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Abendgesellschaft

Ident. Nr.: A I 861

ObjID: obj:967101

Details (Expert)

Beteiligte
Adolph Menzel (1815 - 1905),
Maler*in
Datierung
um 1846/1847
Provenienz
Julius Aufseesser, Berlin,
8.8.1905
Abmessungen
Höhe x Breite: 25 x 40 cm
Erwerbung
1905 Ankauf von dem Sammler Julius Aufseesser, Berlin

Objektbeschreibung

Viele Briefe Menzels, unzählige Zeichnungen aus seinen Skizzenbüchern, die wie Tagebücher anmuten, zeugen von der fortgesetzten Inspiration durch seinen Familienalltag. Seine Geschwister waren Modelle, die bis in den Schlaf hinein beobachtet werden konnten. Mehr noch, für keinen Maler dieser Zeit ist die Interieursituation, das Licht der Lampe so bedeutungsvoll wie für Menzel. Das Bild »Abendgesellschaft« wäre am ehesten, über ein halbes Jahrhundert hinweg, den kleinen Familienstücken von Édouard Vuillard vergleichbar. Der ovale Tisch, über dessen weißer Decke das weiße Licht der Lampe schwebt, steht in einem Zimmer der Schöneberger Straße 18, wo Menzels vom Frühjahr 1845 bis März 1847 wohnten. Dort hatten sie mit ihren Nachbarn Freundschaft geschlossen, dem Juristen Carl Anton Maercker (1803–1871), der zwölf Jahre älter als Menzel war, und seiner Frau. Maercker wurde 1846 Direktor des Berliner Kriminalgerichtes, und im Sommer 1848 sollte er im kurzlebigen konservativen Kabinett Rudolfs von Auerswald als Justizminister tätig sein. Mindestens bis zu seiner Übersiedlung nach Halberstadt 1850 sollten Maercker – der schlanke Herr, der sich links mit einem Gast unterhält – und seine Frau, die im grünen Kleid auf dem roten Kanapee sitzt, mit abwesender Miene, die Wange wegen eines Zahnwehs verbunden, zu den besten Freunden der Menzels gehören. Auf der Frauenseite sitzt denn auch Emilie, des Künstlers mädchenhafte Schwester, schläfrig, wie er sie oft darstellt. Jeder ist anders geneigt oder zurückgelehnt, der Rhythmus wäre nur disharmonisch und spontan, gruppierten sich nicht drei Bilder und drei Halbfiguren zu einer symmetrischen Form, die ohne weiteres von der Konversation der zwei Herren abtrennbar wäre. Die Lampe, scheinbar ein störendes Ereignis, erweist sich als Mittelstück einer Tiefenachse, die von der zurückgelehnten Emilie zu der kurzen Rückenfigur im Vordergrund mit dem ungeschickt über die Stuhllehne hängenden Arm führt: Es ist der Maler, der sich, knapp über die Dreißig, zu Haarkranz und runder Glatze bekennt – eine seiner nur zwei gemalten Selbstdarstellungen. Haben wir ein Abendbild vor uns? Die Helligkeit stammt nicht von der Lampe allein. Rot, Grün und Weiß geben einen hellen Klang. Stellenweise ist die Farbe dünn genug, die Unterzeichnung erkennen zu lassen: Die beiden Köpfe links sind mit summarischen Strichen eines gespitzten Bleistifts angegeben worden, denen die Farbe aber im einzelnen nicht gefolgt ist. | Claude Keisch

Letzte Aktualisierung: 19.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Alte Nationalgalerie

E-Mail:

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Knabe am Schreibtisch

Knabe am Schreibtisch

Als er eine so auffallend panoramaartig überstreckte Leinwand wählte, mag Menzel gehofft haben, mit Hilfe einer Asymmetrie sein Motiv entschiedener in die Tiefe zu rücken. Doch wurde schließlich das linke Bilddrittel, das in den Bildraum einführt, nicht ausformuliert. Die verbleibende Fläche wird durch das milchige Licht des Moderateurs, einer Gaslampe neuer Bauart, ähnlich der in der »Abendgesellschaft« (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A I 861), beherrscht. Doch im Unterschied zu der zerstreuten Helligkeit dort ist sie hier die einzige Lichtquelle, und ihr fällt die Rolle zu, die im »Balkonzimmer« (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A I 744) der Gardine gehört, Herz des Interieurlebens zu sein. Der zeichnende oder schreibende Knabe ist zweifellos der junge Carl Johann Arnold, Sohn eines vertrauten Freundes und Mentors des Künstlers, den Menzel im Herbst 1846 für ein Vierteljahr als Hausgast und Schüler aufgenommen hatte. Über Jahre wachte Menzel über die Ausbildung des jungen Malers, der seine Erwartungen allerdings nur in bescheidener Weise erfüllte. Das Bild des zeichnenden Knaben kann ebensogut spontan nach der Natur wie nachträglich als »Erinnerung« – eine häufige Beischrift auf Pastellen und Zeichnungen Menzels – entstanden sein. Alle Farbe und Form ist noch wie in dem Sepiabraun eingeschlossen, aus dem Menzels Bilder hervorgehen wie seine Bleistiftzeichnungen aus einem gewischten, wolkigen Grau, das im zweiten Arbeitsgang durch Linien konkretisiert wird. Das bald dichte, bald verdünnte Braun wird von den Schwüngen eines leidenschaftlichen, ja unkontrollierten Pinsels unaufhaltsam in informelle Bezirke der Malerei mitgerissen. Wie von einem Sturmwind hinweggefegt wirbeln Blätter über den Tisch. Niemals vielleicht ist Menzel Delacroix so nahe und der biedermeierlichen Ordnung so fern gewesen. | Claude Keisch

Läuferin

Läuferin

Der aus Riga stammende Starck begann sein Studium in Stuttgart und wechselte 1887 an die Berliner Hochschule für die bildenden Künste. Dort studierte er bei Albert Wolff, Fritz Schaper und Ernst Herter, von 1891 bis 1898 war er Meisterschüler von Reinhold Begas. Sein 1891 entstandener „Flötenspieler“ weist noch letzte Wurzeln im Neobarock auf, ehe sich der Bildhauer verstärkt einer neoklassizistischen Formensprache zuwandte, wie sie in seiner Bronze „Träumerei“ (1898, B I 129) oder auch in der polychrom gefassten Marmorarbeit „Die Quelle“ (1903, B I 200) zu beobachten ist. Die kleinformatige Statuette einer antikisierend gestalteten Läuferin im weiten Ausfallschritt und mit erhobenem rechten Arm wurde 1928 vom Kultusminister für die Nationalgalerie angekauft. In Starcks handschriftlichem Werkverzeichnis (NL Starck, vgl. Sabine Hannesen, Der Bildhauer Constantin Starck (1866–1939). Leben und Werk, Frankfurt am Main 1991, Kat. Nr. 154) lautet der Titel „Läuferin“; in anderer Literatur werden auch „Im Ziel“, „Am Ziel“ oder „Durchs Ziel“ genannt. Der Originalgips befindet sich im Besitz der Erben des Künstlers in Berlin. Nicht zuletzt durch die Statuetten der Bildhauerin René Sintenis (vgl. etwa „Der Läufer Nurmi“, B I 463) erfreuten sich in der Weimarer Republik Darstellungen von Sportlern zunehmend großer Beliebtheit. Starck betrieb häufig Studien auf Sportplätzen, die er mehrfach in entsprechende Motive umsetzte und teilweise lebensgroß ausführte: Golfspielerinnen, Tennisspielerinnen und andere, von denen manche auch in kleinformatigen Wiederholungen angeboten wurden. Vom vorliegenden Motiv ist keine großformatige Version bekannt. | Yvette Deseyve und Bernhard Maaz