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Informelle Struktur

Ident. Nr.: NG 121/85

ObjID: obj:967187

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Günther Uecker (1930 - 2025),
Künstler*in
Datierung
1957
Weitere Titel
Sammlungstitel: Informelle Struktur
Übersetzung: Informal Structure
Material / Technik
Gips, Stahl, Leinwand und Holz
Abmessungen
Höhe x Breite: 100 x 70 cm
Erwerbung
1985 Ankauf von Christine Steinfeld, Düsseldorf, aus dem Besitz des Künstlers

Objektbeschreibung

Der als „Nagelkünstler“ bekannt gewordene Uecker hatte nach einer Lehre als Reklamegestalter zunächst an der Fachschule für angewandte Kunst in Wismar und an der Kunstakademie Berlin-Weißensee studiert, bevor er nach dem Aufstand des 17. Juni 1953 die DDR verließ und nach West-Berlin ging. 1955 setzte er sein Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie fort. Dort experimentierte er mit Materialcollagen und pastoser Malerei, zu deren Bearbeitung ihm der Pinsel nicht mehr ausreichte. Uecker nutzte auch Kämme und fertigte eine Bürste aus Nägeln an, wobei er feststellte, dass dieses Handwerkszeug einen eigenen ästhetischen Ausdruck besaß. „So kehrte sich einfach das Instrument um zu dem, was ich eigentlich wollte, und wurde dann die Basis meines weiteren Tuns. Ich hatte nun ein Material, das in den wirklichen Raum eindringt – nicht in den illusionistischen Raum, der durch die Leinwand sichtbar wird.“ (Günther Uecker, Schriften. Gedichte – Projektbeschreibungen – Reflexionen, hrsg. v. Stephan von Wiese, St. Gallen 1979, S. 144f.) 1956/57 begann Uecker damit, Holzplatten mit Leinwand zu beziehen, sie monochrom zu grundieren und Nägel hineinzuschlagen. Der radikale Wandel in der Bildauffassung zeigt sich in „Informelle Struktur“, einer der frühesten Nagelarbeiten Ueckers. Während an den Bildrändern Abstände und Richtungen der Nägel relativ gleichmäßig sind, gibt es im Zentrum unterschiedliche Einschlagswinkel, sodass keine Regelmäßigkeit auszumachen ist, nur Widerborstigkeit. | Dieter Scholz

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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L'oiseau dans l'espace

L'oiseau dans l'espace

Im Oktober 1926 sandte Brâncuşi zwanzig Skulpturen von Paris nach New York, wo er in der Brummer Gallery eine Einzelausstellung hatte. Für die Werke legte der US-amerikanische Zoll eine Gebühr von 4.000 Dollar fest, was etwa vierzig Prozent ihres Wertes entsprach. Die Grundlage war nicht die Gebührenordnung für Kunstwerke, sondern für industriell hergestellte Waren aus Metall und Stein. Unter den Skulpturen befand sich eine Bronzeversion des „Vogels im Raum“ von 1926, die dem Fotografen Edward Steichen gehörte. Er, andere Sammler und Brâncuşi selbst forderten, die Arbeiten als Kunstwerke zu verzollen. Es folgte ein Gerichtsprozess, der als „C. Brancusi vs. United States“ Rechts- wie Kunstgeschichte schrieb. Im Zentrum des Präzedenzfalls stand der „Vogel im Raum“ – für die einen eine Ikone der modernen Skulptur, für die anderen ein circa 135 Zentimeter langes schmales und perfekt poliertes Stück Metall. Brâncuşi hatte bereits seit 1910 an dem Vogelmotiv gearbeitet und sich dabei immer mehr von einer herkömmlichen figürlichen Darstellung entfernt. Anstatt die Gestalt eines Vogels mimetisch wiederzugeben, veranschaulichte der Bildhauer durch schlanke Formen und subtil geschwungene Konturen die Dynamik des Fluges. Der New Yorker Richter erkannte den „Vogel im Raum“ schließlich als Kunstwerk an, sodass Brâncuşi den Prozess gewann. In den 1970er-Jahren autorisierten dessen Erben vier neue Güsse des Werkes, von denen der erste in die Sammlung der Nationalgalerie (West) einging. | Nina Schallenberg

Große Felslandschaft

Große Felslandschaft

Im März 1933 verlor Lange seine Professur an der Kunstschule in Plauen. Gemeinsam mit zwei ebenfalls entlassenen Kollegen klagte er gegen diese Willkür, was am Ende ohne Erfolg blieb und die Annahme anderer Lehrämter unmöglich machte. Auch an Ausstellungen beteiligte er sich nicht mehr; er blieb für die folgenden Jahre damit weitgehend unerwähnt und sein Werk unbekannt. Lange zog zurück nach Dresden, übernahm verschiedene Dekorationsaufträge, und er begann, wie bereits als Student, wieder mit ausgedehnten Wanderungen durch die nahe Sächsische Schweiz. Die skurrilen Felsen dieser Region hatte er schon um 1913 mit Sinn für Form und Struktur in seinen Radierungen festgehalten. Nun entstanden zahlreiche sorgfältig ausgeführte Gemälde derselben Gegenden. Das Winterbild „Große Felslandschaft“ ist bestimmt von dem Weiß des Schnees und den unter einem Abendhimmel beleuchteten Felsen. Lange zeichnete mit dem Pinsel deren Struktur und färbte das Gestein in sehr dünner, lasierender Malerei reichfarbig ein. Will Grohmann hatte schon 1922 auf die Beziehungen zur sächsischen Romantik verwiesen, man könne leicht „auf den verwegenen Gedanken kommen, seiner sächsischen Abstammung weiter nachzugehen und eine Beziehung zur besten Dresdner Landschaftsmalerei nach 1800 feststellen. Wäre es ein Wunder, wenn Otto Lange nach so vielen Jahren in Dresden etwas von der Musik dieser Landschaft und ihrer Entdecker in sich einfließen ließe?“ (Will Grohmann, Handzeichnungen von Otto Lange, in: Der Cicerone, 14. Jg. [1922], H. 22, S. 900). | Angelika Wesenberg

Wald

Wald

Bereits 1962/1963 hatte Uecker Nägel in hölzerne Alltagsgegenstände geschlagen. Tische, Stühle, Fernsehapparate oder Konzertflügel erhielten dadurch die Anmutung afrikanischer Nagelfetische. Arbeiten mit naturbelassenem Holz entstanden erst später: „Angefangen hatte es ja mit einem Baum 1980, der starb in Wuppertal, der gefällt werden mußte. Da ich aufgefordert wurde, in der Galerie Brusten eine Ausstellung zu machen, habe ich diesen Baum in den Ausstellungsraum gestellt, oben rund geschlagen und mit der Asche der übrigen verbrannten Teile der Äste – mit Leim versehen – behäuft, so wie Asche aufs Haupt, und bekrönt. Ich habe ihm damit ein nekrophiles Dasein gegeben, ein künstliches Leben. […] Mehr assoziativ die geschundene Natur; auch Christus, der geschundene Leib, der einfach warnend vor uns steht. Ich nannte das Ganze auch Kunstpranger. Mit Hilfe der Kunst ist da etwas angeprangert.“ (Uecker in: Günther Uecker, Kann Fruchtbarkeit auf Asche gründen, Ausst.-Kat., Lübeck, 1990, S. 19) Seit 1984 entstanden verschiedene mehrteilige Gruppen unter dem Titel „Wald“, beginnend mit der achtteiligen Fassung der Nationalgalerie. Deren Direktor sah darin „ein kritisches Environment als Mahnmal gegen das Waldsterben“ (Dieter Honisch, Über einige Neuerwerbungen, in: Verein der Freunde der Nationalgalerie, Heft 6, 1989, S. 13). Die großflächige Schädigung des Baumbestandes führte mit zur Gründung der westdeutschen Umweltschutzpartei Die Grünen 1980 und zu deren erstmaligem Einzug in den Bundestag 1983. | Dieter Scholz

