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Selbstbildnis

Ident. Nr.: A II 397

ObjID: obj:965626

Details (Expert)

Beteiligte
Anna Dorothea Therbusch (1721 - 1782),
Maler*in
Datierung
um 1780
Provenienz
Karl Ernst Henrici, Großherzoglich Sächs. Hofkunsthändler, Berlin (84. Versteigerung),
11.6.1923
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 36,9 x 32,3 cm

Objektbeschreibung

Von Anna Dorothea Therbusch sind mehrere Selbstporträts aus verschiedenen Lebensphasen überliefert, darunter einige Altersbildnisse. Ein besonders eindrückliches, ganzfiguriges, fast lebensgroßes Selbstporträt im weißen Atlaskleid mit Augenglas und Buch bewahrt die Berliner Gemäldegalerie. In einer kleineren Fassung präsentierte sich die Malerin unter dem Einfluss der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts in einem gemalten steinernen Fensterrahmen (Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg). Beide Werke sind wohl im Todesjahr 1782 entstanden.
Unser Porträt einer älteren Dame im schwarzen Gewand und mit Monokel gilt ebenfalls als ein spätes, um 1780 entstandenes Selbstbildnis. Der fokussierende Blick durch das Augenglas, das die Malerin auf Grund ihrer altersbedingten Sehschwäche im Nahbereich nutzte, ist direkt zum Gegenüber gerichtet – eine Situation wie sie beim Studium des eigenen Konterfeis im Spiegel sowie bei der Übertragung des Gesehenen auf die Leinwand üblich, wenn nicht gar zwingend war. Andere Selbstporträts aus dieser Zeit mit einer Sehhilfe, etwa einer Brille, sind überliefert, beispielsweise von Jean Siméon Chardin (1775, Musée du Louvre, Paris), von Joshua Reynolds (1788, Royal Collection, London) oder von Anton Graff (1804, Nationalgalerie Berlin, A I 409).
1937 erwarb die Nationalgalerie eine weitere Version dieses Werkes, diesmal als Oval und bezeichnet mit „A. D. Therbusch. Peintre du roi. 1781“ (Eduard von der Heydt, National-Galerie. Die wichtigsten Erwerbungen in den Jahres 1933-1937, Berlin 1938, S. 10, Nr. 35). Dieses Selbstbildnis ging im Zweiten Weltkrieg verloren und befindet sich heute in der Eremitage in St. Petersburg. Möglicherweise handelt es sich hierbei sogar um die signierte Erstfassung und nicht, wie bisher angenommen, um eine Replik. Die in der Nationalgalerie vorhandene achteckige unsignierte Version könnte hingegen eine Wiederholung sein. 
Unlängst wurde bezweifelt, dass unser Porträt ein Selbstbildnis ist, u.a. weil die blaue Farbe der Augen nicht den sonst in Graubraun dargestellten Augen der Malerin entspricht (Sarah Salomon, Anna Dorothea Therbusch. Die Malerin im Spiegel ihrer Selbstbildnisse, in: Anna Dorothea Therbusch in Berlin und Brandenburg, hg. v. Nuria Jetter, Petersberg 2024, S. 32-33, Kat. 32, S. 222). Wer aber sollte hier mit forschendem Blick durch ein Augenglas in zwei Fassungen dargestellt sein? Vermutlich am ehesten noch die Künstlerin selbst, die beim Malen konzentriert ihr Abbild studiert. | Birgit Verwiebe

Letzte Aktualisierung: 19.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Alte Nationalgalerie

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Ganze Zyklen biblischer Landschaften sind das Hauptthema Schirmers in seinen letzten Lebensjahren, der Zeit seiner Lehrtätigkeit in Karlsruhe. 1855 und 1856 entstanden zunächst 26 Kohlezeichnungen mit alttestamentarischen Szenen vom Paradies bis zum Begräbnis Abrahams (Staatliche Kunsthalle Karlsruhe). Sie wurden in vielen größeren Städten Deutschlands mit Erfolg gezeigt. In einer zweiten Ausführung setzte er die Zeichnungen in Ölskizzen um (Museum Kunstpalast, Düsseldorf; Museum Georg Schäfer, Schweinfurt). Von 1859 bis Mai 1861 – das sechste Bild wurde erst 1862 vollendet – entstand sodann der in Ölmalerei ausgeführte Zyklus, der sich heute in der Nationalgalerie befindet. Schirmer widmete ihn allein der Geschichte Abrahams, in zwölf Bildern zu sechs Tafeln gerahmt. Dieser Zyklus wiederum wurde durch zwei Reihen von Ölskizzen kleineren Formats vorbereitet: einer aus elf Doppelbildern bestehend (Privatbesitz), der zweite aus neun Einheiten mit je einem kleinen Breitformat über und unter dem Hauptbild, also mit 27 Bildern im Ganzen (verschollen). Daneben entstanden zahlreiche Einzelstudien. In allen biblischen Zyklen Schirmers dominiert die Landschaft. »Die Staffage bietet nur das Motiv, das von der landschaftlichen Darstellung aufgenommen und künstlerisch durchgebildet wird, sie ist gewissermaßen der Text zur Melodie« (K. Schnaase, zit. nach: K. Zimmermann, Johann Wilhelm Schirmer, Saalfeld 1920, S. 45). Sinnbildhafte Beziehungen zwischen Landschaft und Begebenheit sind durch Art der Landschaft, Tageszeit, Stimmung sowie Lichtführung gegeben. Die Landschaften haben keinen einheitlichen geographischen Charakter, sie sind aus Eindrücken Italiens, Deutschlands, der Schweiz und Südfrankreichs zusammengesetzt. So hat Schirmer für den Hintergrund der »Vertreibung der Hagar« (Inv.-Nr. A I 7, oben) eine Skizze von der Italienreise 1840 mit Blick in den Park der Villa Borghese verwandt (Museum Kunstpalast, Düsseldorf). Auch für die Staffage griff Schirmer auf Vorbilder zurück. Einzelne Figuren und ganze Szenen entnahm er der zwischen 1852 und 1860 erstmals erschienenen »Bibel in Bildern« von Julius Schnorr von Carolsfeld (Inv.-Nr. A I 5, 7, 9, 10, jeweils oben), weil dessen »Darstellungen biblischer Handlungen, das tiefe kindliche Gemüt, alle anderen Erscheinungen dieser Art übertrifft« (Schirmer an Schnaase, zit. nach: ebd., S. 46). Für andere Figurengruppen waren die Loggien Raffaels in Rom Vorbild (Inv.-Nr. A I 5 und 6, jeweils unten). In der Art der Motivübernahme und in der Kombination von Landschaftsmalerei und Historiendarstellung in einem Zyklus besteht eine Beziehung zu Friedrich Preller (dem Älteren) und dessen »Odyssee«-Zyklen (vgl. z. B. die Fresken im Neuen Museum Weimar). Carl Schnaase bemängelte die Form des Doppelbildes, die eine innere Zusammengehörigkeit von Haupt- und Staffelbild erwarten ließe, wo doch nur ein zeitliches Nacheinander gemeint sei; als Entgegnung verwies Schirmer auf sein ursprüngliches Vorhaben, den Bildern angemessene Arabesken- und Ornamentfelder zur Gliederung beizugeben (vgl. ebd., S. 45 ff.).Der vorliegende Zyklus wurde erstmals 1861 in Köln ausgestellt – noch ohne das Doppelbild »Abrahams Bitte für Sodom« und »Die Flucht Lots« (Inv.-Nr. A I 6) – und wanderte dann durch die meisten großen Städte Deutschlands und Österreichs. In der Nationalgalerie fand er später Aufstellung in dem apsisartigen Raum an der Stirnwand des zweiten Corneliussaales, wie noch auf alten Fotos erkennbar. | Angelika Wesenberg

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Gotische Kirche auf einem Felsen am Meer

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Während seiner ersten Reise nach Italien weilte Karl Friedrich Schinkel 1803 in Istrien, wo er auch den Küstenort Piran besuchte. Dessen am Meer gelegener Dom beeindruckte ihn: »Auf einem Felsen, der von der Stadt aus ins Meer sich streckt, steht der Hauptdom der Stadt und macht mit seinem hohen Turm […] eine herrliche Wirkung« (K. F. Schinkel, Reisen nach Italien, Berlin 1979, S. 38). 1813 begann Schinkel mit »Gotischer Dom am Wasser« (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A III 842) eine Reihe von Dom-Bildern; zwei Jahre später entstand »Gotische Kirche auf einem Felsen am Meer«. Dargestellt ist rechts eine Gruppe mittelalterlich gekleideter Herren, die auf einen Hafen zureiten. Soeben passieren sie ein am Wege stehendes gotisches Denkmal, das Schinkel der Hallenser Betsäule von 1455 nachempfand. Vom Meer scheint stürmischer Wind herüberzuwehen. Über dem Felsen am Wasser erhebt sich majestätisch eine Kathedrale, als sei sie dem Gestein entwachsen. Die tiefstehende Sonne bleibt dahinter verborgen, ihr Licht umstrahlt das filigrane Gebäude.Schinkels Dom-Bilder spiegeln die politische und geistige Situation in Deutschland während der Freiheitskriege. In dieser Zeit entwickelte der Künstler eine Vorliebe für altdeutsche Motive und die gotische Baukunst, von der damals angenommen wurde, sie sei deutschen Ursprungs. Mit dem Erwerb des Gemäldes im Entstehungsjahr 1815 begann der Berliner Bankier Joachim Heinrich Wilhelm Wagener seine Sammeltätigkeit. Eine formatgleiche Kopie eines unbekannten Künstlers der Schinkel-Zeit befindet sich in Privatbesitz. | Birgit Verwiebe

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Inneres der Westminster Abbey, London

Inneres der Westminster Abbey, London

1858 erwarb Wagener noch einmal ein Bild von Ainmüller, sein bislang größtes. Im folgenden Jahr wird er sein Testament machen und einen letzten Ankauf tätigen. Die Darstellung aus der Westminster Abbey beweist einmal mehr die stupende Technik des bei Friedrich von Gaertner in München und als Porzellanmaler ausgebildeten Ainmiller. Sein Haupttätigkeitsfeld lag seit 1828 bei der bayerischen Glasmalereianstalt, administrativ, technisch und künstlerisch. Erst daneben war er als begeisterter Architekturmaler tätig – und zu seinen Lieblingsmotiven zählten die großen Kirchen Londons.Eine erste, sehr ähnliche Fassung von 1844, »Chor der Westminster Abbey«, befindet sich in der Sammlung des Fürstenhauses Thurn und Taxis, Regensburg (vgl. U. Staudinger, Die »Bildergalerie« Maximilian Karls von Thurn und Taxis, Kallmünz 1990, Nr. 25). Hier ist ein Blick in das nördliche Seitenschiff des Chors gegeben. Rechts ist das Denkmal Heinrichs III. in Form einer Tumba zu sehen, links die Kapelle des heiligen Paulus, in der Mitte der Zugang zur prachtvollen Kapelle Heinrichs VII., 1502 bis 1520 erbaut, davor die reich skulptierte Grabkapelle Heinrichs V. »Andere Denkmäler der neueren Zeit sind, als mit dem gothischen Styl der Kirche im Widerspruch, von dem Künstler unterdrückt worden«, vermerkt der Katalog der Sammlung Wagener zustimmend. (Verzeichniss der Gemälde-Sammlung des J. H. W. Wagener, Berlin 1861, S. 5, Nr. 10). Alle Bilder von Ainmiller der Sammlung Wagener sind in München gemalt (vgl. ebd., S. 4–6), nach Studien der Reise von 1841 sicher, aber wohl auch nach graphischen, vielleicht auch schon fotografischen Vorlagen; sie folgen einem Ideal, wie der Hinweis auf das nicht Dargestellte uns zeigt. | Angelika Wesenberg

Golf von Neapel mit Fruchthändler

Golf von Neapel mit Fruchthändler

Der aus einer hugenottischen Familie stammende Franz Ludwig Catel hatte seit 1797 an den Kunstakademien in Berlin und Paris studiert. 1800 gründete er mit seinem Bruder, dem Architekten Ludwig Friedrich Catel, in Berlin eine Stuckfabrik. 1811 siedelte er nach Rom über. Dort schloß er sich nach der Bekanntschaft mit den Malern Heinrich und Ferdinand Olivier den Lukasbrüdern an. Mit ihnen arbeitete er zwischen 1816 und 1818 kurzzeitig an der Ausmalung der Casa Bartholdy. Später wurde Catel mit italienischen Vedutenlandschaften und Volksszenen erfolgreich und erhielt seit 1818 verstärkt Aufträge, vor allem von der europäischen Aristokratie. Freundschaftliche Beziehungen verbanden ihn mit dem bayerischen König Ludwig I. und dem preußischen Prinzen Heinrich. Materiell gut abgesichert, wirkte er als Förderer des deutschen Künstlerkreises.Von Rom aus reiste Catel häufig in die Gegend von Neapel. Dort entstanden 1822 diese beiden auf Metall gemalten kleinformatigen Genreszenen. In »Neapolitanische Carrete mit Mönch« (Nationalgalerie, Inv.-Nr. W.S. 35) ist ein von zwei Lazzaronen gelenkter Einspänner zu sehen, in dem ein Mönch und eine Nonne sitzen. Zwei Fischerknaben laufen der Carrete hinterher. Am Horizont erscheint die Insel Capri. Das Bild »Golf von Neapel mit Fruchthändler« (Nationalgalerie, Inv.-Nr. W.S. 36) zeigt eine Familie mit drei Kindern. Der Vater trägt einen Fruchtkorb auf dem Kopf, die Mutter reitet auf einem Esel und stillt dabei ihren Säugling. Die anderen beiden Kinder sind in Tragetaschen untergebracht. Im Hintergrund das Castel dell’Ovo und der rauchende Vesuv. Beide Bilder waren im Besitz des Stifters der Nationalgalerie, Joachim Heinrich Wilhelm Wagener. | Birgit Verwiebe