Details (Expert)
- Beteiligte
- Datierung
- 1953
- Weitere Titel
- Sammlungstitel: Bildnis Franz Franik (II)Übersetzung: Portrait of Franz Franik (II)
- Geografische Bezüge
- Material / Technik
- Gips
- Abmessungen
- Höhe x Breite x Tiefe: 71,5 x 37 x 33 cm
- Erwerbung
- 1955 Ankauf vom Künstler, Berlin (Ost)
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/967806
Objektbeschreibung
Franz Franik (1907–1975) war seit 1945 Brigadier im Zwickauer Steinkohlebergwerk „Karl Marx“, wo er 1952 eine rationellere Form der Arbeitsorganisation initiierte. Hierfür wurde er in der DDR gefeiert und mit dem Nationalpreis ausgezeichnet. Cremer erhielt den staatlichen Auftrag, ihn zu porträtieren, und so stellte sich Franik nach seiner Schicht dem Künstler für sein Bildnis zur Verfügung. Cremer konnte sich mit ihm identifizieren und notierte in seiner gewohnt flüchtigen Art zu schreiben: „Er totmüde auf Stuhl sitzend, sackte zusammen, war totenbleich […] Mir bekannt aus Ruhrgebiet meiner eigentlichen Heimat“ (Akademie der Künste, Berlin, Fritz-Cremer-Archiv, Nr. 105). Die Nationalgalerie erwarb 1955 den zweiten Entwurf der Büste, der, wie schon der erste, Franik mit Helm und Grubenlampe zeigt. Diese Darstellung war heftig kritisiert worden: Die Grubenlampe sei „politisch falsch“ (ebd.). Also behielt Cremer Franiks klaren, stillen Gesichtszüge bei, doch anstelle von Helm und Lampe gab er ihm einen Schlips. So wurde aus dem Bergarbeiter ein Nationalpreisträger, der in eher klassischer Manier nicht mehr (nur) den Arbeiter verkörpert, sondern das Resultat seiner Weiterentwicklung darstellt. Deutlich wird so die materialistische Dialektik, nach der Cremer verfuhr: Der Arbeiter wird verändert, er erlangt neue Erkenntnisse. Offenbar wollte die Nationalgalerie trotz der Einwände eine frühe Version des Porträts erwerben. Laut Inventarbuch kam die Erwerbung durch eine „Absprache“ einer Mitarbeiterin mit dem Künstler zustande; es fehlen die üblichen Informationen zu Preis, Erwerbungsdatum und Erwerbungsart, weitere Schriftstücke sind nicht erhalten. Die Inventarisierung des Werkes erfolgte erst fünf Jahre später. Die noch frische politische Kritik an Cremers ersten Entwürfen könnte der Grund sein, warum nichts verschriftlicht wurde. | Emily Joyce Evans
Letzte Aktualisierung: 30.07.2026
Kontakt
Einrichtung:
Neue Nationalgalerie
E-Mail:
nng@smb.spk-berlin.de