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Frauenkopf Verso: Brustbild eines Mannes (um 1910-1912)

Ident. Nr.: B 439

ObjID: obj:967804

1959 erworben durch das Land Berlin
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Alexej von Jawlensky (1864 - 1941),
Künstler*in
Datierung
1912
Weitere Titel
Sammlungstitel: Frauenkopf Verso: Brustbild eines Mannes (um 1910-1912)
Übersetzung: Head of a Woman Verso: Bust of a Man (ca. 1910-1912)
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
1919
Kauf: Nicola Moufang, Karlsruhe, Berlin und Heidelberg,
1919–1959
Galerie des 20. Jahrhunderts, Berlin (West),
1959–1968
Material / Technik
Öl auf Pappe
Abmessungen
Höhe x Breite: 61 x 51 cm
Erwerbung
1959 Ankauf von Nicola Moufang durch das Land Berlin für die Galerie des 20. Jahrhunderts (West)

Objektbeschreibung

Von 1910 bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs malte Jawlensky Dutzende Frauenköpfe in mehr oder minder quadratischem Format, deren stilistische Merkmale auch im Werk der Nationalgalerie klar erscheinen. Übergroß und in ihrer Mandelform archaisch wirken die Augen. Die Farben von Haar und Haut variieren stark, ein deutlicher Umriss setzt die Gestalt eindeutig vom Hintergrund ab. Das Bild soll keine konkrete Person darstellen, sondern seelische Regungen zum Ausdruck bringen. Ähnlich archaische Formen zeigt das rückseitige „Brustbild eines Mannes“, doch der farbliche Wandel, den Jawlensky in seiner Malerei in den Jahren 1911/1912 vollzog, ist in ihm noch nicht sichtbar. In seinen Memoiren, die der später schwer erkrankte Künstler diktierte, erinnerte er sich 1937, dass der Sommer 1911, den er in Prerow an der Ostsee verbrachte, „für mich eine große Entwicklung in meiner Kunst [bedeutete]. Ich malte dort meine besten Landschaften und figurale Arbeiten in sehr starken, glühenden Farben, absolut nicht naturalistisch und stofflich. Ich habe sehr viel Rot genommen, Blau, Orange, Kadmiumgelb, Chromoxydgrün. Die Formen waren sehr stark konturiert mit Preußischblau und gewaltig aus einer inneren Ekstase heraus. […] 1912 entwickelte sich das weiter, was ich in Prerow angefangen hatte“ (Alexej Jawlensky, Lebenserinnerungen, in: Clemens Weiler, Alexej Jawlensky. Köpfe, Gesichte, Meditationen, Hanau 1970, S. 112). | Emily Joyce Evans

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz