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Die große Symphonie (Bild II)

Ident. Nr.: A IV 363

ObjID: obj:966029

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Erwin Hahs (1887 - 1970),
Künstler*in
Datierung
1929
Weitere Titel
Sammlungstitel: Die große Symphonie (Bild II)
Übersetzung: The Great Symphony (Picture II)
Provenienz
Nachlass/Vermächtnis: Iris Hahs-Hofstetter, Zernsdorf,
1970–1978
Material / Technik
Öl und Lack auf Karton
Abmessungen
Höhe x Breite: 59,5 x 79 cm
Erwerbung
1978 Ankauf aus dem Nachlass des Künstlers

Objektbeschreibung

Als Leiter der Malklasse an der Burg Giebichenstein in Halle experimentierte Hahs mit verschiedenen Materialien. Lack faszinierte ihn aufgrund der Eigenschaft, Licht besonders stark zu reflektieren und durch seine Transparenz den Eindruck von Leichtigkeit und Auflösung der Form zu erzeugen. In einer Hallenser Autokarosseriefabrik erschlossen sich Hahs 1925 die Möglichkeiten farbiger Lackierung auf Holz und Metall. Vier Jahre später begann er, Lacke auch in der freien künstlerischen Tätigkeit zu verwenden. Von 1929 bis 1939 und abermals zwischen 1947 und 1969 entstand ein Werkkomplex von etwa 150 ungegenständlichen Arbeiten, in denen der Künstler häufig Lack nutzte. Fünf Bilder gleichen Formats aus den Jahren 1929 bis 1932 fasste Hahs unter dem Titel „Die große Symphonie“ zusammen. Er wird dabei an jene Orchesterwerke ohne Solisten gedacht haben, die wie bei Ludwig van Beethoven, Hector Berlioz und Gustav Mahler in fünf statt – wie zumeist üblich – in vier Sätzen komponiert sind. Das zweite Blatt in Hahs’ Serie zeigt vor erdfarbigem Hintergrund ineinandergreifende, geschwungene, zumeist durch dunkle Parallellinien strukturierte Flächen in Weiß-, Gelb- und Brauntönen. Der Duktus des Farbauftrags ruft durch seine schnellen Richtungswechsel den Eindruck lebhafter Bewegung hervor. Wie eine Lupe hebt eine graue Linie in abgerundeter Trapezform die lackierten Flächen hervor, die von innen heraus golden zu leuchten scheinen. | Dieter Scholz

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson