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Laufender Orang-Utan

Ident. Nr.: B I 451

ObjID: obj:966157

Details (Expert)

Beteiligte
August Gaul (1869 - 1921),
Bildhauer*in
Ausführung: Max Esser (1885 - 1945),
Bildhauer*in
Datierung
1895-1897 (Basalt 1921/1922)
Geografische Bezüge
Provenienz
Leo Lewin, Breslau,
1925
Material / Technik
Basalt
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 125 x 80 x 120 cm
Erwerbung
1925 Ankauf aus der Sammlung Leo Lewin, Breslau

Objektbeschreibung

Entstanden ist der lebensgroß in grobporigem Basalt ausgeführte Orang-Utan im Auftrag von Gauls wichtigstem Sammler, Leo Lewin. Nach finanziellen Schwierigkeiten des Auftraggebers gelangte die Figur bereits drei Jahre nach ihrer Entstehung in die Nationalgalerie. Der Bildhauer hatte hier auf eine Komposition aus seinem Frühwerk zurückgegriffen (1895–1897, WVZ Gabler 2007, 23), doch anders als das damals detailliert modellierte zottelige Fell vereinfachte er die Formen auf das Äußerste, die gewählte Materialität unterstützt die Grobheit und Härte des Ausdrucks adäquat. Es ist das letzte Werk Gauls, dessen Gipsmodell er wohl eigenhändig schuf, die Steinausführung konnte jedoch nur noch von seinem Gehilfen Max Esser vollendet werden. Von der Kunstkritik wurde der Orang-Utan gefeiert als ein Werk, mit dem Gaul „sich selbst übertroffen hat und […] eine neue Arbeitsperiode hätte einleiten können“, und als ein endgültiger Beweis dafür, „dass ein Tierbildhauer sowohl nach Seiten des Gehaltes als der Form bis zu echter Monumentalität vorzustossen“ vermöge (Carl Georg Heise, Vom Ewigkeitszug in der Plastik. Zum Gedächtnis des deutschen Tierbildhauers August Gaul, in: Pariser Zeitung, 1.2.1942, S. 5). Gaul hatte testamentarisch ein Kuratorium zur Nachlasspflege eingesetzt, das umsichtig über die Ausführung und den Vertrieb von Güssen entschied. Mit der Übernahme der Nachlasspflege durch die Familie Gaul-Reinheldt, dem Gießen von im Nachlass nicht für eine posthume Auflage vorgesehenen Werken, Verkäufen von Modellen und Archivmaterial ist das Œuvre Gauls heute merklich verwässert. | Yvette Deseyve

Letzte Aktualisierung: 10.11.2025

Kontakt

Einrichtung:

Alte Nationalgalerie

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Märkische Landschaft

Märkische Landschaft

Im Sommer 1880 lebten und arbeiteten die Malerfreunde Carl Schuch und Karl Hagemeister gemeinsam in Kähnsdorf bei Beelitz in der Mark Brandenburg. Hagemeister stammte aus dieser noch ganz unbekannten herben Landschaft, in die er den gebürtigen Wiener geladen hatte. Während Schuch, vom Stilleben herkommend, über die Einbeziehung von Architektur versuchte, sich den Formen der Landschaft zu nähern (vgl. Nationalgalerie, Inv.-Nr. A II 35), bedurfte Hagemeister keiner geraden Linie für seine große »Märkische Landschaft«. Sie ist übersichtlich gegliedert: der See im Vordergrund, die geschwungenen Uferstreifen in der Mitte und große Baumgruppen vor einem bewölkten Himmel im Hintergrund.In seinen Erinnerungen notierte Hagemeister über die Aufenthalte in der Mark Brandenburg, »hier begannen wir aus dem Ton zu malen im Sinne von Leibl und Courbet« (K. Hagemeister, Kleine Selbstbiographie, Werder 1928, Typoskript im Archiv des Bröhan-Museums, Berlin). Doch scheint auch Schefflers Hinweis auf die intime Naturauffassung der Malerschule von Barbizon, mit der sich Hagemeister während seiner Weimarer Lehrzeit beschäftigt hatte, sehr angebracht.1910 veröffentlichte Karl Scheffler in der Zeitschrift »Kunst und Künstler« eine erste Würdigung des Malers: »Hagemeister ist Prellerschüler. Nicht ein Schüler des Malers der Odyssee, sondern des Malers der Hünengräber, der Eichen im Sturm und der Seestücke; der Schüler eines Lehrers, der einsichtig genug war, dem jungen Märker nicht das Heroische aufzuzwingen, sondern ihn auf die organische Struktur der Landschaft und auf Bilder der Barbizonschule in der Meyerschen Sammlung in Dresden zu verweisen« (in: Kunst und Künstler, 8. Jg., 1910, S. 415–416).Fünfzehn Jahre vor Leistikows »Grunewaldsee« (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A I 622) erfaßte Hagemeister die Schönheit märkischer Seen in diesem dunkeltonigen, groß aufgefaßten, auffallend ähnlich kurvenreichen Landschaftsbild. | Angelika Wesenberg

Der Watzmann

Der Watzmann

»Vom Prof. Friedrich ist noch eine recht schöne große Landschaft hier«, schrieb das Literarische Conversations-Blatt anlässlich der Dresdner Akademieausstellung 1825, »eine einsame Gebirgsgegend. Trefflich sind die verschiedenen Tinten der höhern Bergregionen dargestellt: vorn, zwischen den sich thürmenden Basaltblöcken, drängen sich noch Gras und Bäumchen hervor, höher hinauf ziehen sich Nebel um die öden Bergrücken, ganz oben schimmern die Felsenstirnen, mit ewigem Schnee bedeckt, in ungetrübter Klarheit. Die völlige Einsamkeit hat hier etwas Schauerliches, man sehnt sich danach, wenigstens einen Adler oder eine Gemse zu erblicken: vergebens, kein Leben wohnt hier, als das der Luft und des Lichts, jeder Pulsschlag des Gefühls stockt in dieser Höhe!« (zit. nach: Literarisches Conversations-Blatt 1825, S. 888; auch zit. in: H. Börsch-Supan und K. W. Jähnig, Caspar David Friedrich, München 1973, S. 106). Caspar David Friedrich war nie in den Alpen, dennoch malte er mehrere Ansichten dieses Gebirges. Für die Komposition seines Gemäldes »Der Watzmann« nutzte er verschiedene Vorlagen. Zentral war für ihn eine Aquarellstudie der Gipfelpartie, die sein Schüler Johann August Heinrich vor Ort festgehalten hatte (Nationalmuseum Oslo). Zudem verwendete er eigene Skizzen seiner Reise durch den Harz. Dem Motiv des Felsens in der Mitte des Vordergrundes liegen Zeichnungen des Trudensteins am Hohnekopf in der Nähe des Brockens vom 28. Juni 1811 zugrunde (Standort unbekannt). Bereits 1824 hatte Friedrich eine großformatige Alpenlandschaft in Dresden präsentiert. Auf dem Bild war ein Blick zum Mont Blanc dargestellt (»Hochgebirge«, Öl auf Leinwand, 131 x 167 cm, ehemals Nationalgalerie Berlin, Kriegsverlust). Wie beim »Watzmann« diente auch hier eine fremde Zeichnung als Vorlage, in diesem Fall ein Blatt von Carl Gustav Carus. Friedrich malte seinen »Watzmann« wohl in Reaktion auf das denselben Gipfel zeigende, 1824 in Dresden ausgestellte Werk des 23-jährigen Ludwig Richter (Neue Pinakothek, München). Detailreiche, erzählerische Darstellungen wie diese lehnte er ab.          In Friedrichs Bild erscheint der in hellem Licht strahlende die Größe und das Unermessliche der Natur verkörpernde Gletscherberg fern und entrückt, wie ein Symbol göttlicher Majestät. Zarte Dünste schweben vor den darunter liegenden Bergrücken des Archenkopfes und des Grünsteins. Subtil hat Friedrich die dort zwischen Grün und Violett changierenden Farbtöne wiedergegeben. Kein lebendiges Wesen ist in der Einsamkeit dieser Hochgebirgslandschaft zu erkennen. Die pyramidale Komposition gipfelt im leuchtenden Weiß des ewigen Eises, eine Bildidee, die Friedrich schon zwei Jahre zuvor in seinem berühmten Gemälde »Das Eismeer« (Hamburger Kunsthalle) entwickelt hatte. Eberhard Hanfstaengl, der den »Watzmann« für die Berliner Nationalgalerie erwarb, bewunderte Friedrichs »bildnerische und dichterische Kraft [...], mit der er eigenes und fremdes Naturbild in eine phantasievoll gesteigerte Form bringt, die alles Vedutenhafte verliert und zu einem Inbegriff der Gebirgsdarstellung wird« (E. Hanfstaengl, Vier neue Bilder von Caspar David Friedrich, in: Jahrbuch der Preußischen Kunstsammlungen, Bd. 58, 1937, S. 223). | Birgit Verwiebe

Meeresküste mit Schiffer und Booten

Meeresküste mit Schiffer und Booten

1887 reiste Friedrich Preller mit seinen Schülern von der Dresdner Akademie an die Ostsee, besuchte erstmals die Insel Rügen und die Malerkolonie auf der Insel Vilm. Doch auch wenn Preller, berühmt für seine Bilder südlicher, meist italienischer Landschaften, bis 1899 fast jährlich nach Vilm reiste und dort Studien anfertigte, erschloß sich ihm die Ostseeregion nur schwer. »Es ging mir«, schrieb er an die befreundete Frau von Holstein am 6. November 1887, »wie es Jedem geht, der sich eine bestimmte Vorstellung macht und Alles total anders findet. […] In mir lebte die Vorstellung des Landes wie es mein Vater gemalt hat: rauschendes Meer und Hühnengräber mit 1000 jährigen Eichen, und ich fand eine Natur zwar fein und reizvoll, aber gänzlich charakterlos und was noch schlimmer ist: physiognomielos. […] Das Rügen meines Vaters ist das Phantasiegebilde eines großen Künstlers, den diese Natur nicht eigentlich anregte, sondern der seinen Geist in die Natur hineinlegte. Nun will ich versuchen, ob ich diesem mir neuen Lande auch eine Seite abgewinnen kann« (Tagebücher des Künstlers, München 1904, S. 252).Nach den Studien auf Rügen sind nur wenige Bilder entstanden. Eines davon, über die Sammlung Dr. Georg August Freund in die Nationalgalerie gelangt, zeigt in gewittriger Stimmung einen Blick auf den bewegten Rügener Bodden. Im Vordergrund ist ein Fischer neben seinem Boot zu sehen, der Pfeife rauchend den Horizont beobachtet. Ein großer Fels ragt rechts von ihm wie ein urzeitlicher Findling aus dem Sand. – Vgl. die Abbildung der zugehörigen Studie in der Broschüre »Der Vilm, die Maler-Insel« von Toni Preller, der Ehefrau des Künstlers, aus dem Jahr 1906 (Blasewitz, Verlag Emil Boden, o. Pag.). | Regina Freyberger

Eifellandschaft bei Gewitter

Eifellandschaft bei Gewitter

Der als Historienmaler erfolgreiche Carl Friedrich Lessing hegte großes Interesse für die Landschaft. Im Gegensatz zu anderen Künstlern reiste er nicht nach Italien, stattdessen widmete er sich als Mitbegründer des Düsseldorfer Landschaftlichen Komponiervereins verschiedenen Gegenden in Deutschland. Waren die Landschaften zu Beginn seiner Laufbahn noch romantisch aufgefaßt, so trugen sie später realistische Züge.Von geologischen Interessen geleitet, durchwanderte Lessing mehrfach die Eifel, eine rauhe, von vorzeitlichem Vulkanismus geprägte Gebirgslandschaft. Hier trat ihm »die Natur in der reinen, gleichsam nackten Eigenthümlichkeit ihres Daseins entgegen« (F. von Uechtritz, Blicke in das Düsseldorfer Kunst- und Künstlerleben, Bd. 1, Düsseldorf 1839, S. 395). Im Ergebnis seiner sechs Reisen in die Eifel – die beiden letzten unternahm er 1871 und 1872 – entstanden mehrere weiträumige Landschaften. Eine frühe Eifellandschaft erwarb der Sammler Wagener (1834, ehemals Nationalgalerie, Kriegsverlust, heute Muzeum Narodowe w Warszawie). Lessing belebte seine Bilder oft mit Rittern und Burgen und – wie in »Burg in der Eifel« (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A III 844) – auch mit Landsknechten und Waldarbeitern. Die späte großformatige Komposition »Eifellandschaft bei Gewitter« (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A I 214) wird von dramatischem Wettergeschehen beherrscht. Zu sehen ist eine sommerliche Landschaft voller schroffer Felsen, durch die ein Gewitter zieht. Sonnenflecken und tiefdunkle Schatten geben spannungsreiche Kontraste. Ein Bauernpaar eilt einen Weg entlang in Richtung eines Dorfes, in dem ein Brand ausgebrochen ist, wohl ausgelöst durch das Gewitter. Das Gemälde war 1876, im Jahr der Eröffnung der Nationalgalerie, vom Künstler erworben worden. 1878 wurde es auf der Weltausstellung in Paris gezeigt. | Birgit Verwiebe