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Bildnisrelief Max Jordan

Ident. Nr.: B II 463

ObjID: obj:967322

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Hugo Lederer (1871 - 1940),
Künstler*in
Datierung
1906/1907
Weitere Titel
Sammlungstitel: Bildnisrelief Max Jordan
Übersetzung: Portrait Relief of Max Jordan
Material / Technik
Bronze
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 28,5 x 20,5 x 2,5 cm
Erwerbung
1933 Schenkung der Verbindung zur Förderung deutscher Kunst

Objektbeschreibung

Wurden die Geschicke der Nationalgalerie anfänglich von Künstlern der Berliner Akademie der Künste bestimmt, berief man 1874 erstmals einen Kunsthistoriker zum Direktor: Max Jordan (1837–1906), der bis dahin das Städtische Museum in Leipzig geleitet hatte. Mit seinem Schwerpunkt auf idealistischer Kunst setzte der Wissenschaftler und Museumsmann neue Akzente. Unter Jordan fanden vor allem große Konvolute der Nazarener Eingang in die Sammlung, darüber hinaus tätigte er erste grundlegende Erwerbungen von Arnold Böcklin und Adolph Menzel. Das Porträtrelief Jordans schuf Lederer 1906/1907. Es zeigt den Kunsthistoriker im zeitgenössischen Anzug und in strengem Profil nach rechts gewandt. Scharf gezogene Kontur- und Binnenlinien verleihen den hageren, bereits vom Alter gezeichneten Gesichtszügen einen gewissen harschen Charakter. Das Relief findet sich unter anderem auch auf Jordans Grabstein (ursprünglich auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin-Schöneberg, 1938/1939 umgebettet auf den Südwestkirchhof Stahnsdorf). Ein zweiter Bronzeguss der Grabmalfassung (B II 463) sowie eine Gipsversion (B I 548 a) wurden 1933 der Nationalgalerie von der Verbindung zur Förderung deutscher Kunst geschenkt, darüber hinaus gelangten zwei Exemplare einer verkleinerten Fassung in Weißmetall (SKG 16/79) und Gips (B I 548 b) in die Sammlung. Die kleine Erinnerungsplakette stellte die Grundlage für die größere Grabmalfassung dar und fand in unbekannter Zahl Verbreitung. Eine Gipsausführung der rückseitigen Plaketten-Widmung (B I 548 d) gibt Aufschluss über den Auftragsanlass: „ZUM . 25. JAEHRIGEN / JUBILAEUM . GEWID. / VON DER VERBIND.G FUER / HISTOR . KUNST. / JUNI . 1906“. Auf der Hauptversammlung der Verbindung am 12./13. Juni 1906 hatte man beschlossen, das 25-jährige Engagement Jordans als deren Geschäftsführer zu ehren; der Kunsthistoriker starb noch im November desselben Jahres. Doch war Lederer offensichtlich nur die zweite Wahl, hatte man doch zunächst geplant, den Bildhauer Hermann Hahn um einen Entwurf zu bitten (Paul Schumann, Die Verbindung für historische Kunst, in: Die Werkstatt der Kunst, 5. Jg. [1905/1906], H. 39, S. 539). | Yvette Deseyve

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Badende

Badende

In freier Natur hat sich eine unbekleidete Frau auf einem Stein an einem See niedergelassen, mit der linken Hand stützt sie sich auf einem weiteren Stein ab. Ihre Beine sind angewinkelt, der rechte Arm ruht auf den Knien, und sie schaut nach unten. Augen, Mund und Nase sind nur angedeutet. Im Hintergrund hat der Künstler in verschiedensten Formen und Farben Pflanzen skizzenhaft ausgeführt und teils mit kubischen Flächen durchzogen. Schnell gemalte, wellenförmige Linien geben die Bewegung des Wassers auf dem See wieder. Das Bild entstand während Molls Zeit in Berlin. Dorthin war der Künstler 1936 zurückgekehrt, drei Jahre nach der Entlassung aus seinem Amt an der Düsseldorfer Kunstakademie durch die Nationalsozialisten. Zudem hatte er Ausstellungsverbot erhalten, und seine Werke waren 1937 in der Femeschau „Entartete Kunst“ in München und Weimar zu sehen gewesen. In Berlin lehrte Moll nun an der Schule Reimann, einer privaten Kunst- und Kunstgewerbeschule im Stadtteil Schöneberg. Zusammen mit seiner Frau, der Künstlerin Marg Moll, zog er in ein Haus direkt am Halensee, das Hans Scharoun für sie entworfen hatte. In dieser Zeit widmete sich Moll insbesondere der Aktmalerei und ließ seine Modelle in der üppigen Natur am Ufer des Sees posieren – so könnte auch dieses Bild entstanden sein. Als Berlin 1943 bombardiert wurde, flohen die Molls nach Brieg in Schlesien, Molls Geburtsort. Bei ihrer Rückkehr im Mai 1946 fanden sie das Haus am See zerstört vor. | Anja Pawel

Rückenakt

Rückenakt

Anfang der 1950er-Jahre verbrachte Schmidt-Rottluff die Sommerwochen in Sierksdorf an der Ostsee. Wie bereits vor dem Krieg in Jershöft nutzte er die Aufenthalte an der See zum Bearbeiten dafür geeigneter Steine, die er an den Stränden auflas und aus denen er später Kleinplastiken schuf („Kopf“, B 485). Die meisten der heute bekannten, gut hundert Arbeiten entstanden 1951 bis 1953 in Sierksdorf. Aus den Steinen formte er Köpfe oder Figuren, vollplastisch oder als Relief, so den eindrucksvollen Rückenakt mit gedrehtem Kopf und erhobenem Arm (Inv.-Nr. B 484). Mitunter fertigte Schmidt-Rottluff Vorzeichnungen für einen konkreten Stein, in dessen Umrisse er die passende Figur einzeichnete. Für die hockende Figur (Inv.-Nr. B 483) hat sich solch eine Zeichnung erhalten, sie gehörte wie der Stein selbst ehemals der Freundin und Förderin Rosa Schapire, die 1953 eine erste Ausstellung dieser Kleinplastiken im englischen Leicester organisierte und ihnen damit Kunstwürde verlieh. Die Gestaltung der Arbeiten folgt dem expressiven Stil von Schmidt-Rottluffs Grafik und Malerei. Sie wirken daher trotz ihrer geringen Dimension oft monumental. Alle drei bearbeiteten Steine der Nationalgalerie wurden 1960 von der Stadt Berlin beim Künstler für die Galerie des 20. Jahrhunderts erworben. Deren Gründer, Adolf Jannasch, hatte 1954 zum 70. Geburtstag des Künstlers eine große Schmidt-Rottluff-Ausstellung in Berlin ausgerichtet, in die er auch viele plastische und kunsthandwerkliche Arbeiten mit einbezog. | Angelika Wesenberg

Konfektion

Konfektion

In der zweiten Hälfte der 1920er-Jahre lösten Interieurs zunehmend die Kleinstadtansichten (vgl. etwa „Bahnhof Sayda“, A IV 385) in Kretzschmars Werk ab. Die Innenräume sind kleinteiliger und detaillierter ausgestaltet, dennoch dominiert auch in ihnen die Flächigkeit, die hier weniger durch Farbkontraste als durch geschickte Verschachtelungen, das Spiel mit Ebenen und Räumen belebt wird. Das Motiv der „Billardspieler“ (A IV 386) fand Kretzschmar in seiner unmittelbaren Umgebung des Dresdner Stadtteils Gostritz, im Gasthaus Höhenluft in der Friebelstraße, in der der Künstler seit 1917 wohnte. Die Kneipenszene ist in ihrer Farbigkeit aus Grau, Grün, Blau und Braun charakteristisch für die Bilder Kretzschmars aus dieser Zeit. Das Format des Billardtisches steht in einem annähernd proportionalen Verhältnis mit dem Querformat der Leinwand; die starke horizontale Betonung ist bis in den schwebenden Queue und die Rauchschwaden konsequent durchgestaltet. Zur Serie der Interieurs gehört auch „Konfektion“ (A IV 318), eine Szene in einem Schneideratelier, die sich perspektivisch auf die Dame bei der Anprobe konzentriert. Bei der Figur handelt es sich um Stefanie Dittmayer (1896–1989), die Frau von Kretzschmars größtem Sammler, Hans Dittmayer. In der knienden Person hat der Künstler einmal mehr seine Frau Susanna (1891–1942) verewigt (vgl. „Lesende Susanna“, A IV 383). Farblich augenfälliger als die vermeintliche Hauptfigur hat Kretzschmar jedoch zwei der Bediensteten in Rosa und Gelb gestaltet, wie auf einer Bühne scheinen sie aus dem dunklen Fond auf. Bühnengleich ist auch die Billardszene angelegt. Diese Art der Inszenierung hatte sich Kretzschmar möglicherweise vom Theater abgeschaut, war seine Mutter doch Schneiderin am Stadttheater Döbeln gewesen, in dem ihr Sohn sie oft besucht hatte. | Katharina Wippermann

Mädchenporträt in Rot

Mädchenporträt in Rot

Menschen waren Berganders Spezialität, egal ob in Gruppen oder als Porträt, ob er sie als freier Künstler, politischer Maler oder Lehrer der Kunsthochschule abbildete. Die junge Frau finden wir in einer unklaren Situation vor: Ist sie allein? Hat sie ein Gegenüber? Wirkt sie defensiv oder selbstbewusst, verträumt für sich oder nachdenklich im Gespräch? Berganders minimalistischer Stil, der „alles dramatisch Wirkende meidet“ und dagegen auf die „Kraft des Verhaltenen“ setzt (Arthur Dänhardt, Rudolf Bergander, Dresden 1978, S. 7), hat seinen Preis: Es gibt keine Bewegung oder Raumtiefe, Effekte von Licht und Schatten sind äußerst sparsam eingesetzt, dem Bild fehlt eine Story. Aber der Künstler, der nach seinen Anfängen während der Neuen Sachlichkeit stilistisch in der DDR eine 180-Grad-Wende vollzog, gleicht diesen scheinbaren Mangel mit anderen Mitteln aus: Die vordergründig grobe Formsprache, bei dem die Ölfarbe dick in mehreren Schichten aufgetragen wurde, offenbart ein expressiv-realistisches Bildnis, das gerade durch sein reduziertes Setting ins Auge sticht. Die Farbtöne knallen regelrecht. Der Pullover der Porträtierten ist fast Pink, Lippenstift, Make-up und Ohrschmuck sitzen, der große weiße Kragen erscheint geradezu majestätisch. Ist ihr Auftritt an ihre eigenen Erwartungen geknüpft oder an die anderer? Ebenfalls 1959 zeigt eine Radierung dieselbe Frau in identischer Pose („Mädchen Porträtkopf“, in: Rudolf Bergander – Werkverzeichnis. Handzeichnungen, Aquarelle, Druckgrafik, bearb. v. Waltraut Schumann, Dresden 1978, 1714). Doch die zentrale Frage soll auch hier unbeantwortet bleiben: Wer ist das Mädchen in Rot? | Sven Haase

Reiter

Reiter

Blumenthal gehörte nicht zu den vom NS-Regime verfolgten Künstlern. Er fand durch Preise, Stipendien und einen günstigen Arbeitsort im Haus der Ateliergemeinschaft Klosterstraße in Berlin staatliche Unterstützung. Gleichwohl entsprachen seine Figuren nicht der seinerzeit offiziell propagierten Monumentalkunst. So beurteilte der Bildhauer Fritz Klimsch in einem Gutachten vom 26. April 1934 für die Preußische Akademie der Künste Blumenthals Plastiken als „formlosen Archaismus“ und „verhängnisvolle Individualität“ (Akademie der Künste, Berlin, PrAdK 943, Bl. 313 f). Im Sommer 1937 wurde unter anderem sein „Schreitender“ (1929/1930) im Museum Folkwang in Essen als „entartet“ beschlagnahmt (WVZ Isermeyer 1993, F 24). Vermutlich aufgrund dieser Vorkommnisse verstümmelte oder zerstörte Blumenthal im selben Jahr einige seiner frühen Gipse. Er wurde aber weiterhin zu öffentlichen Wettbewerben eingeladen. So reichte er 1936 bei der Stadt Hannover einen Entwurf für die künstlerische Ausgestaltung des Geländes um den neu angelegten Maschsee ein. Sein Modell zeigte einen Reiter, der nackt auf einem sich aufbäumenden Pferd sitzt. Die Figurengruppe weist die für Blumenthal typische Stilisierung und langgestreckte Gliedmaßen auf, wobei das Motiv des Reiters damals durchaus geläufig war. Der Entwurf wurde bei dem Wettbewerb nicht berücksichtigt, was jedoch durch ein „äußerlich-technisches Versehen“ bedingt war (Carl Georg Heise an Walter Bauer, 6.3.1941, zit. nach ebd., S. 74). Das 1944 in Zink gegossene Modell gelangte 1952/1953 über die Staatliche Kommission für Kunstangelegenheiten an die Nationalgalerie (Ost). | Maike Steinkamp

Koreanisches Mädchen (I)

Koreanisches Mädchen (I)

1950 engagierte der niederländische Architekt und Rektor der neu gegründeten Hochschule für bildende und angewandte Künste, Mart Stam, Balden als Dozent für das Grundlagenstudium nach Berlin-Weißensee. Die damit verbundenen Verpflichtungen schränkte ihn künstlerisch ein, ebenso wie die kulturpolitischen Auseinandersetzungen um die Ausrichtung der Kunst in der DDR. Für die Jahre 1950–1953 sind keine Skulpturen von ihm nachgewiesen – es war die Hochphase der sogenannten Formalismus-Debatte, im Rahmen derer der Sozialistische Realismus als verbindliche künstlerische Ausdrucksform definiert und jegliche Abstraktion verurteilt wurde. Ab 1954 entstanden wieder einige wenige Arbeiten, darunter eine Reihe von Darstellungen junger Koreanerinnen und Koreaner, mit denen Balden sich vermutlich auf den Koreakrieg 1950–1953 bezieht. Die weltpolitische Dimension des Krieges in dem geteilten Staat und seine Parallelen zur Lage im geteilten Deutschland haben Balden sicher beschäftigt. Proportional stimmig aufgebaut, zeigen die Porträts alle eine maskenhafte Reglosigkeit ohne individualisierende Nuancierungen. Während die Frisur sämtlicher weiblicher Büsten als Bubikopf mit kurzem Pony gestaltet ist, haben die männlichen kurzes Haar mit Scheitel. Auch das namenlose Porträt des koreanischen Mädchens aus dem Bestand der Nationalgalerie weist diese Stilisierung auf und steht damit stellvertretend für das gesamte koreanische Volk und dessen Zukunft. | Maike Steinkamp

Auf dem Meer

Auf dem Meer

»Schon als Kind hatte ich versucht, einem Granitfindling, der auf dem väterlichen Acker geborgen und neben den Granitgebilden des Großvaters im Vorgarten aufgestellt wurde, meinen plastischen Willen aufzuzwingen« (Joachim Utech, Wie ich Bildhauer wurde, in: Die Kunst für Alle, 55. Jg. [1939/1940], H.1, S.14). Der in Belgard (heute Białogard) geborene Künstler war bereits als Kind von den Tonreliefs und Granitskulpturen des Großvaters Bogislav Utech beeindruckt. Mitte der 1920er-Jahre begann der zum Studienrat für Kunsterziehung ausgebildete Utech selbst in Stein, vornehmlich in Granit, zu arbeiten. »Ich lernte die Strukturen und Gesteinsschichtungen kennen. Studierte im Ägyptischen Museum in Berlin eingehend an den dortigen Granitplastiken ihre Technik. Fand so die Meißelstellung, die ein erfolgreiches Schaffen in Granit verlangt« (ebd., S. 15 f.). Dieses Wissen wendete Utech bei der vorliegenden Büste aus schwarz-weiß gesprenkeltem Granit an. Der »Christuskopf« ist durch seine langgezogene Form, den langen Nasenrücken und die nur angedeuteten, wenig ausgeführten Merkmale des Gesichts gekennzeichnet. Die Präsentation zweier Granitköpfe in der Nachwuchsausstellung im Berliner Verlagshaus Hermann Reckendorf 1930 brachte Utech Anerkennung. Der Kunsthistoriker Julius Meier-Graefe wurde zu seinem Fürsprecher, der ihm den Kontakt zur Berliner Galerie Ferdinand Möller vermittelte. Über diese gelangte der »Christuskopf«, wie der Zweittitel des Werkes lautet, mittels eines Tauschs 1938 in die Sammlung der Nationalgalerie. | Stefanie Meisgeier

Entwurf zum Giebelrelief "Die Geburt der schaumgeborenen Venus" für das Konzerthaus Karlsruhe (Fragment)

Entwurf zum Giebelrelief "Die Geburt der schaumgeborenen Venus" für das Konzerthaus Karlsruhe (Fragment)

Mit architekturgebundener Plastik machte sich Albiker ab 1905 einen Namen. Sie entstand oft in Zusammenarbeit mit dem befreundeten (Garten-)Architekten, Maler und Keramiker Max Laeuger, der an der Technischen Hochschule in Karlsruhe lehrte. Gemeinsam entwarfen sie etwa die Fassaden- und Innenraumgestaltung des 1911/1912 erbauten Küchlin-Varieté-Theaters in Basel. Für das von 1913 bis 1915 nach Plänen von Robert Curjel und Karl Moser im neoklassizistischen Stil errichtete Konzerthaus Karlsruhe schuf der Bildhauer ein Giebelrelief mit dem Titel „Die Geburt der schaumgeborenen Venus“. In der Mitte platzierte er eine stehende weibliche Gestalt und zu beiden Seiten je eine Figurengruppe aus zwei Frauen. Das schlecht erhaltene Fragment stellt vermutlich einen Vorentwurf für das letztlich umgesetzte, 1944 jedoch zerstörte Relief des Konzerthauses dar. Es zeigt die linke Seite der Darstellung, also nur zwei der insgesamt fünf Aktfiguren, eine stehend, die andere kniend, einander durch eine Berührung der Arme verbunden. In Anbetracht der „aussergewöhnlichen Dimensionen“ des Giebelfeldes lobten die Konzerthaus-Architekten Albikers Werk, da ihnen „die Verhältnisse dieser Gruppe in sich sowohl wie zum ganzen Giebelfeld … äusserst glücklich“ erschienen (zit. nach Beate Eckstein, Im öffentlichen Auftrag. Architektur und Denkmalsplastik der 1920er bis 1950er Jahre im Werk von Karl Albiker, Richard Scheibe und Josef Wackerle, Hamburg 2005, S. 27). Im Gegensatz zu anderen Reliefs, etwa zwei Supraporten (B III 303 a und b), wirkt dieses Fragment durch die sparsame Verteilung und ruhige Haltung der Figuren eher statisch und flach. | Uta Caspary

Christus auf dem Meere

Christus auf dem Meere

Das großformatige Gemälde „Christus auf dem Meere“ entstand für die Frühjahrsausstellung der Berliner Secession 1919. 13 Künstler waren ausgewählt worden, um für den Hauptsaal monumentale Kompositionen anzufertigen und so die Idee des Wandbildes neu zu beleben. Der gelernte Porzellanmaler Kohlhoff war seit 1914 in Berliner Ausstellungen vertreten. Als Beitrag für die Secession wählte er das biblische Motiv der Stillung des Sturmes (vgl. Matthäus 8, 24–27; Markus 4, 35–41, und Lukas 8, 22–25): Bei einer nächtlichen Fahrt über den See Genezareth werden Jesus und seine Jünger von einem Unwetter überrascht. Daraufhin wecken die verängstigten Jünger den schlafenden Jesus, der Wind und Wellen Einhalt gebietet. Die bekanntesten Darstellungen dieses Themas stammen von Rembrandt (1633, Isabella Stewart Gardner Museum, Boston, dort gestohlen 1990) und Eugène Delacroix (1841–1854, unter anderem Metropolitan Museum of Art, New York). Kohlhoff übernahm den Blick von oben auf das Segelboot, radikalisierte die steile Perspektive und verwendete ein expressionistisches Formrepertoire, geschult an Werken El Grecos (1541–1614), die Kohlhoff 1915 in der Berliner Galerie Paul Cassirer gesehen hatte. „Über dunkel rötlich-braune, blaue und gelbe Farben huschen die fließenden, erregenden Lichterwellen des Spaniers“, notierte Max Osborn 1919 zu Kohlhoffs Bild (Max Osborn, Die Wiedererweckung des Wandbildes, in: Deutsche Kunst und Dekoration, 44. Jg. [1919], S. 173). „Christus auf dem Meere“ hing zunächst im Saal der Orientabteilung der Preußischen Staatsbibliothek und wurde am 1. Februar 1937 an die Nationalgalerie überwiesen. | Dieter Scholz