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Wald

Ident. Nr.: FNG 55/89

ObjID: obj:967226

Schenkung Ulla und Heiner Pietzsch an die Freunde der Nationalgalerie
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Günther Uecker (1930 - 2025),
Künstler*in
Datierung
1984
Weitere Titel
Sammlungstitel: Wald
Übersetzung: Woods
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 170 x 400 x 400 cm
Erwerbung
1989 Schenkung Ulla und Heiner Pietzsch, Berlin (West), an die Freunde der Nationalgalerie

Objektbeschreibung

Bereits 1962/1963 hatte Uecker Nägel in hölzerne Alltagsgegenstände geschlagen. Tische, Stühle, Fernsehapparate oder Konzertflügel erhielten dadurch die Anmutung afrikanischer Nagelfetische. Arbeiten mit naturbelassenem Holz entstanden erst später: „Angefangen hatte es ja mit einem Baum 1980, der starb in Wuppertal, der gefällt werden mußte. Da ich aufgefordert wurde, in der Galerie Brusten eine Ausstellung zu machen, habe ich diesen Baum in den Ausstellungsraum gestellt, oben rund geschlagen und mit der Asche der übrigen verbrannten Teile der Äste – mit Leim versehen – behäuft, so wie Asche aufs Haupt, und bekrönt. Ich habe ihm damit ein nekrophiles Dasein gegeben, ein künstliches Leben. […] Mehr assoziativ die geschundene Natur; auch Christus, der geschundene Leib, der einfach warnend vor uns steht. Ich nannte das Ganze auch Kunstpranger. Mit Hilfe der Kunst ist da etwas angeprangert.“ (Uecker in: Günther Uecker, Kann Fruchtbarkeit auf Asche gründen, Ausst.-Kat., Lübeck, 1990, S. 19) Seit 1984 entstanden verschiedene mehrteilige Gruppen unter dem Titel „Wald“, beginnend mit der achtteiligen Fassung der Nationalgalerie. Deren Direktor sah darin „ein kritisches Environment als Mahnmal gegen das Waldsterben“ (Dieter Honisch, Über einige Neuerwerbungen, in: Verein der Freunde der Nationalgalerie, Heft 6, 1989, S. 13). Die großflächige Schädigung des Baumbestandes führte mit zur Gründung der westdeutschen Umweltschutzpartei Die Grünen 1980 und zu deren erstmaligem Einzug in den Bundestag 1983. | Dieter Scholz

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz