Logo

Der Geiger Bronisław Huberman

Ident. Nr.: B I 440

ObjID: obj:966872

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Tina Haim-Wentscher (1887 - 1974),
Künstler*in
Datierung
1916
Weitere Titel
Sammlungstitel: Der Geiger Bronisław Huberman
Übersetzung: The Violinist Bronisław Huberman
Geografische Bezüge
Provenienz
im Besitz der Künstlerin,
1921
Material / Technik
Bronze
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 45 x 20 x 26 cm (mit Sockel)
Erwerbung
1921 Geschenk von Dr. James Simon, Berlin

Objektbeschreibung

Nach ihrer Ausbildung, ersten Ausstellungserfolgen, Studienaufenthalten an der Académie Julian in Paris und der ersehnten Begegnung mit Auguste Rodin avancierte Haim-Wentscher in der zweiten Hälfte der 1910er-Jahre zu einer der gefragtesten Porträtbildhauerinnen Berlins. Laut der Familienzeitschrift „Die Gartenlaube“ gehörte sie „zu den wenigen schöpferischen Temperamenten, die heute in Deutschland bemerkenswerte Porträts in Stein hervorbringen können“ (Ilse Reicke, Eine Porträtbildhauerin, in: Die Gartenlaube, H. 43 [1919], S. 340 f.). In der Tat waren Stein und Holz Haim-Wentschers bevorzugte Medien, in denen es ihr durch bildliche Vereinfachung und klare Formen gelang, einen starken bildnerischen Ausdruck zu erzielen und das je Eigene einer Person wiederzugeben. Auch den bekannten Geiger Bronisław Huberman (1882–1947) vermochte sie mit wenigen charakteristischen Modellierungen als einen selbstbewussten und gleichzeitig in sich ruhenden Musiker darzustellen. Der polnisch-jüdische Violinist war als Zehnjähriger nach Berlin gekommen, um dort bei Joseph Joachim und bei Carl Markees sein Geigenspiel zu vervollkommnen. Früh reiste er für Konzerte durch ganz Europa. Er lebte bis 1933 in Berlin, von dort zog er nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten nach Wien, bis er schließlich in die USA emigrierte. 1936 gründete er in Tel Aviv das Palestine Orchestra (heute Israel Philharmonic Orchestra), wodurch er nahezu hundert jüdischen Musikern aus Europa Hoffnung und Arbeit ermöglichte und viele von ihnen vor nationalsozialistischer Verfolgung bewahrte. | Maike Steinkamp

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz