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Lebenserinnerungen des Dr. jur. Schulze (III)

Ident. Nr.: A IV 581

ObjID: obj:967099

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Werner Tübke (1929 - 2004),
Künstler*in
Datierung
1965
Weitere Titel
Sammlungstitel: Lebenserinnerungen des Dr. jur. Schulze (III)
Übersetzung: Reminiscences of Schulze, JD II
Provenienz
Haus des Deutschen Kulturbundes, Leipzig,
384804
Kauf: Rat des Bezirkes Leipzig,
spätestens 1967 - 1.12.1987
Abmessungen
Höhe x Breite: 188 x 121 cm
Erwerbung
1987 Übereignung des Rates des Bezirkes Leipzig

Objektbeschreibung

Der Werkkomplex der „Lebenserinnerungen des Dr. jur. Schulze“ umfasst sieben Gemälde, darüber hinaus zahlreiche Kreidelithografien und Zeichnungen der Jahre 1965 bis 1967. Anhand der prototypischen Gestalt des deutschen Richters („Schulze“ ist dem lat. „scolteto“, Richter, entlehnt) setzt sich Tübke mit dem in nationalsozialistischem Geist begangenen Unrecht auseinander. Das Bild der Nationalgalerie ist das dritte der Serie und ist in seiner besonderen Gestaltung richtungsweisend für den späteren, an den altdeutschen Meistern und italienischen Manieristen geschulten Stil Tübkes. Im Zentrum sitzt überlebensgroß die Figur des Dr. Schulze als entmenschte, hohle Richter-Marionette, mühsam aufrecht gehalten durch Seile in einem „Bollwerk“, das die scheinheilige Idylle schützt, aus der er zu kommen vermeint. Rechts öffnet sich eine Parklandschaft mit Hirschjagd, dahinter ein Hochgebirge, in das Eindrücke Tübkes vom Kaukasus eingeflossen sind. Links hinter der Richter-Figur staut sich das Pandämonium der Folgen ihrer Unrecht-Sprechung: Geschundene, Gefangene, Ermordete; Gräber, Gedenkstätten, die Schlafregale eines Konzentrationslagers, Straßenszenen. Über einer brennenden Stadt schwebt ein Engel, in giftigen Farben schillernd, unter einem dunklen Wolkenwirbel, der bedrohlich nach rechts in die Schein-Idylle übergreift. Der Bildraum wird so zum allegorisch-fantastischen Welttheater. | Oliver Seifert

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz