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Der Teufel

Ident. Nr.: B 426

ObjID: obj:966812

1959 erworben durch das Land Berlin

Details (Expert)

Beteiligte
Thomas Theodor Heine (1867 - 1948),
Bildhauer*in
Datierung
1902/03
Weitere Titel
Sammlungstitel: Der Teufel
Teufel
Der Teufel
Geografische Bezüge
Provenienz
Kauf: Heinrich Evert, Berlin,
bis 1955
Nachlass/Vermächtnis: Gertrud Evert, Berlin,
1955–1959
Schenkung: Galerie des 20. Jahrhunderts, Berlin (West),
1959–1968
Material / Technik
Bronze
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 41 x 21 x 24 cm
Erwerbung
seit 1968 als Dauerleihgabe des Landes Berlin in der Nationalgalerie

Objektbeschreibung

Thomas Theodor Heine ist bis heute vor allem als Satiriker und Grafiker bekannt. Sein Schaffen als Bildhauer beschränkt sich auf zwei Schöpfungen: Der Teufel entstand 1902/03 und ist als plastische Umsetzung einer Lieblingsfigur seiner Grafik zu verstehen; als Gegenstück folgte um 1910 die Figur » Der Engel «. Während Der Teufel, die Verkörperung des Bösen, in edler Bronze gegossen wurde, ließ Heine den Engel nur in einem billigen und als unseriös angesehenen Material, in Zinn, fertigen. Sein Spott machte vor nichts Halt. Sogar den Teufel verhöhnte er, wie diese kleine Bronze zeigt: Er stellte ihn als einen behäbigen, fast phlegmatischen Diener des bösen Prinzips, als einen mürrischen, seinen niederträchtigen Aufgaben schleppend nachgehenden »Beamten« im Dienste Luzifers dar. Griesgrämig blinzelt er ins Licht. Die beiden Gestalten des Engels und des Teufels sind brillante antiakademische Grotesken, die das gutbürgerliche Moralsystem mit seinen Begriffen von Gut und Böse parodieren. | Bernhard Maatz

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Alte Nationalgalerie

E-Mail:

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Weitere Objekte aus den Sammlungen

Das Gastmahl (nach Plato), zweite Fassung

Das Gastmahl (nach Plato), zweite Fassung

Daß die »Classizität«, die ihm »mit der Muttermilch eingetränkt« worden war, »auf menschlich Wahres und Großes gerichtet« sei, habe sein Leben »zu einem hoffnungslosen Kampfe gegen meine Zeit« gestaltet, meinte Feuerbach (Anselm Feuerbach, Vermächtnis, hrsg. von D. Kupper, Berlin 1992, S. 24). Seine Kompositionen um Hafis, Dante, Ariost sind Wunschbilder einer geistigen Kultur, die sich mit der Menschheit in Einklang befindet. »Das Gastmahl« inszeniert die Fragwürdigkeit des Ideals.Den Gegenstand – einem philosophischen Dialog von Plato entnommen – hat Henriette Feuerbach so zusammengefaßt: »Den Sieg des preisgekrönten Tragödiendichters Agathon zu feiern, sind in seinem Hause die Freunde versammelt, unter ihnen Socrates [sic!], Aristophanes, Eryximachos, Phädros und Glaukon [sic!]. Während sie sich nach dem Mahl in sinnvollen und heiteren Wechselreden ergehen über die Natur des mächtigsten und herrlichsten der Götter, des Eros, erscheint, von nächtlichem Feste heimkehrend, in bacchischem Geleite der wein- und lustberauschte Alkibiades. Er kommt, den Dichter zu bekränzen, welcher ihm freundlichen Willkomm bietet« (zit. nach: Um Anselm Feuerbachs Gastmahl, Ausst.-Kat., Berlin 1992, S. 7). Nach dem gloriosen Auftritt des jungen Feldherrn wird das Thema des Abends, die Liebe, auch auf das Verhältnis zwischen Alkibiades und seinem Lehrer Sokrates bezogen und dessen Person schließlich als Verkörperung des geistigen Eros gefeiert.Die überstreckte Bildfläche wird von einer bühnenhaften Architektur gegliedert. Rechts gruppieren sich die Philosophen – in ihrer Mitte, unauffällig, das abgewandte verschattete Profil des Sokrates im Gespräch mit dem Arzt Eryximachos. Den Liegenden hat man früh als Aristophanes, den in der Mitte Sitzenden als Plato selbst identifiziert. Den Denkern in ihren schweren Gewändern tritt die halbnackte, festlich berauschte Jugend entgegen, Nacht und Fackelschein dringen in das morgengraue Gemach ein. Zwischen den Gegensätzen vermag der edel drapierte Hausherr mit dem zögernd vorgestreckten Begrüßungspokal nicht zu vermitteln. In einem Stich von Pietro Testa (1648) war der Stoff vorgeprägt. Die vielleicht seit 1856 erwogene Komposition wurde seit 1860 vorbereitet, 1865 war der Entwurf zur ersten Fassung fertig. Von 1867 bis 1869 malte Feuerbach, was ihm »riesengroß in der Phantasie erwachsen« war, »als eine monumentale Tat, welche vielleicht mehr, wie jedes andere Bild, mein künstlerisches Ich zu meinem eigenen und zum Bewußtsein der Welt bringen muß« (J. Allgeyer, Anselm Feuerbach. Zweite Auflage der Originalbriefe, Bd. 2, Berlin 1904, S. 478). Mit gespaltenem Erfolg in München ausgestellt, ging es dennoch sofort in Privatbesitz über (heute in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe). Zwei Jahre später wurde die zweite Fassung in Angriff genommen und nach Feuerbachs Niederlassung in Wien dort im wesentlichen bis Ende 1873 vollendet. Während die figürlichen Teile weitestgehend beibehalten wurden, war jetzt die Absicht, im Sinne einer neuen Kultur »Geist und Phantasie laufen [zu] lassen in Bereicherungen und Pracht« bis zu echten Vergoldungen hin, Gesimse, Reliefs, Kapitelle auszuschmücken, Leerstellen durch Blumenkränze zu füllen und dabei die Farbigkeit zu steigern, wärmer und bunter zu halten (Anselm Feuerbachs Briefe an seine Mutter, Bd. 2, Berlin 1911, S. 2545). Das Wichtigste: ein illusionistisch gemalter Rahmen kam hinzu. Lange stand die zweite Fassung im Schatten der ersten: An dieser gemessen, galt ihre Pracht als ein Zugeständnis an den Geschmack der Gründerzeit. Doch die Bereicherungen stehen alle sinnvoll unter dem Zeichen des Dionysos, dessen Lebensmacht Nietzsche um dieselbe Zeit in der »Geburt der Tragödie« beschwor. Auf den Gott und auf den Opferkult spielen die Theatermasken, die Bukranien, die Frucht- und Blumenkränze an; die Muscheln sind erotische Symbole; die Figur des Alkibiades ist antiken Gestaltungen des trunkenen Dionysos, die mit Weinlaubkränzen und Leopardenfellen geschmückten Frauen sind den Mänaden nachempfunden. Zugleich ist Alkibiades-Dionysos eine Identifikationsfigur Feuerbachs und jenes Traumes von Vitalität, den auch die parallel vollendete »Amazonenschlacht« (Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg) verkörpert. Doch der theatralische Triumph des Lebens vollzieht sich in einer trügerischen Bildwelt. Teile des prächtigen gemalten Rahmens überschneiden die Komposition; doch wenn umgekehrt die über der Bodenvase hängende Draperie auf den Rahmen übergreift, wird die Abgrenzung des Bildinneren und damit die Logik des Bildes fraglich. Der Künstler als Gaukler: Auch diese moderne Vorstellung entwickelte Nietzsche, und mit ihr verklärte Feuerbach die Gespaltenheit seiner sozialen Rolle. Kündigte er nicht in einem Atemzug an, »daß das große Bild eine Revolution hervorrufen wird und ich ein reicher Mann werde« (Anselm Feuerbachs Briefe an seine Mutter, Bd. 2, Berlin 1911, S. 263)? | Claude Keisch

Am Kamin

Am Kamin

Menzels späte historische Darstellungen – stets in Kabinett-Formaten und viel öfter in Gouache als in Ölfarben ausgeführt – sind wieder, wie die allerersten (vgl. »Der Gerichtstag«, Nationalgalerie, Inv.-Nr. A I 896) im Alltag des 17. Jahrhunderts angesiedelt. Ihre anekdotische, nicht selten satirisch akzentuierte Handlung folgt keiner historischen oder literarischen Vorlage. Im Vergleich zu Gesellschaftsstücken des holländischen ›Goldenen Zeitalters‹ zeigt sich eine viel analytischere, individuellere, momentanere Schilderung der Charaktere.Unschwer zu deuten ist die Kaminszene mit ihrer im Halbdunkel zwischen den Kulissen von Kamin und Sesselkante gezwängten, bis in die vorderste Bildebene vorstoßenden Figurengruppe. Der ursprüngliche Titel lautete »Überrumpelung«, und man errät, daß das ängstlich hinter die Sessellehne zurückweichende Fräulein verheiratet werden soll. Die Mutter redet heftig auf ihren zögernden Gatten ein, dessen schräg in den Vordergrund eingelagerte Silhouette irritierenderweise aus einer Hauptfigur zu einer anonymen Grenzbezeichnung wird. Der offenbar ungeliebte Bräutigam stochert mit dem Schüreisen im Kamin. Ist er ein Bürger, der in den Adel hineinheiraten will? In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges kann sich das neureiche Großunternehmertum der Gründerzeit wiedererkennen.Dieser ironische Bezug zur Gegenwart spiegelt sich werkimmanent in einer dem »Eisenwalzwerk« (1872–1875, Nationalgalerie, Inv.-Nr. A I 201) verwandten malerischen Aufgabe: dem Wechsel von kühler zu warm-roter Farbstimmung. Während von dem altertümlichen Butzenfenster, welches das Außenlicht rot und gelb filtert, wenigstens ein Stück sichtbar wird, bleiben die zwei wesentlichen Lichtquellen unsichtbar: das in seinem roten Widerschein erkennbare Kaminfeuer und, in scharfem Farbkontrast dazu, das Tageslicht, das von rechts aus einem nahen Fenster (außerhalb des Bildes) einfällt. Es trifft auf Kragen und Kleidung der Damen, während sich am weißen Kragen des Herrn am Kamin der Übergang aus der einen in die andere Beleuchtungssituation vollzieht. Aufs sparsamste und zarteste tritt im zwiefarbenen Gegenlicht des Hintergrundes der Diener aus der rotbraunen Untertuschung heraus. So läßt sich das Bildchen auch als ein travestierender Nachtrag zum »Eisenwalzwerk« lesen. | Claude Keisch

Klosterfriedhof im Schnee

Klosterfriedhof im Schnee

1826 debütierte der 18jährige, aus Breslau stammende Carl Friedrich Lessing auf der Berliner Akademieausstellung mit einem großformatigen Werk, dem »Friedhof mit Leichensteinen« (1826, Musée du Louvre, Paris). Im gleichen Jahr folgten der Eintritt in das Meisteratelier von Wilhelm Schadow und die Übersiedlung nach Düsseldorf, wo Lessing eine höchst erfolgreiche Karriere an der dortigen Akademie absolvieren sollte. Um 1828 variierte der Künstler das Thema seines ersten bedeutenden Bildes; er malte »Klosterhof im Schnee« (Bergisches Museum Schloß Burg an der Wupper), etwa ein Jahr später entstand eine zweite Fassung dieser Komposition (Wallraf-Richartz-Museum, Köln). Sechs Jahre später, 1834, zeigte Lessing auf der Berliner Akademieausstellung mit »Klosterfriedhof im Schnee« erneut eine Kirchhof-Ansicht. In dieser in der Nationalgalerie bewahrten winterlichen Szene ist ein Mönch dargestellt, der mit halbnackten Füßen an einem offenen Grab steht. Der Schnee auf den Grabsteinen, auf Kreuzen, Bäumen und auf dem Kirchdach läßt die Kälte ahnen sowie die Mühe, die es gekostet hat, die Grube in den gefrorenen Boden zu graben. Auf einen Spaten gestützt, verharrt der Kapuziner mit ernster Miene vor seinem Werk, zu seiner Linken lehnt eine Spitzhacke an einem Grabkreuz, Schädel und Knochen liegen umher. Dahinter ist der innen beleuchtete Chor einer romanischen Klosterkirche zu sehen, in der vermutlich die Messe für den Verstorbenen gehalten wird. »Es muß der verborgene Gedanke, der geheimnisvolle Gedanke sein«, schrieb Graf Athanasius Raczyński über Lessings Bild, »welcher diese Wirkung macht; denn man kann sich sonst nicht wohl erklären, was die Aufmerksamkeit auf eine so unwiderstehliche Weise anzieht. Man kann sich kaum losreißen […] von dieser schneebedeckten Kapelle, vor welcher ein Mönch in ein frisches offenes Grab schaut. Welche Traurigkeit!« (Geschichte der Neueren Deutschen Kunst, Bd. 1, Berlin 1836, S. 166). Lessings verschneiter Friedhof mit Mönch und offenem Grab erinnert an Werke von Caspar David Friedrich wie »Abtei im Eichwald« (1809/1810, Nationalgalerie, NG 8/85) oder »Klosterfriedhof im Schnee« (1817–1819, ehemals Nationalgalerie, Kriegsverlust; vgl. die Kopie eines unbekannten Künstlers, Nationalgalerie, NG 6/15). | Birgit Verwiebe

Flötenkonzert Friedrichs des Großen in Sanssouci. Skizze

Flötenkonzert Friedrichs des Großen in Sanssouci. Skizze

Nach »König Friedrichs II. Tafelrunde in Sanssouci« (1850, Nationalgalerie, Kriegsverlust; vgl. die erhaltene Skizze, Nationalgalerie, Inv.-Nr. A III 503), in der der König als aufgeklärter Geistespartner Voltaires erscheint, schildert das »Flötenkonzert« eines der privaten Konzerte, bei denen Friedrich als Soloflötist aufzutreten pflegte – mitunter mit selbstkomponierten Stücken. Menzel zeigt ihn im preußisch schlichten Uniformrock und – im Unterschied zu einer Illustration zu Kuglers »Geschichte Friedrichs des Großen« (1840–1842), in der er den Gegenstand vorweggenommen hatte – mit den scharfen Zügen des ›Alten Fritzen‹. Ein Anachronismus, denn er ist hier 38 Jahre alt. Wohl nach den Memoiren des Chevaliers de Chazot, eines Jugendfreunds des Königs (der im Bildhintergrund auftritt), wird ein Abendkonzert zu Ehren von Friedrichs Schwester, der Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth, während ihres letzten Besuches (1750) in Potsdam gegeben. Schauplatz ist der im stimmungsvollen Schein der Kerzen und des Kronleuchters schimmernde Konzertsaal im Schloß Sanssouci mit seinen von dem Hofmaler Antoine Pesne und dem Stukkateur Johann August Nahl gestalteten Wänden. Die gebildete Wilhelmine, selbst eine ernstzunehmende Komponistin, ist die leuchtend weiße Gestalt auf dem hellroten Sofa unter den Flammen und Spiegelungen der Kerzen, die mit träumerisch geneigtem Kopf lauscht, flankiert von der anderen Schwester, Prinzessin Amalie. Hinter ihr steht der Kapellmeister Carl Heinrich Graun. Der Präsident der Akademie der Wissenschaften Pierre-Louis Moreau de Maupertuis, Mathematiker und Physiker, blickt zur Decke hinauf. Ganz links lauscht Baron Jakob Friedrich von Bielfeld, halbverdeckt von dem Bonvivant Gustav Adolf von Gotter, dem Opernintendanten. Unter den Musikern, die, auf ihren Einsatz am Ende der Flötenkadenz wartend, zum Solisten blicken, sitzt am Cembalo Carl Philipp Emanuel Bach; andere sind Franz Benda und Johann Joachim Quantz, der strenge Flötenlehrer des Königs. In dieser Gemeinschaft von Kunstfreunden sind Rangunterschiede nur am Rande wahrnehmbar.Die Psychologie der Figuren findet ihr Echo in der Raumstimmung, im subtilen Wechsel des warmen, vielfach aufgespaltenen Lichtes. So ist den Musikern die Reihe der Kerzenflammen, den Zuhörern der Kronleuchter zugeordnet; zum König aber gehören sowohl eine Kerze wie das Spiegelbild des Kronleuchters. Im Vergleich zu dem zehn Jahre zuvor entstandenen Holzschnitt, der einen viel spontaneren, konzentrierteren Blick in die Szene hinein gibt, wahrt die Komposition einen bühnenhaften Zug. Bei der Übertragung der Skizze (Inv.-Nr. A III 504 ) in das große Format (Inv.-Nr. A I 206 ) wurde der Vordergrund durch Tilgung der quer über die vordere Bildebene schreitenden Dame freigeräumt.Die 1848 entworfene Komposition wurde in mehreren Arbeitsphasen in das große Format umgesetzt. Im Frühjahr 1850 bestellte der Zuckerfabrikant Ludwig von Jacobs in Potsdam das Bild. Anfang August 1852 war es vollendet und wurde auf Anhieb Menzels populärstes Werk. Bald diente es auch, tausendfach reproduziert, der Untermauerung der offiziellen Preußen-Legende – ohne wirkliches Zutun des Künstlers, der ihm im Alter vielmehr mit grimmiger Selbstkritik begegnen konnte: »Der König steht da wie ein Kommis, der Sonntags Muttern etwas vorflötet […]. Überhaupt habe ich’s bloß gemalt des Kronleuchters wegen […]. Manchmal reut’s mich, daß ich’s gemalt habe: enfin bestand die Hälfte meines Lebens aus Reue. So oder so.« (zit. nach: Erinnerungen an Adolph Menzel, Leipzig 1992, S. 107 f.). | Claude Keisch

Frau mit Gebetbuch

Frau mit Gebetbuch

Stärker als das Studium an der Münchner Akademie der bildenden Künste beeinflusste den jungen Würtenberger ein Studienaufenthalt im Winter 1894/1895 bei Arnold Böcklin in Florenz. Er bestärkte ihn noch in der Ablehnung impressionistischer Tendenzen. Es folgte eine Zeit in Karlsruhe als Meisterschüler von Ferdinand Keller. Dieser formulierte als Fazit: „Nun zum Abschied, Herr Würtenberger, meine Meinung über Ihr Schaffen: Porträtieren können Sie! Das Philisterporträt gelingt Ihnen sogar ausgezeichnet“ (zit. nach Ernst Würtenberger, Das Werden eines Malers, Heidelberg 1936, S. 163). Nach der Niederlassung in Zürich 1902 wandte sich Würtenberger intensiv der Kunst des Holzschnitts zu, das wirkte auf die Komposition seiner Gemälde zurück. Zudem erprobte er für sich die traditionelle Technik der Untermalung, er entwickelte eine Schichtenmalerei mit transparenten Farben über durchscheinendem Grund: „Und das Verblüffende dabei war, daß die Bilder viel mehr Natur zu sein schienen als die früheren, wo ich in den Tönen mich zu sehr an die Natur gehalten hatte, und daß ich Bilder vom zartesten Grau zu den sattesten Tönen malen konnte“ (ebd., S. 179). Würtenberger hat so bei dem vorliegenden Bild die Spuren eines arbeitsamen Lebens an Kopf und Händen der dargestellten alten Dame suggestiv und nüchtern erfasst. Die Falten des Kleides, der Puffärmel und des weiten Rockes erscheinen hart, wie geschnitzt. In betont kostbarer Malerei aber ist der Stoff des dunklen und dennoch farbig schillernden Kleides wiedergegeben. | Angelika Wesenberg

Stilleben mit Bierkrug und Früchten

Stilleben mit Bierkrug und Früchten

Die drei Stilleben, die Ludwig Eibl der Nationalgalerie vermachte, zeigen wie die gestifteten Porträts verschiedene Varianten seines Schaffens. Das Bild »Stilleben mit Blumenkohl« (Inv.-Nr. A II 275) ist der geringen Größe und dem schlichten Motiv nach als eine Ölstudie zu betrachten, die den Oberflächenstrukturen der dargestellten Zwiebeln, der Blumenkohlröschen und -blätter genau nachspürt.Das »Stilleben mit Bierkrug und Früchten« (Inv.-Nr. A II 280) zeigt ein durchdachtes Arrangement von Dingen in einem betont malerischen Vortrag in dunkler, brauntoniger Farbigkeit. Bierkrug, Tuch und Karten stehen hell vor dunklem Grund. Nicht nur Malweise und Farbgebung, auch die zusammengestellten Objekte – Tonpfeife, Nüsse, Schale mit Früchten, Krug und Spielkarten – und das intime Bildformat folgen holländischen Vorbildern des 17. Jahrhunderts. Der Bezug auf diese Vorbilder wurde von den Diez-Schülern wie im gesamten Leibl-Umkreis gepflegt. Die historistischen Züge und die stimmungsvolle Motivwahl führten zu publikumswirksamen Bildern, die leicht auch einen dekorativ-gefälligen Zug annehmen konnten. Das »Stilleben mit Schrank und Stuhl« (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A II 276) ist das malerisch freieste unter den gestifteten Stilleben. Das Bild ist vielleicht wirklich als Vorstudie zu betrachten. Eine größere Variante mit Hund, einem Hut auf dem Stuhl und anderen Gefäßen auf dem offenen Schränkchen, bezeichnet und datiert 1874, ist als »Jagdstilleben« Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, München. Eine weitere Version dieses häuslichen Arrangements, ebenfalls von 1874, befindet sich im Kurpfälzischen Museum der Stadt Heidelberg. | Angelika Wesenberg

Märkische Landschaft

Märkische Landschaft

Im Sommer 1880 lebten und arbeiteten die Malerfreunde Carl Schuch und Karl Hagemeister gemeinsam in Kähnsdorf bei Beelitz in der Mark Brandenburg. Hagemeister stammte aus dieser noch ganz unbekannten herben Landschaft, in die er den gebürtigen Wiener geladen hatte. Während Schuch, vom Stilleben herkommend, über die Einbeziehung von Architektur versuchte, sich den Formen der Landschaft zu nähern (vgl. Nationalgalerie, Inv.-Nr. A II 35), bedurfte Hagemeister keiner geraden Linie für seine große »Märkische Landschaft«. Sie ist übersichtlich gegliedert: der See im Vordergrund, die geschwungenen Uferstreifen in der Mitte und große Baumgruppen vor einem bewölkten Himmel im Hintergrund.In seinen Erinnerungen notierte Hagemeister über die Aufenthalte in der Mark Brandenburg, »hier begannen wir aus dem Ton zu malen im Sinne von Leibl und Courbet« (K. Hagemeister, Kleine Selbstbiographie, Werder 1928, Typoskript im Archiv des Bröhan-Museums, Berlin). Doch scheint auch Schefflers Hinweis auf die intime Naturauffassung der Malerschule von Barbizon, mit der sich Hagemeister während seiner Weimarer Lehrzeit beschäftigt hatte, sehr angebracht.1910 veröffentlichte Karl Scheffler in der Zeitschrift »Kunst und Künstler« eine erste Würdigung des Malers: »Hagemeister ist Prellerschüler. Nicht ein Schüler des Malers der Odyssee, sondern des Malers der Hünengräber, der Eichen im Sturm und der Seestücke; der Schüler eines Lehrers, der einsichtig genug war, dem jungen Märker nicht das Heroische aufzuzwingen, sondern ihn auf die organische Struktur der Landschaft und auf Bilder der Barbizonschule in der Meyerschen Sammlung in Dresden zu verweisen« (in: Kunst und Künstler, 8. Jg., 1910, S. 415–416).Fünfzehn Jahre vor Leistikows »Grunewaldsee« (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A I 622) erfaßte Hagemeister die Schönheit märkischer Seen in diesem dunkeltonigen, groß aufgefaßten, auffallend ähnlich kurvenreichen Landschaftsbild. | Angelika Wesenberg