Fischreiher

Fischreiher

Der dänische Bildhauer und Medailleur Malinowski studierte von 1918 bis 1921 an der Bildhauerschule der Kopenhagener Akademie und besuchte Paris, Berlin und London. Bekannt wurde er vor allem für Schmuckdesign. In wessen Auftrag oder für welchen Zweck er das Flachrelief „Fischreiher“ (B III 256) schuf, ist nicht bekannt. Malinowski hat hier mit Grau- und Schwarztönen gearbeitet. Oben lässt die Sonne oder der Mond den Reiher zur dunklen Silhouette werden. In der unteren Hälfte kommt das Licht auch von der Betrachterseite, denn die beiden konzentrischen Wellen sind ebenso wie die Beine und Federn des Reihers hell gestaltet. Dieses ruhige, friedliche Bild des einsam im Wasser stehenden Vogels befindet sich in krassem Gegensatz zum „Militärgeistlichen“ (B III 255). Hier ruht ein Soldatenhelm nicht auf einem menschlichen Gesicht, sondern auf einem Totenkopf. Der Seelsorger der Soldaten ist selbst ein Toter. Seine Augenhöhlen versinken tief im Schatten des Helmrands, die Jochbeine stehen hervor. Die Basis der Skulptur bildet eine große, radförmige, wie eine Halskrause wirkende Struktur mit regelmäßigen Einkerbungen, die entfernt an eine Panzerkette denken lassen. Das Kreuz auf dem Helm kennzeichnet den Geistlichen, doch darunter verbirgt sich etwas Drohendes. Der Helm entspricht der Ausstattung deutscher Soldaten im Ersten Weltkrieg, erkennbar an dem tiefen Rand, der den Nacken schützt, sowie den Belüftungslöchern links und rechts. Malinowskis Sohn Kuno, der sich mit seinem Bruder Ivan, einem Schriftsteller, das Erbe des Bildhauers teilte, schenkte 1986 insgesamt drei Werke nach Ost-Berlin, da die Eltern des Künstlers aus Berlin stammten, vor allem aber aus politischen Gründen, wie er selbst hervorhob: „Wichtiger noch ist allerdings, dass in unserer Zeit die DDR die Hauptträgerin der deutschen Kulturtradition ist“ (SMB-ZA, II A/NG 336, Bl. 414). | Emily Joyce Evans

Mutter und Kind mit Taube und Blumen

Mutter und Kind mit Taube und Blumen

Das Motiv der Taube als Friedenssymbol beschäftigte Lachnit schon einige Jahre lang, als dieses Gemälde entstand. 1949 hatte der von ihm verehrte Pablo Picasso für den Weltfriedenskongress in Paris die Lithografie einer stilisierten Taube entwickelt und damit ein uraltes Friedenssymbol neu aufgenommen. Noch im selben Jahr zeichnete Lachnit in Tusche „Mutter, Kind und Taube“. Die Neujahrskarte 1950 der Dresdner Künstler an alle deutschen Künstler zeigte unter anderem dieses Motiv von Lachnit (Abb. in Wilhelm Lachnit, Ausst.-Kat., Dresden, 2012, S. 162). In veränderter Ausführung wiederholte er die Komposition für dieses Gemälde, das anlässlich der im August 1951 in Berlin stattfindenden Weltfestspiele der Jugend für den Frieden entstand und das dann Ende des Jahres in der Ausstellung „Künstler schaffen für den Frieden“ im Museumsbau am Kupfergraben (Pergamonmuseum) in Berlin gezeigt wurde. Im Vergleich zu der Tuschzeichnung ist das Gemälde weniger stilisiert und symbolisch aufgeladen: Die Mutter scheint entspannt und dem Betrachter zugewandt, die Taube sitzt zutraulich vor dem Kind. Fast im Zentrum des Bildes befindet sich der große Strauß aus Flieder, Pfingstrosen und Iris, davor ein weißes drapiertes Tuch. Dem heiteren Gesamtklang entspricht der Hintergrund in Blau und Rosé mit gliedernden Streifen. Ein Holzschnitt „Mutter und Kind mit Taube“ entstand nach dem Gemälde. Aber in dem Temperablatt „Taube auf Krücken“ (Privatbesitz) mit den drei Spöttern am rechten Rand zeigte er die Taube und damit den Frieden auch als ständig bedroht. | Angelika Wesenberg

Junger Schakal
Verso: Schaubude

Junger Schakal Verso: Schaubude

1937 wurden auch Arbeiten Hegenbarths aus öffentlichen Sammlungen beschlagnahmt, von ihrer Einbindung in die Schandausstellungen „Entartete Kunst“ blieb er verschont. Um weiteren Restriktionen zu entgehen, konzentrierte sich Hegenbarth fortan ganz auf Tierdarstellungen, ohne die bildnerische Konfrontation mit den menschlichen Betrachtern. Als Maler von Tieren, wenngleich er diese so überscharf charakterisierte wie vordem Personen, blieb er relativ unbehelligt und konnte weiterhin an Ausstellungen teilnehmen. Für die Wiedergabe der intensiv beobachteten Tiere hatte Hegenbarth eine eigene Technik entwickelt und perfektionierte sie fortwährend: Die eher trockene, oft krümelige Farbpaste ist pastos aufgetragen, mit hartem, abgenutztem Pinsel verrieben und erst auf dem Bild zu einer schrundigen, vielfarbigen Oberfläche vermischt. Oft verwendete der Künstler eingeritzte Linien, zur Anlage des Motivs auf dem Untergrund oder, deutlicher sichtbar, am Arbeitsende zur Betonung von Details, der Barthaare etwa. Zwei dieser eindrücklichen Studien konnte die Nationalgalerie (Ost) 1970 von Johanna Hegenbarth, der Witwe des Künstlers, erwerben: Eines der „Maultiere“ (A IV 255) stellte Hegenbarth ruhig grasend auf gelber Erdkruste mit sparsamem Grün dar, vor einem verhangenen dunkelblauen Himmel. Bildbestimmend ist hier der charakteristische Kontur. Die Rückseite zeigt eine Studie mit Felsbrocken und Gebüsch. Dem „Jungen Schakal“ (A IV 254) dagegen, offensichtlich in seinem Käfig beobachtet, sehen wir bei scheinbarer Verspieltheit eine lauernde Aggressivität an. Farblich verbindet sich das gefangene Tier mit dem Hintergrund, nur der Kopf mit dem geöffneten Maul hebt sich ab. Auf der Rückseite dieser Studie sieht man eine wartende Menschenmenge vor einer Schaubude. | Angelika Wesenberg

Bildnisrelief Max Jordan

Bildnisrelief Max Jordan

Wurden die Geschicke der Nationalgalerie anfänglich von Künstlern der Berliner Akademie der Künste bestimmt, berief man 1874 erstmals einen Kunsthistoriker zum Direktor: Max Jordan (1837–1906), der bis dahin das Städtische Museum in Leipzig geleitet hatte. Mit seinem Schwerpunkt auf idealistischer Kunst setzte der Wissenschaftler und Museumsmann neue Akzente. Unter Jordan fanden vor allem große Konvolute der Nazarener Eingang in die Sammlung, darüber hinaus tätigte er erste grundlegende Erwerbungen von Arnold Böcklin und Adolph Menzel. Das Porträtrelief Jordans schuf Lederer 1906/1907. Es zeigt den Kunsthistoriker im zeitgenössischen Anzug und in strengem Profil nach rechts gewandt. Scharf gezogene Kontur- und Binnenlinien verleihen den hageren, bereits vom Alter gezeichneten Gesichtszügen einen gewissen harschen Charakter. Das Relief findet sich unter anderem auch auf Jordans Grabstein (ursprünglich auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin-Schöneberg, 1938/1939 umgebettet auf den Südwestkirchhof Stahnsdorf). Ein zweiter Bronzeguss der Grabmalfassung (B II 463) sowie eine Gipsversion (B I 548 a) wurden 1933 der Nationalgalerie von der Verbindung zur Förderung deutscher Kunst geschenkt, darüber hinaus gelangten zwei Exemplare einer verkleinerten Fassung in Weißmetall (SKG 16/79) und Gips (B I 548 b) in die Sammlung. Die kleine Erinnerungsplakette stellte die Grundlage für die größere Grabmalfassung dar und fand in unbekannter Zahl Verbreitung. Eine Gipsausführung der rückseitigen Plaketten-Widmung (B I 548 d) gibt Aufschluss über den Auftragsanlass: „ZUM . 25. JAEHRIGEN / JUBILAEUM . GEWID. / VON DER VERBIND.G FUER / HISTOR . KUNST. / JUNI . 1906“. Auf der Hauptversammlung der Verbindung am 12./13. Juni 1906 hatte man beschlossen, das 25-jährige Engagement Jordans als deren Geschäftsführer zu ehren; der Kunsthistoriker starb noch im November desselben Jahres. Doch war Lederer offensichtlich nur die zweite Wahl, hatte man doch zunächst geplant, den Bildhauer Hermann Hahn um einen Entwurf zu bitten (Paul Schumann, Die Verbindung für historische Kunst, in: Die Werkstatt der Kunst, 5. Jg. [1905/1906], H. 39, S. 539). | Yvette Deseyve