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Arbeiter aus Hennigsdorf

Ident. Nr.: A IV 258

ObjID: obj:966070

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Horst Strempel (1904 - 1975),
Künstler*in
Datierung
1951
Weitere Titel
Sammlungstitel: Arbeiter aus Hennigsdorf
Übersetzung: Worker from Hennigsdorf
Provenienz
Ministerium für Kultur der DDR,
1971
Material / Technik
Öl auf Hartfaser
Abmessungen
Höhe x Breite: 68,5 x 51 cm
Erwerbung
1971 Übereignung des Ministeriums für Kultur der DDR

Objektbeschreibung

Strempels Arbeiterporträts waren Studien für Wandbilder, hier für die 4 × 18 Meter große, im Kollektiv mit René Graetz, Arno Mohr und Hermann Bruse geplante Darstellung der „Metallurgie Hennigsdorf“. Das 1918 vom AEG-Konzern gegründete Stahl- und Walzwerk wurde 1947 der erste volkseigene Betrieb Brandenburgs und firmierte fortan unter dem Namen des deutschen Kommunisten „Wilhelm Florin“. Ebenso wenig wie mit dem Wandbildendwurf war man in der DDR mit Strempels Interpretation des Arbeiters einverstanden. Als man das Bild 1951 in der Ausstellung „Künstler schaffen Frieden“, eine Art Best-of der Werktätigen- und Politikerdarstellungen zeigte, mokierte sich ein Stahlwerker in dem Zeitungsartikel „So sieht kein Hennigsdorfer Kumpel aus“ (Tribüne, 15.1.1952, in: WVZ Saure 1992, S. 12, FN 269): „Das ist nicht das Abbild eines typischen Vertreters der Arbeiterklasse, der uns zur Erfüllung unserer Pläne begeistert. Der auf dem Bild dargestellte Kollege könnte im früheren Flick-Konzern unter der Ausbeutung durch das kapitalistische System am Siemens-Martin-Ofen gestanden haben.“ Das Werk wäre weder im „Friedenskampf“ noch „zur Steigerung der Arbeitsproduktivität“ hilfreich, der Autor und seine Kollegen empfänden es als „Verhöhnung des schaffenden Menschen“. Starke Worte, bei deren stereotyper Wahl fast der Verdacht aufkommt, hier hätte gar kein Kumpel aus Hennigsdorf, sondern ein Beamter der Staatlichen Kommission für Kunstangelegenheiten geschrieben. Strempel war zu diesem Zeitpunkt des Kampfes um den richtigen Sozialistischen Realismus müde geworden und hatte die DDR bereits verlassen. | Sven Haase

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

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Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz