Christus verweigert den Gehorsam (II)
Ident. Nr.: A IV 629
ObjID: obj:966753
n/a
Kontakt
Einrichtung:
Neue Nationalgalerie
E-Mail:
nng@smb.spk-berlin.deDetails (Expert)
- Beteiligte
- Datierung
- 1986-1988
- Provenienz
- im Besitz des Künstlers,
1988–1990 - Material / Technik
- Öl auf Leinwand
- Abmessungen
- Höhe x Breite: 141 x 281 cm
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/966753
Objektbeschreibung
Christus erscheint als halbnackter Mann, der mit seiner Uniformhose, dem Koppel und der Erkennungsmarke auf der Brust eindeutig als Soldat gekennzeichnet ist. Mit schmerz- und wutverzerrter Miene reißt er sich die Dornenkrone vom blutenden Kopf. Rechts hinter ihm liegt der auf das Kreuz genagelte tote Christus auf dem Boden. Wir sehen links den Arzt, dem der Tod eine Operationsmaske umbindet. Die Bildmitte wird von einer Reklametafel mit „JA“ rufenden Mündern bestimmt. Am schwarz-rot-gelben Horizont ist als Bildzitat die auf einen gekrümmten Stahlträger aufgespießte Soldatenleiche aus dem Triptychon „Der Krieg“ 1929–1932 (Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Albertinum) von Otto Dix, das als negative Kreuzigung die Erlösung der Menschheit durch den Tod des Gekreuzigten ad absurdum führt und damit auf Heisigs eigene Umdeutung der Heilsgeschichte verweist. Durch die allegorische Bildszene spannt sich ein Transparent mit dem Spruch „Es ist alles so weise eingerichtet“ als Ironisierung der falschen Tröstungen der Religion. Der den Gehorsam verweigernde Christus trägt die Gesichtszüge von Heisig selbst. Mit diesem Bild imaginiert der Künstler den Ausstieg aus der Opferrolle des Soldaten, der als „Kanonenfutter“ für den Tod auf dem „Feld der Ehre“ bestimmt ist. Anfang der 1980er-Jahre hatte sich Heisig offenbar schon soweit gegen die Ideologen durchgesetzt, dass er sich an tabuisierte Themen wie die Indienstnahme des Künstlers durch das System und die Wehrpflichtverweigerung wagen konnte. | Eckhart J. Gillen
Letzte Aktualisierung: 19.12.2025
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