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Der Historiker Theodor Mommsen

Ident. Nr.: A I 315

ObjID: obj:967403

Details (Expert)

Beteiligte
Ludwig Knaus (1829 - 1910),
Maler*in
Datierung
1881
Systematik/Art
Material / Technik
Öl auf Holz
Abmessungen
Höhe x Breite: 120 x 85 cm
Erwerbung
1881 Ankauf nach Bestellung für die Bildnissammlung

Objektbeschreibung

Theodor Mommsen (1817–1903) und Hermann von Helmholtz (1821–1894) wurden als Träger des Ordens Pour le Mérite, Friedensklasse, 1881 nach einer vom Kaiser genehmigten Bestellung für die Nationalgalerie gemalt. Friedrich Wilhelm IV. hatte damit begonnen, die Ritter der Friedensklasse porträtieren zu lassen, Wilhelm I. nahm diese Sitte wieder auf. Doch ergingen die Aufträge nun, über die Landeskunstkommission vergeben, vorwiegend an Maler geringeren Ranges. Die Plazierung dieser Gemälde auf Ehrenplätzen bedeutete »eine empfindliche Schädigung der National-Galerie«, wie Hans Mackowsky, der 1913 eine Bildnisgalerie in der Bauakademie einrichten und die Nationalgalerie damit entlasten konnte, resümierte (H. Mackowsky, Führer durch die Bildnis-Sammlung der Königlichen Nationalgalerie, Berlin 1913, S. 23 f.). Die Bildnisse von Mommsen (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A I 315) und Helmholtz (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A I 314) von Ludwig Knaus gehören zu den besten dieser Auftragswerke. Die beiden Forscher sind überzeugend auf der Höhe ihres Ruhmes gezeigt. »Die Gelehrten sitzen im Gesellschaftsanzug in ganzer Figur in ihrem Arbeitszimmer und demonstrieren einer unsichtbaren Menge etwas. Wallende Teppiche sind hinter ihnen aufgespannt, und der große Apparat von Büchern, physikalischen Apparaturen hinter ihnen hat nichts von intimer Milieuschilderung der Biedermeierzeit, sondern ist nur dazu da, die Personen in ihrer Wirksamkeit zu offenbaren, als Herrscher in ihrem Bereich« (R. Hamann, Die deutsche Malerei im 19. Jahrhundert, Leipzig 1914, S. 171).
Theodor Mommsen hatte seit 1861 in Berlin eine Professur für römische Geschichte inne, seit 1874 war er zudem Sekretär der Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften und seit 1881 als Mitglied der Liberalen Vereinigung im Reichstag ein scharfer Gegner Bismarcks. Dargestellt ist Mommsen als Geschichtsschreiber in seinem Berliner Arbeitsraum, vor einem Bronzenachguß einer Büste Julius Caesars, deren Original sich seit 1830 im Alten Museum befand (Grünschiefer, 1. Jh. n. Chr., Antikensammlung, Berlin).
Hermann von Helmholtz, 1871 als Professor der Physik und Vorsteher des Physikalischen Instituts an die Berliner Universität berufen, war als Physiker und Physiologe einer der bedeutendsten Vertreter der Naturwissenschaft in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Er ist in dozierender Haltung gegeben, die Funktion des 1850 von ihm erfundenen Augenspiegels erklärend. Weitere optische und akustische Instrumente auf dem Tisch sollen auf seine vielfältigen Arbeiten zu Fragen der physiologischen Optik und Akustik hinweisen.
Beide Bilder waren Teil der deutschen Kunstausstellung auf den Weltausstellungen von Antwerpen 1885 und Chicago 1893. Es waren offizielle Bildnisse, »aus lauter Detail fleißig und sogar gut zusammengesetzt; doch fehlen ganz die großen Formzusammenhänge. Halb sachliche Berichte und halb Begriffszuspitzungen. Es fehlen die lichttragenden Flächen, es fehlt die raumschaffende Tonigkeit: Die Anschauung war dem Maler nur Mittel zur Berichterstattung, nicht Erlebnis an sich«, merkte Scheffler so kritisch wie das Genre verkennend an (K. Scheffler, Die Nationalgalerie zu Berlin, Berlin 1912, S. 142). | Angelika Wesenberg

Letzte Aktualisierung: 28.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Alte Nationalgalerie

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Einzug des Kronprinzen Friedrich von Preußen in Jerusalem 1869

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Dargestellt ist, gleich einer authentischen Schilderung, der prächtige, bejubelte Einzug des preußischen Kronprinzen Friedrich (1831–1888) in Jerusalem Anfang November 1869. Man sieht den Maler selbst rechts im Bild auf einem Esel sitzend und zeichnend. Dabei entstand das Auftragswerk erst 1876 nach Studien. Es stellt eine nachträgliche Interpretation der Ereignisse dar und bekräftigt den neuen Machtanspruch: Inzwischen hatten der Krieg von 1870/71 und die Proklamation des deutschen Kaiserreichs im Spiegelsaal von Versailles stattgefunden. Aus diplomatischen Gründen war dem Kronprinzen 1869 die Aufgabe zugefallen, Preußen bei den Eröffnungsfeierlichkeiten des Suezkanals zu vertreten. Der König hatte ihm zudem gestattet, die seltene Reise in den Orient auch etwas zu erweitern. Bei seiner Audienz in Istanbul übereignete der Sultan Preußen ein lange begehrtes Gelände in Jerusalem mit den Ruinen des mittelalterlichen Johanniter-Hospizes und der zugehörigen Kirche. Der Kronprinz nahm das historische Gelände nun vor Ort symbolisch in Besitz. Erst im Frühjahr 1873 erhielt das Kronprinzenpaar den auf dem Bilde dargestellten weißen Araberhengst als Geschenk des Sultans. Vielleicht war dies der äußere Anlaß, ein repräsentatives Erinnerungsbild der Reise in Auftrag zu geben. Wilhelm Gentz, zu dieser Zeit schon ein bekannter Orientmaler, reiste 1873 für einige Wochen zu Studien nach Jerusalem. Dort wählte er für das zu malende Geschehen einen Hügel vor der Stadtmauer mit freiem Blick auf die Silhouette der Stadt aus. In Berlin entstanden die Studien vom Kronprinzen in der 1869 getragenen Staatsrobe und von dem prächtigen Hengst. Das fertige Werk wurde auf der Akademieausstellung 1876 mit einer goldenen Medaille ausgezeichnet; es war zuvor bereits für die Nationalgalerie erworben worden. Der einflußreiche Kunstkritiker Adolf Rosenberg schrieb 1891: »es ist die erste bildliche Darstellung der sieghaften Macht, die das neuerstarkte Deutschland über Orient und Occident damals zu gewinnen anfing« (Zeitschrift für bildende Kunst, N.F., 15. Jg., 1891, S. 213). | Angelika Wesenberg

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Verso: Blumenvase

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Übergabe von Calais an Eduard III. von England im Jahre 1347

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1842 bis 1844 waren auf einer Wanderausstellung in Deutschland zwei Werke der belgischen Maler Louis Gallait und Édouard de Bièfve zu sehen, die wegen ihres reichen, dunklen Kolorits und der geradezu illusionistischen Inszenierung historischer Ereignisse die deutsche Kunstwelt frappierten. Julius Schrader war einer der ersten Künstler, der diese sogenannten belgischen Bilder in eigenen Kompositionen rezipierte, am eindrücklichsten und erfolgreichsten in dem während des dreijährigen Italienaufenthalts bis 1847 entstandenen, monumentalen Hauptwerk »Übergabe von Calais an Eduard III. von England im Jahre 1347«. Das Bild versetzte ganz Rom in Aufregung und machte Schrader mit einem Mal berühmt. Anton Springer erinnerte sich 1892: »Das Werk […] brachte den ›Deutsch-Römern‹ die erste sichere Kunde von dem Kunstwandel in der Heimat. Um ein solches Bild zu malen, brauchte man nicht nach Rom zu kommen, meinten die einen; ›seht, daß man auch außerhalb Roms tüchtige Bilder malen kann‹, rühmten die anderen. Roms alter Ruhm als die beste Hochschule der Kunst erschien bedroht« (Aus meinem Leben, Berlin 1892, S. 91). Dargestellt ist eine Episode aus dem Hundertjährigen Krieg: England kämpfte seit dem Tod Karls IV. von Frankreich erbittert um den französischen Thron und eine gesicherte Machtstellung auf dem Festland, die mit der Eroberung von Calais 1347 gewonnen war. Sechs Bürger der Stadt übergeben in Schraders Bild König Eduard III. die Schlüssel der Stadt. Eduard III. – so will es die Legende und so wird es auch im Bild erzählt – befehligt, erbost über die langen Kämpfe, die Hinrichtung der Gesandten. Nur auf Fürsprache der Königin und ihres 17jährigen Sohnes Edward, genannt ›der Schwarze Prinz‹, wird ihnen Gnade gewährt. – Erworben vom Verein der Kunstfreunde im preußischen Staate war das Bild über lange Jahre in deren permanenter Ausstellung in Berlin zu sehen, bis das Bild 1873 mit Teilen der Sammlung für die Nationalgalerie angekauft wurde.| Regina Freyberger

Albrecht Achill im Kampf um Nürnberg

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Das monumentale Historiengemälde »Albrecht Achill im Kampf um Nürnberg« schuf der 30jährige Steffeck im Auftrag des Königs von Preußen. Es zeigt ein pyramidal zugespitztes Gewirr aus Menschen- und Pferdeleibern, mittig den brandenburgischen Markgrafen Albrecht III. Achilles (1414–1486), der im ersten Markgrafenkrieg 1449/50 erfolglos die Reichsstadt Nürnberg zu unterwerfen suchte. Nichtsdestotrotz sieht man den Markgrafen bei Steffeck heldenhaft und glorreich auf stattlichem Schimmel inmitten des Getümmels, die gegnerische Standarte siegreich in der Hand und mit der Streitaxt die feindlichen Krieger abwehrend. Einen historisch belegten Vorgang zeigt das Gemälde nicht: »Es ist eben kein welthistorischer Moment, wohl aber ein solcher, der zu einer individuell dramatischen Durchbildung alle Gelegenheit gab.« Dennoch habe der Künstler, so der Kritiker des »Kunst-Blatts« anläßlich der Berliner Akademieausstellung 1848, dies »vortrefflich empfunden und wiederzugeben gewußt […]; besonders in den Pferden zeigt sich eine verwegene Meisterschaft« (Kunst-Blatt, Beilage zum Morgenblatt für gebildete Stände, 29. Jg., 1848, H. 45, S. 177). Das »kolossale Jugendwerk« Steffecks (Max Liebermann, in: Carl Steffeck, Ausst.-Kat., Berlin 1913, S. 6) begründete den Ruhm des Künstlers. Dennoch wurde es vom preußischen König, für den das Bild entstanden war, nicht angekauft. Steffeck war bei ihm durch seine demokratische Gesinnung während des Revolutionsjahrs 1848 in Ungnade gefallen. Erst 1864 wurde das Werk für die Nationalgalerie erworben. | Regina Freyberger