Logo

Pietà

Ident. Nr.: B II 23

ObjID: obj:967739

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Käthe Kollwitz (1867 - 1945),
Künstler*in
Datierung
Herstellung: 1937-1939
Geografische Bezüge
Provenienz
Frau Richter-Luckian, Berlin-Johannisthal,
1960
Material / Technik
Bronze
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 38,6 x 28,5 x 40 cm
Erwerbung
1960 Ankauf aus Privatbesitz, Berlin (Ost)

Objektbeschreibung

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde Kollwitz 1933 aus politischen Gründen aus der Berliner Akademie der Künste ausgeschlossen. Nachdem sie dort ihr Atelier hatte räumen müssen, zog sie 1934 in die Ateliergemeinschaft Klosterstraße. Am 22. Oktober 1937 schrieb sie über ihr künstlerisches Schaffen in ihr Tagebuch: „Ich arbeite an der kleinen Plastik, die hervorgegangen ist aus dem plastischen Versuch, den alten Menschen zu machen. Es ist nun so etwas wie eine Pietà geworden […]. Es ist nicht mehr Schmerz, sondern Nachsinnen“ (Käthe Kollwitz, Tagebuchblätter und Briefe, hrsg. v. Hans Kollwitz, Berlin 1948, S. 110). Diese Pietà steht im Zusammenhang mit dem Tod von Kollwitz’ Sohn Peter im Krieg 1914 und ihrem Pazifismus. Das Motiv bot der Künstlerin die Möglichkeit, Trauer, Liebe und den Zustand des alten Menschen auszudrücken. Sie verstand ihre Pietà als „nicht religiös“: „Meine Mutter bleibt im Sinnen darüber, dass der Sohn nicht angenommen wurde von den Menschen. Sie ist eine alte einsame und dunkel nachsinnende Frau“ (Tagebucheintrag vom Dezember 1939, in: ebd., S. 111). Gleichwohl hat Kollwitz’ Wortwahl einen deutlich biblischen Bezug. Der Gedanke, dass Gottes Botschaft nicht angenommen werde, erscheint in zahlreichen Passagen des Alten und Neuen Testaments, etwa in Jesu Aussage: „Ein Prophet gilt nirgends weniger als in seinem Vaterland und in seinem Hause“ (Matthäus 13, 57; vgl. Markus 6, 4). 1993 erhielt der Bildhauer Harald Haacke den Auftrag für eine vierfache Vergrößerung der „Pietà“ für die Neue Wache in Berlin, Deutschlands Zentrale Gedenkstätte für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. | Emily Joyce Evans

Letzte Aktualisierung: 04.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Weltfestspiele 1951: Die ersten Gäste

Weltfestspiele 1951: Die ersten Gäste

Die Weltfestspiele, die im August 1951 in Ost-Berlin stattfanden, waren Gegenstand heftiger Auseinandersetzungen zwischen SED-Funktionären und bundesdeutschen Behörden; Letzere sahen in der Teilnahme westdeutscher Bürger eine Gefahr für die Demokratie. Frankensteins Bild zeigt eine Szene vom Aufbau und dem Eintreffen der ersten Gäste: Junge Leute auf Leitern und einem Gerüst bringen eine große Friedenstaube an einem Bauwerk an, davor stehen Menschen, deren Kleidung, Hautfarbe und Gesichtszüge auf Herkünfte aus der ganzen Welt verweisen sollen. Das Bild war auf der Ausstellung „Künstler schaffen für den Frieden“ (Ost-Berlin, 1.12.1951–31.1.1952) zu sehen und markierte einen Wendepunkt für den Maler: Der West-Berliner Ring bildender Künstler schloss Frankenstein daraufhin aus, 1952 bewarb er sich erfolgreich um ein Meisterschüler-Studium in Ost-Berlin und zog schließlich in den Ostteil der Stadt. Im selben Jahr bekräftigte er: „Heute sehe ich die Aufgabe darin, an der Entwicklung einer realistischen Kunst mitzuarbeiten. […] Mein Beitrag zur Ausstellung ‚Künstler schaffen für den Frieden‘ bezeichnet zugleich den Beginn meiner neuen Arbeit. […] Im Zusammenhang mit meiner künstlerischen Tätigkeit halte ich auch die gesellschaftliche Arbeit für wichtig und befruchtend.” (AdK-O MS 29, Bl. 4f.) Frankenstein war sehr erfolgreich in der DDR, doch das Gemälde „Weltfestspiele 1951: Die ersten Gäste“ gehörte nicht zu den Höhepunkten seines Schaffens. Es wurde 1963 vom Ministerium für Kultur in der Nationalgalerie (Ost) eingelagert (SMB-ZA, I/NG 1353, Bl. 159–161) und nie wieder ausgestellt. | Emily Joyce Evans

Ohne Titel 1-6 (Die Apokalypse)

Ohne Titel 1-6 (Die Apokalypse)

Der gebürtige Brite Hayter war nach einem Studium der Chemie und Geologie 1926 nach Paris gegangen, um an der Académie Julian Kunst zu studieren. Er wandte sich nun vor allem der Druckgrafik zu. Bereits 1927 führte er ein privates Atelier für experimentelle Grafik, das ab 1931 als „Atelier 17“ bekannt wurde. Es war bald ein kreativer Ort der Lehre und des Gedankenaustauschs für Künstler wie Yves Tanguy, André Masson, Joan Miró, Wassily Kandinsky, Roberto Matta und Hans Arp. Anfang der 1930er-Jahre löste sich Hayter von seinen figurativen Anfängen und baute mehr und mehr abstrakte, organische Formen in seine Grafiken ein, die seine Nähe zu den Surrealisten bezeugen. Zu den frühesten Arbeiten, die diesen Wechsel dokumentieren, gehört die sechsteilige Radierserie „Apokalypse“. Die auf den ersten Blättern noch dominanten figurativen Elemente – ein Mann, dessen Herz offen in seiner Brust schlägt; eine Gruppe von Pferden oder ein brennendes Haus, das von tiefen Rissen umgeben ist – werden von amorphen Linien- und Flächengebilden überlagert, die in den letzten drei Blättern überhandnehmen und den apokalyptischen Prozess der Auflösung unterstreichen. Erst als die Veröffentlichung der Radierungen, begleitet von Versen des surrealistischen Dichters Georges Hugnet, in der Pariser Édition Jeanne Bucher 1932 bevorstand, wurde deren Reihenfolge festgelegt. Seine künstlerische Expertise nahm Hayter 1940 mit nach New York, wo er ein neues Atelier eröffnete, das bald zum Anlaufpunkt von Künstlern wie William Baziotes, Robert Motherwell, Jackson Pollock, Willem de Kooning, Mark Rothko und Adolph Gottlieb wurde. | Maike Steinkamp