiv und der Villa von der Heydt, gehörte in den frühen 1920er-Jahren zu den Fixpunkten der Berliner Avantgarden. Regelmäßig kamen Künstler wie László Moholy-Nagy, El Lissitzky und Arthur Segal in Buchholz’ dort gelegenem Atelier zusammen. Dieser hatte 1922 damit begonnen, seinen im vierten Stock befindlichen Arbeitsraum nach konstruktivistischen Prinzipien umzugestalten. Gründerzeitliche Elemente wie Bogenfenster und Kachelofen verschwanden hinter Einbauten, die Wände wurden in geometrisch geformte, farbige Flächen unterteilt. Plastische Körper, darunter eine weiße Kugel und goldene Quader, sorgten für eine spannungsreiche Balance. Vor dem Hintergrund dieser innenarchitektonischen Gestaltung entstanden 1922 drei kleinformatige Gemälde auf Glas, die verdeutlichen, dass Buchholz das Quadrat und den Kreis als zentrale Pole seiner Kompositionen begriffen hat. Das Werk „Farbige Formen“ widmete er noch im selben Jahr seinem Freund Arthur Segal, dessen Malerei wesentlich von der prismatischen Zerlegung der Farben, also vom Zusammenhang zwischen Farbe und Licht, ausging – das Geschenk eines durchscheinenden Bildes auf Glas lag hier nahe. Als Segal 1933 zunächst nach Mallorca emigrierte, gab er Buchholz das fragile Werk vermutlich zurück, weshalb dieser es 1953 an die West-Berliner „Galerie des 20. Jahrhunderts“ verkaufen konnte, über die es schließlich in die Sammlung der Nationalgalerie gelangte. | Nina Schallenberg

Bild 56 (Holländische Mühle)

Bild 56 (Holländische Mühle)

Als eine der ersten Frauen hatte Heemskerck von 1897 bis 1901 die Academie van Beeldende Kunsten in Den Haag besucht. Nach einjährigem Studienaufenthalt in Paris kehrte sie 1905 in die Niederlande zurück, lernte den Kreis um Piet Mondrian kennen, wandte sich der Anthroposophie zu und ließ sich ab 1913 durch Herwarth Walden und dessen Berliner Galerie Der Sturm vertreten. Im September 1916 begegnete sie dem Medizinstudenten und späteren Psychiater Frederik Willem Zeylmans van Emmichoven. Nach intensiven Gesprächen notierte dieser im Januar 1917 zu ihrem „Bild 56“: „Gedanken über die Arbeit, die Ruhelosigkeit des Geistes. Als Hauptmotiv eine Mühle, einfach, kraftvoll aufgebaut. Die Flügel scheinbar still, darunter jedoch kräftige Kreisbögen, schwarz und orangefarben, die durch ihre wiederholte, abwechselnde Erscheinung Gedanken an unermüdliche Arbeit, an das Durchschwingen der Mühlenflügel hervorrufen. Rund um all dies in Rot und Grün das Spiel der menschlichen Emotionen und der Leidenschaft inmitten des unaufhaltsam fortströmenden Lebens. Zwischen all dem steigt die Mühle empor – in hellem Violett – als Symbol des Wertes der Arbeit, der heiligen und erlösenden Aufgabe der Menschheit. Über den Hintergrund spannt sich schwarz und drohend ein Brückenbogen, dazwischen weisen schlanke, dunkle Spitzen nach oben. Eine Darstellung der aufsteigenden Kraft der ruhelosen Arbeit, und des Glücks und der Ruhe, die sie – vollbracht – gewährt“ (zit. nach Jacoba van Heemskerck, 1876–1923. Eine expressionistische Künstlerin, Ausst.-Kat., Berlin [West]/Stuttgart/Den Haag, 1983, S. 27). | Dieter Scholz

