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Tafel 1: Winterlandschaft aus: Frühbürgerliche Revolution in Deutschland

Ident. Nr.: n/a

ObjID: obj:966002

n/a

Details (Expert)

Datierung
1979-1981
Weitere Titel
Sammlungstitel: Tafel 1: Winterlandschaft aus: Frühbürgerliche Revolution in Deutschland
Übersetzung: Panel 1: Winter Landscape From: Early Bourgeois Revolution in Germany
Material / Technik
Tempera und Öl auf Holz
Abmessungen
Höhe x Breite: 139 x 244 cm
Erwerbung
1988 Ankauf vom Künstler, Leipzig

Objektbeschreibung

Der Titel verweist auf die Gliederung des Bauernkriegspanoramas nach den vier Jahreszeiten. Tübke verbindet die Wiederkehr der Jahreszeiten mit der Idee des Äons, innerhalb dessen sich eine ganze Geschichtsepoche vollendet und wieder erneuert. Die Epoche der Reformation und der Renaissance war bereits von Zeitgenossen mit Hinweis auf das Mythologem des Vogels Phönix als Ära der „Wiedergeburt“ stilisiert worden (vgl. dazu Thomas Burdach, Reformation, Renaissance und Humanismus, Berlin 1918, von Tübke im Tagebuch am 2.11.1977 als Quelle genannt; Annika Michalski und Eduard Beaucamp [Hrsg.], Werner Tübke, Göttingen 2017, S. 295 f.). Die Bildform zweier Werke von Pieter Bruegel d. Ä. aufgreifend („Turmbau zu Babel“, 1563, Kunsthistorisches Museum, Wien, und „Bethlehemitischer Kindermord“, 1565, Windsor Castle), zeigt die Tafel links die in Streit und Aberglauben zerfallende „alte Welt“. Unter dem Bild des eselsköpfigen Papstes wimmelt es von armen Bauern und Frauen, die Kardinal und Bischof mit Wasser übergießen, während die Personifikation der Eitelkeit zusammen mit dem Teufel die umherfliegenden Reichen in einer Vogelfalle fängt. Im Hintergrund zieht eine Prozession unter dem Banner des Erlösers vorüber (eine Anspielung auf Matthias Grünewald). Rechts unter dem Babylonischen Turm, Sinnbild der verirrten Papst-Kirche und Verweis auf die apokalyptische „Große Hure“ als Verführerin der Welt, ein blauer Fisch. Er steht für die Prophezeiung einer großen Sintflut infolge einer unheilvollen Planetenkonstellation im Sternzeichen der Fische (nach der Flugschrift von Leonhard Rynmann, „Practica vber die grossen und manigfeltigen Coniunction der Planeten …, Nürnberg 1523). Darunter das Phönix-Ei als Symbol der Wiedergeburt. Gleich daneben Thomas Müntzer, der die Lehren der Reformation im Sinne Luthers unter der Landbevölkerung verbreitet. | Oliver Seifert

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz