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Mutter mit Kind

Ident. Nr.: A IV 12

ObjID: obj:967463

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Otto Nagel (1894 - 1967),
Künstler*in
Datierung
1929
Weitere Titel
Sammlungstitel: Mutter mit Kind
Übersetzung: Mother with Child
Provenienz
wahrscheinlich im Besitz des Künstlers,
1963
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 120,5 x 81 cm
Erwerbung
1963 Ankauf vom Ministerium für Kultur mit Mitteln des Kulturfonds der DDR für die Nationalgalerie

Objektbeschreibung

Nagel kommentiert in seinen Bildern nicht, er klagt nicht offensiv an. Allein durch die genaue Beobachtung des Gegenübers, die Konzentration auf Gesichtszüge, Haltung und Kleidung kommt er den Personen und deren Lebensumständen nahe – seine Modelle bedürfen keiner charakterisierenden, erzählenden Attribute oder aufklärerischer Gesten, wie sie in manch sozialkritischer Arbeit von Otto Dix, Conrad Felixmüller oder Hans Grundig zu finden sind. Durch den zumeist dunklen Hintergrund liegt der Blickpunkt ausschließlich auf den Porträtierten, die die oftmals großformatigen Gemälde fast komplett ausfüllen. So ist es auch in dem Gemälde „Mutter mit Kind“ (A IV 12), das eine mittellose Frau mit ihrem kranken Kind zeigt, die Nagel, nach eigenen Worten, auf dem Hinterhof seines Mietshauses „aufgesammelt“ hatte, wo sie für ihren Lebensunterhalt zu singen versuchte (Otto Nagel, Mein Leben, in: ders., Leben und Werk, Berlin [Ost] 1952, S. 37). Es sind Porträts voller Würde wie auch das von Nagels ältestem Bruder Paul (Lebensdaten unbekannt), den der Künstler ernst, mit weißem Hemd und Krawatte im Halbprofil wiedergegeben hat (A IV 11). Paul war, wie so viele andere in der Zeit der Weltwirtschaftskrise, arbeitslos geworden und konnte seinen Beruf als Tischler nicht mehr ausüben. Unmittelbar ersichtlich wird diese zermürbende Situation nicht, ebenso wenig wie auf dem Gemälde „Mutter mit Kind“. Die Bilder sind Ausgangspunkte für Geschichten, die sich in den Porträts selbst nur angedeutet finden. | Maike Steinkamp

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

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Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz