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Plätterinnen

Ident. Nr.: NG 35/61

ObjID: obj:965476

Details (Expert)

Beteiligte
Heinrich Eduard Linde-Walther (1868 - 1939),
Maler*in
Datierung
um 1900
Systematik/Art
Provenienz
Wilhelm Weick, Berlin,
1961
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 59,5 x 80,5 cm
Erwerbung
1961 Ankauf von Wilhelm Weick, Berlin, mit Mitteln der Stiftung Zeiss-Ikon-AG, Stuttgart

Objektbeschreibung

In gesteigerter Nahsicht und reduziertem Kolorit ist eine Gruppe bügelnder Mädchen wie in einer Momentaufnahme erfaßt. Entscheidende Anregungen für das Motiv dürfte Heinrich Eduard Linde-Walther, der Bruder des Sammlers und Edvard-Munch-Förderers Max Linde, von Max Liebermann empfangen haben. Das Thema arbeitender Frauen beschäftigte Linde-Walther mehrfach: Bereits 1898 hatte er im Pariser Salon du Champ de Mars mit dem in Schwerin gemalten Bild »Wäscherinnen« (ehemals Sammlung Stern, Berlin, Verbleib unbekannt) reüssiert und war wegen und mit diesem Bild 1899 von Liebermann juryfrei zur ersten Ausstellung der neugegründeten Berliner Secession eingeladen worden. Dort zeigte er das Bild »Plätterinnen« erstmals im Jahr 1900 und erneut, allerdings im heutigen Zuschnitt, 1912. Vermutlich zur zweiten Ausstellung kürzte er das ursprüngliche Hochformat um das untere Drittel ein und signierte das Bild neu. Weitere Darstellungen desselben Themenkreises folgten nach 1900 unter anderem mit den Bildern »In der Tabakfabrik von Sevilla« (1906, Verbleib unbekannt), »Wäscherinnen in der Bretagne« (1912, Verbleib unbekannt) und »Beim Wäscheaufhängen« (Museum Charlottenburg, Kriegsverlust). | Regina Freyberger

Letzte Aktualisierung: 28.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Alte Nationalgalerie

E-Mail:

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Tänzerin

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In der Ausstellung der Berliner Secession 1912 erzielte Kolbe seinen größten Erfolg: Er zeigte die Statue, die sein bekanntestes Werk werden sollte: die „Tänzerin“. Traditionell wird die Figur auf 1912 datiert; sie war jedoch schon 1911 in Arbeit. Nachdem die geplante Erwerbung durch das Städelsche Kunstinstitut in Frankfurt am Main gescheitert war, wurde in der Sachverständigenkommission der Nationalgalerie ein Ankauf erwogen. Benötigt wurde dafür die Zustimmung des Kaiserhauses. Ludwig Justi, der Direktor des Museums, argumentierte: „Die hier neu vorgeschlagene Figur der Tänzerin ist wohl das reizendste Werk, das Kolbe bisher gemacht hat. Prinz August Wilhelm meinte, daß S. M. gegen ihre Erwerbung nichts haben könne“ (Brief vom 8.8.1912, SMB-ZA, I/NG 465). Der Ankauf konnte 1912 getätigt werden; dabei wurde festgelegt, dass die Figur ein Unikat bleiben müsse. Sie wurde zu einem ikonischen Kunstwerk der Nationalgalerie. Die „Tänzerin“ erscheint auf den ersten Blick symmetrisch aufgebaut. Doch alle Körperteile sind leicht aus der geometrischen Anlage heraus verschoben und erwecken so den Eindruck von Lebendigkeit. Die Kunstkritik bejubelte „diesen in sanften Rhythmen schwebenden Jungmädchenkörper“ (Paul Westheim, in: Frankfurter Zeitung, 27.4.1912, Zeitungsausschnitt im Archiv Georg Kolbe Museum, Berlin). Verschiedene Legenden wurden über das Modell für die Statue erzählt; am überzeugendsten ist, dass es sich um Charlotte Kaprolat, die spätere Gattin von Max Pechstein, handelte. | Ursel Berger

Deutschordensritter als Krankenpfleger in Jerusalem

Deutschordensritter als Krankenpfleger in Jerusalem

Die in Westpreußen gelegene mittelalterliche Marienburg wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts zum nationalen Monument erklärt. Seit 1309 war die Burg Hauptsitz des 1190 gegründeten Deutschen Ritterordens gewesen. Im 15. Jahrhundert, mit der Schlacht bei Tannenberg, begann der Niedergang des Ordens, und die Burg verfiel. Ihre Restaurierung wurde ab 1815 durch Kronprinz Friedrich Wilhelm (IV.) nachdrücklich betrieben, Karl Friedrich Schinkel betreute von Berlin aus die Arbeiten. 1818 entstand der Plan zu farbigen Glasfenstern im Sommerremter, einem quadratischen Refektorium mit Mittelsäule im Hochmeisterpalast. Carl Wilhelm Kolbe und Karl Wilhelm Wach wurden mit Entwürfen betraut. Die Glasfenster mit Szenen aus der Geschichte des Deutschen Ordens sollten dessen historische Bedeutung für die Entwicklung Preußens veranschaulichen. Der Kronprinz übernahm die Finanzierung, ausgeführt wurden die Glasbilder von 1821 bis 1827 in Berlin von Heinrich Müller. Seit 1828 waren sie eine Zierde der Marienburg, 1944 fielen sie dem Krieg zum Opfer. Kolbe schuf für den Kronprinzen nach seinen Fenster-Entwürfen mehrere Ölgemälde (Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Potsdam). Der Begründer der Nationalgalerie Joachim Heinrich Wilhelm Wagener erwarb ebenfalls zwei Ölfassungen: »Einzug des Hochmeisters Siegfried von Feuchtwangen mit seinen Rittern in die Marienburg« (Inv.-Nr. W.S. 117) und »Deutschordensritter als Krankenpfleger in Jerusalem«. Die letztgenannte Darstellung thematisiert die Gründungszeit des Ritterordens, der Ende des 12. Jahrhunderts aus einem Feldhospital vor der belagerten Hafenstadt Akkon hervorging. Kolbes Bild zeigt den Hochmeister Otto von Karpin, der, eine Fackel haltend, einen Verwundeten empfängt. Weitere Verletzte werden die Treppe hinauf ins Spital gebracht. Im Hintergrund orientalische, vom Mond beschienene Architektur. | Birgit Verwiebe

Februarmorgen (Die Furt)

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Der belgische Maler, auch Aquarellist und Pastellmaler Emile Claus erfuhr seine erste Ausbildung bis 1874 an der Kunstakademie in Antwerpen. In den nächsten fünfzehn Jahren folgte er verschiedenen Vorbildern, er schuf zahlreiche stimmungshafte Bilder, zumeist mit anekdotischen Szenen aus dem ländlichen Raum. Erst nach mehreren Aufenthalten in Paris ab 1889 und der Begegnung mit Henri Le Sidaner und den französischen Impressionisten fand Emile Claus zu seiner ganz eigenen, charakteristischen Malweise. Die Palette hellte sich entschieden auf, häufig erinnern seine Bilder sogar an Pastellmalerei. Claus wurde zum Begründer des belgischen Luminismus, einer Variante des Nachimpressionismus. Die Faktur mit den deutlich sichtbaren Pinselstrichen ist spätimpressionistisch, in der Wahl der Motive wie in der Vorliebe für deren mehrfache Wiederholung bei wechselndem Licht ist Emile Claus aber deutlich von Monet beeinflußt. Doch bleiben seine Darstellungen auch jetzt anekdotischer und realistischer, wie die vorliegende Landschaft mit dem Gänsemarsch zum Fluß Leie (Lys) zeigt.Emile Claus hatte sich 1883 in Astene, heute ein Stadtteil von Deinze, südwestlich von Gent niedergelassen. Bei Astene fand er die meisten seiner Motive. Die nüchterne, etwas harte Helligkeit vieler seiner Bilder paßt hier gut zur dargestellten Wintersonne. Zumeist ist das Bild »Februar« betitelt, auf der Internationalen Kunstausstellung in Dresden 1897 war es unter dem Titel »Novembermorgen« ausgestellt (Kat.-Nr. 95). »Sein Impressionismus ist freilich ein wenig Konvention, aber er sieht mit Maleraugen«, urteilte Hans Rosenhagen anläßlich einer Ausstellung bei Paul Cassirer in Berlin (Die Kunst für Alle, 18. Jg., 1903, H. 4, S. 94). Bilder von Emile Claus fanden kurzzeitig international Erfolg, er nahm sowohl an der Pariser Weltausstellung 1900 teil, aber auch häufig an den Ausstellungen der Münchner und der Berliner Secession. – Emile Claus hat nachdrücklich den Impressionismus in die flämische Malerei eingeführt. Auch als schon andere Stile führend geworden waren, gehörte er noch zu den geschätzten, modernen Malern Flanderns. | Angelika Wesenberg

Rückkehr von der Kirchweih

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In seiner späten Schaffensphase widmete sich Ferdinand Georg Waldmüller verstärkt Darstellungen ländlichen Volkslebens, gelegentlich mit sozialkritischer Aussage. Seine häufig aus dem Wiener Umland stammenden Modelle wie Dorfkinder, Mägde, Burschen und Bauern studierte er genauestens. In »Rückkehr von der Kirchweih« treffen Besucher eines Kirchweihfestes mit dem Reisewagen auf einem typisch niederösterreichischen Bauernhof ein. Während einige der Ankömmlinge noch im Begriff sind, aus der Kutsche zu steigen, spannt ein Knecht bereits die Pferde aus. Mitgebrachte Geschenke werden verteilt und bewundert. Im vom Sonnenlicht hell beleuchteten Zentrum des Bildes laufen drei blonde Kinder direkt auf den Betrachter zu und präsentieren ihre Lebkuchen. Besonderes Augenmerk richtet sich auf die Bauerntochter im Vordergrund rechts. Sie trägt einen Kranz Rosen im Haar und hat auf dem Fest offensichtlich von ihrem zukünftigen Ehemann ein rotes Tuch als Brautgeschenk erhalten. Stolz zeigt sie der Großmutter das Zeichen ihrer ehelichen Bestimmung. Die Freude der Auserkorenen, das Staunen der sie umringenden Kinder, von Magd und Knecht, hat der Künstler überzeugend zum Ausdruck gebracht. Die verschiedenen anekdotisch geschilderten, bewegungsreichen Szenen werden auf dem Dorfplatz wie auf einer Bühne zusammengeführt. Spannungsreich gliedert der Wechsel von grellen Sonnenpartien und langen Schatten das Geschehen und steigert die suggestive Wirkung der Komposition. | Birgit Verwiebe