Logo

Town Tower

Ident. Nr.: B 1061

ObjID: obj:965656

1975 erworben durch das Land Berlin
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Eduardo Paolozzi (1924 - 2005),
Künstler*in
Datierung
1962
Weitere Titel
Sammlungstitel: Town Tower
Stadtturm
Material / Technik
Eisen, Messing und Bronze
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 196 x 51 x 40,5 cm
Erwerbung
1975 Ankauf von der Marlborough Fine Art Ltd., London, durch das Land Berlin aus Mitteln der Deutschen Klassenlotterie, Berlin (West)

Objektbeschreibung

Das von Stilwechseln geprägte Werk Paolozzis ist durchzogen von seiner Faszination für Alltagskultur. Als Sohn einer italienischen Einwandererfamilie in Schottland aufgewachsen, war er ab den 1950er-Jahren bereits international erfolgreich. In dieser Zeit begann er alltägliche Fundstücke in Bronzeguss-Plastiken zu integrieren und so das Prinzip der Collage in die Bildhauerei zu übertragen. Parallel setzte er sich mit Architektur, ihren Utopien und Theorien auseinander. Während einer Gastprofessur an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg von 1960 bis 1962 entdeckte er Schiffsfriedhöfe und Schrottplätze für sich und wandte sich daraufhin industriellen Fertigungsmethoden zu. Einer seiner neuen Werkkomplexe waren die „Türme“, die stets aus Sockel, Aufbau, Bekrönung und einem zentralen Motiv in der Mittelachse aufgebaut sind. Einzelne vorgefertigte Elemente wiederholen sich innerhalb der Serie, sie werden übereinandergestapelt und oftmals sichtbar verschweißt. Bei „Town Tower“ führte Paolozzi unterschiedliche Metalle im Rotguss zusammen, einer für technische Produkte üblichen Legierung auf Kupferbasis. Die Turmplastiken sind nicht im üblichen Sinne abstrakt. Vielmehr knüpfen sie an den Surrealismus an – eine Kunstrichtung, mit der sich Paolozzi mehr identifizierte als mit der Pop-Art seiner Generation. Er bezeichnete seine Turmserie als „eine Art Kommentar zu Deutschland“ (zit. in Judith Collins, Eduardo Paolozzi, Farnham 2014, S. 148). Sie rufen vielfältige Assoziationen hervor, von Kraftwerken und Maschinenelementen über Getränke- oder Spielautomaten bis hin zu Metallspielzeug wie die Meccano-Bausätze, erinnern aber auch an Altäre oder Schreine. | Uta Caspary

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz