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Ruggiero und Angelica

Ident. Nr.: A I 753

ObjID: obj:965703

Details (Expert)

Beteiligte
Arnold Böcklin (1827 - 1901),
Maler*in
Datierung
1873
Systematik/Art
Provenienz
Conrad Fiedler, München,
13.6.1895
Nachlass/Vermächtnis: Mary Fiedler(-Levi-Balling), München/Partenkirchen,
13.6.1895 - 7.7.1902 (Vorlaßvertrag mit dem preußischen Staat)/10.3.1919
Material / Technik
Tempera auf Holz
Abmessungen
Höhe x Breite: 46 x 37 cm
Erwerbung
1902 Vorlaß der Mary Levi (spätere Balling), München und Partenkirchen, aus der Sammlung ihres verstorbenen Ehemanns Conrad Fiedler; 1919 endgültige Übergabe nach dem Tod der Stifterin

Objektbeschreibung

Das Werk gehört zu den zahlreichen Literaturadaptionen Böcklins, für den Bücher wie Musik ein Lebenselixier und eine Quelle imaginärer Bilder waren. So mußte in den 1880er Jahren einmal der junge Maler Otto Lasius »auf Weihnachten für ihn einen ganzen Stoß alter Klassiker einkaufen« (Aus den Tagebüchern von Otto Lasius, Berlin 1903, S. 34). Das umfängliche Poem »Orlando Furioso« (Der rasende Roland) von Ludovico Ariosto, die erste Ausgabe 1516, scheint Böcklin besonders geliebt zu haben. Böcklin malte nach diesem Gedicht allein sechs Bilder. Dieses ist das früheste. Das letzte der Bilder, »Orlando Furioso« (Museum der bildenden Künste, Leipzig), war bei Böcklins Tod noch unvollendet.
Jacob Burckhardt, der Jugendfreund, schrieb in seiner »Kultur der Renaissance in Italien«: »Das Kunstziel des Ariosto ist das glanzvoll lebendige ›Geschehen‹, welches sich gleichmäßig durch das ganze große Gedicht verbreitet.« Solcherart »Geschehen«, phantastische Vorkommnisse, ohne genauere Auslotung der Figuren, regten Böcklins Phantasie offensichtlich an. Keineswegs aber entstanden Illustrationen; Böcklin setzte Bilder der Literatur in freie malerische Bilder um. Die dramatisch-erotische Szene der Befreiung Angelicas aus den Klauen eines Drachen malte Böcklin um 1880 sogar ein zweites Mal (Museum Kunstpalast, Düsseldorf, 1946 gestohlen). »Gefesselt stand sie seit dem Morgen hier, / Verschluckt zu werden, ach, mit Haut und Haaren / Von jener Orca, jenem Riesentier, / Dess graus’ge Nahrung junge Weiber waren« (Bd.1, X. Gesang, Strophe 94).
Beide Umsetzungen dieser Szene zeigen einen ironischen Zug: Hier ist Angelica zwar an den Baum gebunden und um beide schlingt sich der Drache. Aber sie scheint nicht geängstigt, kokett wendet sie ihren Kopf dem mutig heransprengenden, kostbar geharnischten Ritter mit dem roten Übergewande zu. Der prächtige, ganz friedlich wirkende, grün-blaue Drache ahnt bestenfalls die nahende Gefahr. Er schielt zu dem Ritter hin, noch aber befindet er sich mit seiner leicht bekleideten Gefangenen in ruhiger Gemeinschaft. Böcklin hat diese poetisch, geradezu märchenhaft aufgefaßte Szene in fein abgestufter, kostbar wirkender Malerei auf eine kleine Holztafel gebracht. | Angelika Wesenberg

Letzte Aktualisierung: 21.09.2026

Kontakt

Einrichtung:

Alte Nationalgalerie

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Im Etappenquartier vor Paris

Im Etappenquartier vor Paris

Dem Gemälde »Im Etappenquartier vor Paris« liegt eine frühe Skizze aus dem Herbst 1870 zugrunde. Damals wollte Anton von Werner, obwohl für dienstuntauglich erklärt, an Ort und Stelle Material für ein Auftragsbild »Moltke mit seinem Stabe vor Paris« (vollendet 1873, Kunsthalle Kiel) sammeln. Im requirierten Schlößchen Brunoy einquartiert, zeichnete er am 24. Oktober diese harmlose Szene: wie das Kaminfeuer vorbereitet wird, wie zwei Ulanen das Schubert-Lied »Das Meer erglänzte weit hinaus« nach dem Gedicht Heinrich Heines vortragen und wie die Concierge, vom Gesang angezogen, mit ihrem Töchterchen in der Tür erscheint. »Das Innere des Hauses, Mobiliar usw.«, schrieb Anton von Werner im September 1894 in einem erklärenden Brief an die Nationalgalerie, »war damals im Oktober, kurze Zeit nach Beginn der Belagerung von Paris, noch völlig intakt, auch die oft genannten Pendules auf dem Kamin u. andere Nippes fehlten nicht« (SMB-ZA, I/NG 2035, Journal-Nr. 1895/105). ›Oft genannt‹ meint: in späteren Berichten über Plünderungen und Diebstähle deutscher Truppen. Auch von den Schrecken der viermonatigen Belagerung von Paris wußte man inzwischen, doch davon läßt das gemütliche Treiben der deutschen Militärs in der besetzten Villa nichts vermuten. Die Hemdsärmeligkeit, mit der sie sich mit ihren schmutzigen Stiefeln in der fremden Pracht eingerichtet haben, soll als erheiternd, nicht als peinlich empfunden werden: leuchtet doch mit der Musik ein Abglanz heimatlicher Kultur. Ein leidenschaftsloses Einverständnis mit dem Seienden bestimmt auch den malerischen Vortrag, der sich, um täuschende Vergegenwärtigung bemüht, mit kühler Virtuosität gleichmäßig jedem Gegenstand bis ins Detail, bis zu den lückenhaft benagelten Stiefelsohlen hin, zuwendet. Nicht einmal der Kontrast zwischen dem Kaminfeuer mit seinen roten Reflexen und dem schon winterlich weißen Himmel wird nicht malerisch ausgespielt. So sehr der Krieg als ein Wechsel dramatischer, besinnlicher und humoriger Augenblicke verharmlost erscheint – Werner hütet sich, ›den Feind‹ verächtlich zu machen. | Claude Keisch

Einzug des Kronprinzen Friedrich von Preußen in Jerusalem 1869

Einzug des Kronprinzen Friedrich von Preußen in Jerusalem 1869

Dargestellt ist, gleich einer authentischen Schilderung, der prächtige, bejubelte Einzug des preußischen Kronprinzen Friedrich (1831–1888) in Jerusalem Anfang November 1869. Man sieht den Maler selbst rechts im Bild auf einem Esel sitzend und zeichnend. Dabei entstand das Auftragswerk erst 1876 nach Studien. Es stellt eine nachträgliche Interpretation der Ereignisse dar und bekräftigt den neuen Machtanspruch: Inzwischen hatten der Krieg von 1870/71 und die Proklamation des deutschen Kaiserreichs im Spiegelsaal von Versailles stattgefunden. Aus diplomatischen Gründen war dem Kronprinzen 1869 die Aufgabe zugefallen, Preußen bei den Eröffnungsfeierlichkeiten des Suezkanals zu vertreten. Der König hatte ihm zudem gestattet, die seltene Reise in den Orient auch etwas zu erweitern. Bei seiner Audienz in Istanbul übereignete der Sultan Preußen ein lange begehrtes Gelände in Jerusalem mit den Ruinen des mittelalterlichen Johanniter-Hospizes und der zugehörigen Kirche. Der Kronprinz nahm das historische Gelände nun vor Ort symbolisch in Besitz. Erst im Frühjahr 1873 erhielt das Kronprinzenpaar den auf dem Bilde dargestellten weißen Araberhengst als Geschenk des Sultans. Vielleicht war dies der äußere Anlaß, ein repräsentatives Erinnerungsbild der Reise in Auftrag zu geben. Wilhelm Gentz, zu dieser Zeit schon ein bekannter Orientmaler, reiste 1873 für einige Wochen zu Studien nach Jerusalem. Dort wählte er für das zu malende Geschehen einen Hügel vor der Stadtmauer mit freiem Blick auf die Silhouette der Stadt aus. In Berlin entstanden die Studien vom Kronprinzen in der 1869 getragenen Staatsrobe und von dem prächtigen Hengst. Das fertige Werk wurde auf der Akademieausstellung 1876 mit einer goldenen Medaille ausgezeichnet; es war zuvor bereits für die Nationalgalerie erworben worden. Der einflußreiche Kunstkritiker Adolf Rosenberg schrieb 1891: »es ist die erste bildliche Darstellung der sieghaften Macht, die das neuerstarkte Deutschland über Orient und Occident damals zu gewinnen anfing« (Zeitschrift für bildende Kunst, N.F., 15. Jg., 1891, S. 213). | Angelika Wesenberg

Dorflandschaft,
Verso: Blumenvase

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Den Blick auf Worpswede mit der Kirche auf dem Weyerberg im Hintergrund zeigt auch eine zeitgleich ausgeführte, kleinere Ausführung des Motivs, die über den Kunsthandel veräußert wurde - nach Angaben des Otto-Modersohn-Museums, Fischerhude. Beiden Arbeiten liegt die Abkehr von der impressionistisch-symbolistischen Malweise der ersten Jahre Modersohns in der Künstlerkolonie Worpswede und ein verändertes Bemühen um Realität zugrunde. „Das ist mein uraltes Ideal. Schon meine Kompositionen beschäftigen sich mit der Konzeption und Intimität. Im Atelier entstanden auf Grund meiner Studien und Zeichnungen meine besten Bilder. […] dekorative Konzeption, – intimes Leben. – Man muß das Erlebnis fühlen das man hatte“, notierte Modersohn (Tagebucheintrag, 29.11.1933, zit. nach Otto Modersohn, 1865–1943, Otto-Modersohn-Nachlaß-Museum Fischerhude, Hamburg 1981, S. 150). Diese Bilder wollen nicht Abbild der Wirklichkeit sein, sondern Ausdruck individuellen Gefühls für das Geschaute: Hier sieht man die an und auf dem Berg stehenden Häuser und die Kirche schräg gegeneinandergesetzt, mit Auf- und Untersichten und Figuren auf jeder Höhe des geschwungenen Weges. Farbflächen, das Rot der Dächer, das Grün der Bäume und Wiesen, die Helle des Weges, stehen deutlich nebeneinander, überwölbt wird die Szene von einem Sommerhimmel. Leicht kann solch eine Komposition den Anschein bewusster Naivität erzeugen. Die Rückseite der Leinwand zeigt einen Pfingstrosenstrauß in einer weiß-blau gemusterten Vase, die auch auf weiteren Stillleben Modersohns zu sehen ist. Blumensträuße, gern bei Kunstlicht gemalt, gehören fest zum Spätwerk des Malers. | Angelika Wesenberg