Logo

König Friedrichs II. Tafelrunde in Sanssouci. Skizze

Ident. Nr.: A III 503

ObjID: obj:967292

Details (Expert)

Beteiligte
Adolph Menzel (1815 - 1905),
Maler*in
Datierung
1848
Provenienz
Hermann Pächter, Kunst- und Verlagshandung Wagner, Berlin,
9.4.1889
Abmessungen
Höhe x Breite: 34 x 27,8 cm
Erwerbung
1889 Ankauf mit der Menzel-Sammlung des Kunsthändlers Hermann Pächter (Firma R. Wagner), Berlin

Objektbeschreibung

Um Franz Kuglers Buch »Geschichte Friedrichs des Großen« (1840–1842) und die literarischen Werke des Königs zu illustrieren, hatte Menzel seit 1839 umfassende historische Studien betrieben und sich mit der Zeit Friedrichs II., ihren Kostümen, Bauten und Sitten bestens vertraut gemacht. Früh hatte er sich vorgenommen, eines Tages »einen Ziklus großer historischer Bilder« um die Gestalt des »großen Königs« zu malen (Menzel an Carl Heinrich Arnold, 6.9.1840, in: Adolph Menzel, Briefe, Bd. 1, Berlin 2009, S. 140). Im Revolutionsjahr 1848 entstanden die ersten Entwürfe, und schon 1849 war das erste einer losen Reihe immer größerer Bilder fertig, deren letztes 1859 begonnen und nach einigen Jahren aufgegeben wurde. Von Anfang an distanzierte sich Menzel vom spätromantischen Geschichtsidealismus, aber auch von der bühnenhaften Dramatik der belgischen Historienmaler, die ihn eine Zeitlang beeindruckt hatten, um sich einer noch nahen, nicht mythisch verklärten Vergangenheit zu nähern.
Nur einige der Friedrich-Bilder stellen bedeutende, einmalige Ereignisse dar, andere sind dem Alltag entnommen und zeigen den König als eine komplexe Persönlichkeit, verantwortungsvoll, leidensfähig und kultiviert – einen der Vernunft und dem Wohl seiner Untertanen zugewandten Monarchen, wie er den unzufriedenen liberalen Bürgern Preußens vor und nach der gescheiterten Revolution von 1848 vorbildlich erschien. Der in allen Künsten und Wissenschaften wohlunterrichtete König schrieb französische Gedichte, staatsphilosophische und historische Abhandlungen und komponierte Musikstücke; er zog bedeutende Gelehrte und Literaten an seinen Hof, allen voran Voltaire (der ihn aber nach drei Jahren fliehen mußte). Diesem Aspekt des ›Philosophen von Sanssouci‹ sind Menzels Werke »König Friedrichs II. Tafelrunde in Sanssouci« und »Flötenkonzert Friedrichs des Großen in Sanssouci« (1850–1852, Nationalgalerie, Inv.-Nr. A III 206) gewidmet, seine populärsten Bilder. Schon in Kuglers »Geschichte Friedrichs des Großen« (1840–1842) war Friedrichs Tafelrunde im ovalen Marmorsaal von Sanssouci illustriert. Während in diesem Holzschnitt jedoch Nacht und Kronleuchterlicht herrschen, wählte Menzel für das Gemälde einen hellen Nachmittag. Die Mittelachse bleibt dem König vorbehalten, der aber nur Zuhörer ist. Die Aktion ist bei Voltaire, der von links über den Tisch hinweg mit dem Schriftsteller Graf Algarotti aus Venedig, einem der vertrauten Freunde und Kunstberater Friedrichs, disputiert. Die Runde ist aus Militärs (Lord Marschall Georg Keith und General von Stille neben Voltaire, Feldmarschall Jakob Keith und General von Rothenburg hinter Algarotti) und Männer des Geistes zusammengesetzt: ganz vorn Jean-Baptiste de Boyer, Marquis d’Argens, im Gespräch mit dem Arzt Julien Offray de La Mettrie. Die meisten sind Ausländer, die Friedrichs momentane politische und geistige Liberalität nach Preußen gezogen hat.
Ausgangspunkt dieser Skizze ist eine sehr genau ausgeführte Federzeichnung, die nachträglich, aquarellähnlich dünn, farbig interpretiert wurde. Danach wurde sie abgepaust und die Pauszeichnung mit einem Quadratnetz überzogen, um die Übertragung in das große Format zu erleichtern – ein Verfahren, das Menzel später entschieden ablehnte. Das große Bild wurde 1850 fertiggestellt, vom Verein der Kunstfreunde im Preußischen Staate erworben, der es schon 1873 der Nationalgalerie verkaufte. Es ist seit 1945 verschollen. | Claude Keisch

Letzte Aktualisierung: 24.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Alte Nationalgalerie

E-Mail:

n/a

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Herkules mit dem Eber

Herkules mit dem Eber

Nach der Mythologie handelt es sich um die vierte der "Zwölf Arbeiten" des Herkules: den wilden Eber vom Berge Erymanthos in Arkadien zu bändigen, der bei Psophis die Lande verwüstete. Nachdem er den Eber aufgestört, gehetzt und besiegt hatte, lud er ihn auf seine Schultern und trug ihn nach Mykene. - Diese Statuette gehört zu einer kleinen Werkgruppe, in der Tuaillon von seinem Bekenntnis zu klarer Statuarik, ruhiger Form und unliterarischen Sujets abrückt. Malerische Tendenzen gewinnen hier Oberhand, die Modellierung ist aufgelockert: Tuaillon entfernt sich von den strengen Normen der Marées- und Hildebrand-Schule. - Der Plan für eine großformatige Ausführung dieser Gruppe entstand, als Tuaillon im Jahre 1900 im Rahmen eines beschränkten Wettbewerbes zu einem Entwurf für eine lebensgroße Marmorstatue, die im Foyer der Nationalgalerie auf einem Treppenpodest aufgestellt werden sollte, aufgefordert war. Dieser Auftrag wurde noch viele Jahre hindurch diskutiert, blieb allerdings schließlich unausgeführt. Für die Marmorausführung ließ Tuaillon sich 1904/05 das eingereichte kleinformatige Gipsmodell zurückschicken. Im Jahre 1907 und nahezu gleichlautend noch 1913 plante er, ein ganz neues Modell zu beginnen, doch alles verzögerte sich - nicht zuletzt, weil Staatsaufträge (wie etwa für Köln) seine Kapazität vollauf banden. - Das Sujet mit imperialistischen Gesinnungen im Deutschland vor dem ersten Weltkrieg in Verbindung zu bringen, scheint gewagt (Ulferts 1993, S. 77). In erster Linie sollte man Tuaillons Entwurf als Antwort auf das bereits vorhandene, erheblich ältere Pendant verstehen, Albert Wolffs "Dionysos mit Panther" von 1884 (Marmor, kriegszerstört); sein Konzept hätte in freier Anlehnung an Nietzsches Auffassungen das Feierlich-Dionysische gesteigert zur vitalen Metapher des siegreichen Lebenskampfes schlechthin. - Das Modell wird in die Jahre 1899/1900 datiert. Der 1901 in Rom entstandene Erstguß von 1901 befindet sich als Leihgabe in der Kunsthalle Bremen. Der vorliegende Guß könnte ebenfalls 1901 erfolgt sein (in diesem Jahr lag der Nationalgalerie ein kleinformatiges Gipsmodell vor), vielleicht aber auch später. Weitere Bronzegüsse folgten in unbekannter Auflagenhöhe (Wallraf-Richartz-Museum, Köln; Propyläen-Kunsthandlung, Berlin). Eine Großfassung entstand um 1910 für den Garten Guthmann in Neu-Kladow, wurde später (wohl in den dreißiger Jahren auf Betreiben der Tochter des Künstlers) in Bronze gegossen und 1962 auf dem Lützowplatz in Berlin-Tiergarten aufgestellt; sie weicht in Details von der Statuette ab. Ferner produzierte die Meißner Porzellan-Manufaktur Ausformungen in Porzellan (ab 1923 nachweisbar; ein Exemplar im Kulturgeschichtlichen Museum Osnabrück, Höhe 40,5 cm). | Bernhard Maaz

Uhu

Uhu

„Dieser Mann war nicht nur geborener Plastiker, sondern geborener Holzplastiker“, schrieb der Berliner Kunstkritiker Fritz Stahl 1918 nach Pucheggers frühem Tod im Jahr zuvor. „Er liebte die Tiere, […] aber Motive wurden sie ihm erst, wenn sie sich als Gebilde aus Holz gestalten ließen. Nein, noch genauer: als Gebilde aus Holz, mit einem bestimmten Instrument geschnitten. Jede Art von Fell oder Gefieder übersetzte sich in seiner Phantasie in einen gewissen Zustand eines gewissen Holzes“ (Fritz Stahl, Inhalt und Form. Tierbilder im Künstlerhaus, in: Berliner Tageblatt, 13.2.1918, S. 2). Pucheggers „Uhu“ fügt sich ganz in die Rezension seines Œuvre ein. Insbesondere die Behandlung der Oberfläche, doch auch das außergewöhnliche Materialgespür weisen den Bildhauer als gelernten Holzschnitzer aus, dem es auch gelang, die Maserung des Holzes in die künstlerische Gestaltung einzubeziehen. Skulptural ist das flaumig-plustrige Gefieder mit dem Schnitzeisen als feines Netz aus kurzen Furchen umgesetzt. Streng symmetrisch, totemartig sitzt der „Uhu“ vor den Betrachter:innen. Doch offenbaren die beiden farbig intarsierten Augen die Ruhe als trügerisch. Wie in anderen Figuren auch zeigt Puchegger hier Wesen wie Verweigerung des Zootieres, dessen Ausdruck weniger ein Anstarren als ein Zurückstarren ist. Sein Werk steht zwischen der Eleganz des Jugendstils und der Entschiedenheit des Expressionismus, welcher der Holzplastik eine neue Bedeutung gegeben hatte. Von den zehn dokumentierten Holzskulpturen hat sich außer den Werken der Nationalgalerie (vgl. „Budeng-Affe“, B I 414) nur eine weitere Arbeit in Holz in schottischem Privatbesitz erhalten. | Philipp Demandt

Passionskreuz

Passionskreuz

In Vorbereitung des Auftrags für die Ausmalung der Wallfahrtskirche Sankt Apollinaris in Remagen, die durch die Vermittlung des Lehrers an der Düsseldorfer Akademie, Wilhelm Schadow, zustande gekommen war, reisten Andreas Müller und der befreundete Ernst Deger im Herbst 1837 nach Italien. Müller, der Sohn einer rheinischen Malerfamilie, blieb dort, von einer Unterbrechung im Sommer 1840 abgesehen, bis 1842. Bereits während seines Studiums hatte sich der tiefgläubige Maler auf das religiöse Fach spezialisiert und in Düsseldorf bald eng mit den dortigen Jesuiten verkehrt. Es nimmt nicht wunder, daß er in Rom schnell Anschluß an den Kreis der Nazarener um Friedrich Overbeck fand, mit dem er zeitlebens freundschaftlich verbunden blieb. Sicher auch unter Overbecks Anregung und Anleitung schulte Müller im Kopieren von Bildern und Fresken sein Auge, skizzierte die Landschaft der Campagna und unternahm zahlreiche Ausflüge nach Subiaco, Assisi, Perugia oder Siena. Spätestens dort wird Müller Beispiele der sogenannten ›Croce dipinta‹ gesehen haben, jener gemalten Kruzifixe, deren Tradition bis weit in das 12. Jahrhundert zurückreicht. Wieder in Deutschland blieb Müller der religiös-nazarenischen Malerei treu und schuf noch in der Zeit als Professor und Konservator der graphischen Bestände der Düsseldorfer Kunstakademie mehrere Tafelbilder für Kirchen. Zudem begann Müller am 22. Juni 1858 im Auftrag des Düsseldorfer Kunsthändlers Budeus die Arbeiten an vorliegendem großen Passionskreuz. Das plastische, fein ausgearbeitete, vergoldete Kruzifix mit neugotischem Maßwerk und darin eingefaßten, auf Pergament gemalten Darstellungen aus der Passion Christi zählt zu Müllers Hauptwerken. Es wird im Sammlungskatalog der Nationalgalerie von 1888 ausführlich beschrieben: »Den oberen Abschluß dieses Kreuzes bildet eine gothische Kreuzblume, mit dem Pelikan, welcher seine Jungen mit dem eigenen Blute nährt (Sinnbild für den Opfertod Christi); am Querbalken die Inschrift: ›Christus crucifixus et mortuum pro nobis‹. In den Füllungen der kleeblattförmigen Abschlüsse der Kreuzarme ist auf Goldgrund dargestellt: links Christus am Ölberge vor dem Kreuze knieend, mit der Umschrift: ›Christus sanguinem sudans pro nobis‹; oben: der gegeißelte Christus, mit der Umschrift: ›Christus flagellatus pro nobis‹; rechts: Christus mit der Dornenkrone, mit der Umschrift: ›Christus spinis coronatus pro nobis‹; unten: Christus das Kreuz tragend, mit der Umschrift: ›Christus crucem portans pro nobis‹« (Katalog der Königlichen National-Galerie, Berlin 1888, Kat.-Nr. 509). »Jedes der Gemälde Müller’s«, resümierte der Biograph Franz Kaufmann 1895, »bietet einen Schatz katholischer, inniger Empfindung, die er mit mittelalterlicher Reinheit, aber doch zugleich mit der Frische einer jüngeren Zeit in Anmuth und süße Keuschheit kleidet« (F. Kaufmann, Andreas Müller, in: Frankfurter zeitgemäße Broschüren, Bd. 16, 1895, H. 12, S. 399).Eine Wiederholung in kleinerem Format entstand als Reliquiar für den Fürsten Karl Heinrich Ernst Franz zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg (1834–1921). Eine Kreidezeichnung zum Bild (111 × 83 cm) befindet sich seit 1861 im Museum der bildenden Künste Leipzig. Darüber hinaus ließ Budeus das vollendete ›Croce dipinta‹ als Stich reproduzieren und beteiligte Müller mit zehn Prozent am Verkauf (vgl. den Brief des Bruders Karl Müller an die Nationalgalerie vom 13.2.1883, SMB-ZA, I/NG 1811). Ein weiterer Kupferstich von 1888 stammt von Joseph Kohlschein. 1884 erwarb die Nationalgalerie das ursprünglich von Budeus bestellte »Passionskreuz« von dem Kölner Kaufmann J. M. Heimann. | Regina Freyberger

Philipp II. auf seinem Felsensitz

Philipp II. auf seinem Felsensitz

Luis Alvarez Catalás großformatiges Geschichtsbild »La silla de Felipe II en El Escorial« läßt den Betrachter zum Zeitzeugen eines bedeutenden historischen Ereignisses werden: dem Bau der Klosterresidenz in San Lorenzo de El Escorial (1563–1584). Diese beeindruckende Renaissanceanlage ist, wie der Schriftsteller Miguel de Unamuno y Jugo in »De mi país« 1903 treffend bemerkte, einer der zentralen Identifikationspunkte der spanischen Kultur und des spanischen Nationalbewußtseins.Alvarez Catalá zeigt allerdings nicht die Kloster- und Schloßanlage selbst, sondern König Philipp II. von Spanien, der auf einer Felsplattform bei San Lorenzo de El Escorial die Bauarbeiten überwacht und dabei Staatsgeschäfte erledigt, während am Fuß des Plateaus die Sänftenträger und eine große Dogge auf die Heimreise warten. Die karge Plattform, die noch heute ein beliebtes Reiseziel ist und im Volksmund ›La Silla de Felipe II‹ heißt, wurde mit ihren Stufen und vier Sitzen angeblich eigens für diesen Zweck aus dem Granitfelsen geschlagen. Neuere Forschungen halten dies allerdings für eine Legende und vermuten, daß es sich bei der Plattform entweder um eine rituelle Stätte aus vorrömischer Zeit handelt oder aber um eine vom Nationalbewußtsein getragene, romantische Inszenierung von 1867, an deren Fortschreibung Luis Alvarez Catalá wesentlichen Anteil hatte: Bereits kurz nach der Fertigstellung des Bildes und der Präsentation auf der Weltausstellung in Paris 1889 wurde es xylographisch in Zeitschriften und später fotografisch als Postkarte reproduziert. So war das Gemälde auch dann noch in Spanien präsent, als es 1891 aus der Internationalen Kunstausstellung in Berlin für die kaiserliche Sammlung angekauft und 1892 an die Nationalgalerie überwiesen wurde. 1925 bis 1939 war Alvarez Catalás Gemälde sogar auf der Rückseite der Einhundert-Peseten-Scheine zu sehen und prägte so nachhaltig die geschichtliche Wahrnehmung des Plateaus. | Regina Freyberger

Studie zum Fresko "Pergola" in der Zoologischen Station in Neapel

Studie zum Fresko "Pergola" in der Zoologischen Station in Neapel

»Diese fünf schweigenden Menschen an dem Tisch verblüffen, auch das Mädchen auf der Treppe […] Und auch die Mauer, das Haus mit den Bögen, durch die man in den Himmel schaut. […] Sie sind unter sich, und ohne dass sie es aussprechen, wünschen sie, unter sich zu bleiben. Es wäre auch schwierig, zu ihnen zu dringen. Der Winkel neben der Treppe schützt sie. Er ist eine Welt für sich. Die hohen Wände gebieten Schweigen« (J. Meier-Graefe, Hans von Marées, Bd. 1, München 1910, S. 269–271).Gleich zweimal, fast unverändert, hat Marées diesen Entwurf für die Fresken an der Ostwand der Bibliothek in der Zoologischen Station in Neapel ausgeführt (Variante im Von der Heydt-Museum, Wuppertal). Mit der Komposition »Pergola« brachte er die Freunde, die kleine Gruppe der am Aufbau der Station tätigen Wissenschaftler und Künstler, in diese ansonsten zeitlose, der Idee des Goldenen Zeitalters verbundene Bildwelt ein: links die beiden Zoologen Anton Dohrn (1840–1909) und Nikolaus Kleinenberg (1842–1897), in der Mitte der vielfältige Funktionen wahrnehmende schottische Dichter Charles Grant (1841–1889), auf der rechten Seite die beiden mit der Ausgestaltung des Festsaales betrauten Künstler Marées und Hildebrand (1847–1921). Ort der Zusammenkunft ist eine Taverne im unvollendet gebliebenen Palazzo Donn’Anna am Golf von Neapel, zu der die Freunde des Abends gern mit dem Boot hinüberfuhren. Diese ihm besonders wichtige Komposition hat Marées zudem mit großen Einzelstudien der Dargestellten vorbereitet (vgl. ebd., Bd. 2, 1909, S. 196–199). Das schöpferische und freundschaftliche Miteinander in diesen Monaten der gemeinsamen Arbeit für ein kühnes Projekt hat er sehr genossen. Gleiches sollte ihm in seinem Leben nicht wieder begegnen. Die Studie wie das ausgeführte Fresko aber zeigen kein lebhaftes Miteinander, bestenfalls abendliche Erschöpfung, wie von Meier-Graefe in seiner Marées-Publikation prägnant beschrieben (vgl. ebd., Bd. 1, 1910, S. 243–282). Das gegenüberliegende Fresko auf der westlichen Wand der Bibliothek stellt den Aufbruch der Fischer dar. Ragen dort hohe Felsen auf, so hinter dieser Gruppe von Intellektuellen die schützenden Mauern eines historischen Bauwerkes. Der selbstverständlichen, gemeinsamen Tätigkeit der Fischer dort entspricht hier ein handlungsloses Beieinander. Der Eindruck von Vereinzelung und Ernst könnte an der Erkenntnis liegen, nicht wirklich zu dieser idealisierten Welt voller Natürlichkeit, Heiterkeit und Selbstverständlichkeit zu gehören. | Angelika Wesenberg