Pan tröstet Psyche
Ident. Nr.: B II 119
ObjID: obj:966646
Kontakt
Einrichtung:
Alte Nationalgalerie
E-Mail:
n/a
Details (Expert)
- Beteiligte
- Datierung
- 1857/1858 (Marmor wohl um 1860)
- Weitere Titel
- Sammlungstitel: Pan tröstet PsychePan und PsycheÜbersetzung: Pan Comforting Psyche
- Geografische Bezüge
- Material / Technik
- Marmor
- Abmessungen
- Höhe x Breite x Tiefe: 132 x 101 x 67 cm
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/966646
Objektbeschreibung
Nachdem
Psyche von Amor, ihrem Geliebten, verlassen wurde, weil sie ihn in ihrer
Wissbegier erkennen wollte und dabei versehentlich mit heißem Öl aus ihrer
Lampe aufgeschreckt hatte, beklagt sie ihre frevelhaft-leichtsinnige Neugier,
ihre Fahrlässigkeit und die Folgen: Einsamkeit und den Liebesentzug. Um auf
durchaus erzählerische Weise den Schmerz der Verlassenen noch zu
unterstreichen, gesellt Begas ihr Pan bei, einen hier ausnahmsweise väterlich
tröstenden Naturgott, der doch sonst eher mit seinem derben, wilden Naturell
den sprichwörtlich panischen Schrecken verbreitet. Ganz entgegen seiner
sinnlich-drängenden Natur, die durch die fürsorgliche Aufgabe gleichsam
gebändigt ist, versucht Pan also einmal nicht, sich seines weiblichen
Gegenübers erotisch zu bemächtigen, sondern er unternimmt es, besänftigenden
Seelentrost zu spenden. Das geschieht in weniger aufdringlicher als vielmehr
behutsamer Weise. So sitzen sich der kraftstrotzende Pan und die in sich
gesunkene Psyche gegenüber, sie tränenwischend, er etwas hilflos gestikulierend.
Diese Auffassung des Motivs gab Begas die Möglichkeit, mehrere
Kontraste auszuloten: weiblich-männlich, zart-derb, jugendlich-alt. Die Gruppe
basiert auf archäologisch-kunstgeschichtlichen Vorläufern: Eine antike
Marmorgruppe »Pan und Daphnis« im Museo Nazionale in Rom (ehemals Sammlung des
Kardinals Ludovisi), wo Pan, das Panflötenspiel lehrend, neben einem Jüngling
sitzt, liegt der Schöpfung zugrunde und wirkte noch direkter in Begas’ etwa
zeitgleicher Gruppe »Pan als Musiklehrer« nach. Doch auch Bertel Thorvaldsens
klassizistische Komposition Pan lehrt einen jungen Faun das Spiel der Syrinx
(Thorvaldsens Museum, Kopenhagen) trägt diese polarisierende Komposition und Auffassung in die Neuzeit herüber. Diese Gruppe wurde bald
zum exemplarischen Beleg dafür, dass Begas’ Schöpfungen oft einen latenten
Humor transportieren, wie ihn die klassizistischen Künstler nicht kannten.
Hierin ist er wohl Arnold Böcklin verpfichtet, dem er während seines
Romaufenthalts freundschaftlich und künstlerisch nahestand und der seinerseits
zuweilen die antike Mythologie pikant persiflierte. Mit dieser Gruppe gelang
Begas um 1860 der künstlerische Durchbruch. In jenem Jahr zeigte er das Gipsmodell
in Brüssel, wo es – als einziges Werk eines deutschen Künstlers – sogleich
für die Königlichen Museen (Musées Royaux des Beaux Arts de Belgique) angekauft
wurde, etliche Jahre bevor ein deutsches Museum einen Ankauf tätigte. |
Bernhard Maaz
Letzte Aktualisierung: 19.12.2025
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Alte Nationalgalerie
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