Invasion

Invasion

Richter gehörte zur Film-Avantgarde der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Zuvor hatte sich der von der Malerei kommende Künstler 1916 der Dada-Bewegung angeschlossen. Unter dem Einfluss des Konstruktivismus entwickelte er zusammen mit dem Schweden Viking Eggeling ab 1919 erste Ideen zum abstrakten Film. Hierfür fertigte Richter lange, horizontale Rollenbilder an, auf denen er die zeitliche Bewegung von Formen mithilfe der Malerei dynamisch darzustellen versuchte. Diese Experimente mündeten schließlich in „Rhythmus 21“ (1921), ein Schlüsselwerk des abstrakten Films. Ab 1933 floh Richter quer durch Europa, bis ihm 1941 die Emigration in die USA gelang. Nach 15-jähriger Pause von der Malerei entstanden ab 1943 drei Rollenbilder zum Krieg und zur Befreiung von der Naziherrschaft, in denen Richter Collagetechnik und konstruktivistische Bildsprache miteinander verband. „Momentum of Invasion“ konzipierte er zunächst als rein abstraktes Rollenbild. Zu einem späteren Zeitpunkt kürzte er nicht nur den Titel auf „Invasion“, sondern fügte Schlagzeilen, Nachrichten, Fotos und Landkarten ein, die den Kriegsverlauf von der Landung der Alliierten in Frankreich über die Überquerung des Rheins durch US-amerikanische Truppen bis zur Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945 nachzeichnen. Kompositorisch versinnbildlichte Richter die Gefechte durch horizontal voranstrebende und vertikal dagegenhaltende geometrische Elemente. Als Zeichen der Hoffnung steht ganz links ein kleines rotes Kreissegment, das immer weiter anwächst. Wahrscheinlich begann der Künstler das Bild 1944. 1946 stellte er es zum ersten Mal aus. Zu diesem Zeitpunkt waren die Zeitungsausschnitte noch nicht eingeklebt. Es trug den Titel „Momentum of Invasion“, war auf 1945/1946 datiert und noch nicht signiert. Wann genau die Collageelemente und die Signatur samt Datierung angebracht wurden, lässt sich nicht ermitteln. In den Katalogen von 1959 ist die Arbeit noch ohne Zeitungsschnipsel reproduziert, trägt den Titel „Dynamische Entwicklung in 3 Sätzen“ und ist mit 1944/1945 datiert. Im italienischen Katalog von 1962 ist sie ebenfalls uncollagiert und unsigniert abgedruckt und wird als „Invasione“ bezeichnet. Die Jahreszahl lautet hier ebenfalls 1944/1945. Richter muss das Bild irgendwann zwischen 1962 und seinem Tod 1976 in den heutigen Zustand gebracht haben. Vermutlich hat er das Jahr 1945 gewählt, um damit auf das Ende des Krieges zu verweisen. | Sven Beckstette

Stillleben

Stillleben

Irritierend ist die Ähnlichkeit dieses 1908 entstandenen Stilllebens mit einem Stillleben von Henri Matisse aus dem Jahre 1910 (Pinakothek der Moderne, München). Beide Bilder zeugen von einem lebhaften Geben und Nehmen sowie von der Rolle Purrmanns bei der Vermittlung der Kunst des Franzosen in Deutschland. 1905 war Purrmann nach Paris gegangen. Hier hatte er sich dem Kreis der Künstler im Café du Dôme angeschlossen. Im selben Jahr entdeckte er die Werke von André Derain und Henri Matisse im Pariser Herbstsalon, wo die umstrittenen Künstler ihren Spottnamen „fauves“ (Wilde) erhielten. Bald lernte er Matisse auch persönlich kennen. Es entstand der Plan einer Académie Matisse, die unter der organisatorischen Leitung Purrmanns 1908 öffnete. Im Atelier der Académie malte er sein Stillleben, das in Komposition und Farbgebung dem späteren Stillleben des Lehrers so verwandt scheint, wozu die schräg von links unten nach rechts oben gleich einer Gebärde drapierte Stoffbahn mit dem gleichen Muster, blaue Ranken auf Weiß, nicht unwesentlich beiträgt. Während jedoch Matisse’ Stillleben von Primärfarben bestimmt wird, ist Purrmanns Gemälde nicht nur konventioneller aufgebaut, sondern auch farblich matter. Im Sommer 1908 reiste Matisse in Begleitung Purrmanns erstmals nach Deutschland. 1910 besuchten sie gemeinsam Hugo von Tschudi, den Direktor der Pinakothek in München. Dieser hatte, vermittelt durch Purrmann, Matisse im Jahr zuvor in Paris kennengelernt und war auch in dessen Atelier gewesen. Gefallen hatten ihm zwei Stillleben, die jedoch bereits vergeben waren. So malte Matisse ein neues, in der zuvor dem Schüler vermittelten Manier. | Angelika Wesenberg

Straße

Straße

Im Frühjahr 1930 schloss Heldt sein Studium ab. Anschließend besuchte er Paris und begegnete dort auch dem Maler Maurice Utrillo. Er liebte dessen Bilder stiller, melancholischer Straßen auf dem Montmartre oder in den Vororten von Paris, wie man auch in einem seiner poetischen Texte lesen kann. Den Beginn des eigenen Werkes in der Berliner Tradition des 19. Jahrhunderts aber bedauerte er nicht. An den Studienfreund Hans Kuhn schrieb er noch 1951: „Wir gingen vom Braun aus, und das gab ein gutes Fundament zur Entwicklung des Kolorits. Ohne Kolorit gibt es keine Befreiung der Farbe. Die große Erschütterung brachten van Gogh, Utrillo, Rousseau; das machte den Weg frei zur Ausbildung einer Sensibilität, die demjenigen, der eine solche Entwicklung nicht erlebt hat, jenseits des Malerischen zu liegen scheint“ (zit. nach WVZ Schmied/Seel 1976, S. 21). Nach seiner Paris-Reise findet sich bei Heldt für kurze Zeit, wie bei dieser Straßensicht, viel Rosa nach dem Vorbild Utrillos. Jenem entspricht aber die wie mit dem Lineal gebaute Komposition keineswegs. Das Gemälde „Straße“ besitzt nichts Anekdotisches: Personen, Laternen, Beschriftungen fehlen. Wir sehen eine Mauer, einen Baum und drei kubische Häuser mit leeren Giebelflächen, Fenster und Türen als schwarze Rechtecke. Das Kolorit ist auf wenige helle Farben reduziert, die einzelnen Flächen aber sind sorgfältig in mehreren Farbschichten aufgebaut. So entstanden malerische Hauswände, wie Heldt sie an den Bildern Utrillos bewunderte. | Angelika Wesenberg

Mondaufgang

Mondaufgang

Zum Werk von Schmidt-Rottluff gehören zahlreiche Landschaften im Mondschein. Und häufig betont der Maler den Himmelskörper durch eine dunkle Umrahmung. Auch die Bilder „Ferner Mond“ und „Mond über der Küste“, beide ebenfalls von 1956 (Brücke-Museum, Berlin), zeigen eine weiße Mondscheibe mit breitem Rand. Im vorliegenden steht das kalte Mondlicht neben dem warmen Licht der Fenster. Zwei großformatige Aquarelle in Mischtechnik, mit Farbstiften und Tusche ausgeführt, bereiteten das Gemälde vor (Privatbesitz; Museum Folkwang, Essen). Haus und Mond sowie die weiße Gartentür im Vordergrund konstituieren die Komposition, eine Reduzierung auf wenige Formen. Zwischen Tür und Haus liegt eine geschwungene Linie, die auf dem Aquarell als Weg erscheint. Die Himmelspartie, mit sichtbaren Pinselstrichen in Ockertönen wiedergegeben, also deutlich vom Naturvorbild gelöst, vermittelt dennoch ein eindrückliches Stimmungsbild. Vielfach blieb hier die Grundierung sichtbar – vermutlich eine Auswirkung der vorbereitenden Aquarelle auf die Ausführung in Ölmalerei. „Dieses Gemälde mit seinen beiden Lichtquellen, des Vollmondes und der erleuchteten Fenster, denen das Gartentor als weitere Lichtquelle assistiert, belegt besonders eindringlich, daß Schmidt-Rottluff trotz mancher Wandlungen und Reifung seiner Kunst stets seinem kraftvollen, in den ‚Brücke‘-Jahren entwickelten Stil treu geblieben ist.“ (Peter Krieger, Neuerworbene Bilder der „Brücke“-Maler, in: Jahrbuch Preußischer Kulturbesitz, Bd. 3 [1966], S. 263) | Angelika Wesenberg

Stillleben mit Lampe

Stillleben mit Lampe

Im Vordergrund stehen eine Lampe mit blau gemustertem Fuß und hellem Schirm, eine weiße Teekanne und eine Tasse mit Untertasse auf einem Couchtisch. Ein Sitzmöbel ragt von links in das Querformat hinein. Die übrige Darstellung lässt ein Interieur erahnen, doch sind die farbigen Flächen und Pinselstriche nicht zu dechiffrieren. Der Maler verzichtet auf eine strukturierte Raumtiefe und fügt breite Pinselstriche zu Farbflächen zusammen. Das Auge springt zwischen realistischer Darstellung und Farbmuster hin und her. Überdies behandelt Strecker die Leinwand hier nicht als unsichtbare Trägerin verschiedener Farbschichten, sondern macht sie zu einer Protagonistin. Sie bleibt an zahlreichen Stellen unbemalt, präsentiert ihre Struktur und ist mitbestimmend für den Farbklang des Bildes. Strecker hatte seinen Lebensmittelpunkt 1924 nach Paris verlegt und war 1944 über mehrere Stationen nach Berlin zurückgekehrt. Zunächst waren Malutensilien Mangelware, doch 1946, das zeigt „Stillleben mit Lampe“ deutlich, verfügte er als Dozent an der Hochschule für Bildende Künste, die im Westsektor der Stadt lag, wieder über Leinwand. In der unmittelbaren Nachkriegszeit tauchen die gemusterte Lampe und die bauchige Kanne in seinen Interieurs und Stillleben wiederholt auf (WVZ Braun 242, 253). Gestalterisch knüpfte er damals an Fragestellungen aus seinen Pariser Jahren an, in denen er sich intensiv mit Malern wie Pierre Bonnard oder Édouard Vuillard beschäftigt hatte. | Laura Rosengarten