Logo

Näherin am Fenster

Ident. Nr.: A III 560

ObjID: obj:967989

Details (Expert)

Beteiligte
Franz Skarbina (1849 - 1910),
Maler*in
Datierung
um 1895
Systematik/Art
Provenienz
Helmut Skarbina (Neffe des Künstlers),
1945
Nachlass/Vermächtnis: Klara Skarbina (Ehefrau von Helmut Skarbina),
377530
Nachlass/Vermächtnis: Else Helene von Brietzke (Schwester von Klara Skarbina),
7.7.1971
Abmessungen
Höhe x Breite: 28,3 x 19 cm
Erwerbung
1971 Geschenk von Else Helene von Brietzke, Berlin, aus dem Nachlaß von Helmut Skarbina, dem Neffen des Künstlers und Schwager der Schenkerin

Objektbeschreibung

Die Malerei in kleinem Format erlebte in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts eine Renaissance, etwa bei so unterschiedlichen Malern wie Wilhelm Busch, Carl Spitzweg oder dem Italiener Giuseppe de Nittis. Sie wählten kleine, charakteristische Szenen des Alltagslebens für diese Darstellungen, oft nur Haltungen, die dennoch für ein Ganzes sprechen. Theodor Fontane erwähnt im Roman »Der Stechlin« (1897/98) solch ein Bild von Skarbina; es ist nicht erhalten, vielleicht hatte der Autor es auch nur für seine Erzählung erdacht: Die durch Fontane mit Geist und Witz ausgestattete Melusine schwärmt von einem kleinen Bild mit einem ganz einfachen Motiv – »langer Hotelkorridor, Tür an Tür, und vor einer der vielen Türen ein Paar Damenstiefelchen. Reizend. […] während meiner italienischen Tage hab’ ich vor so vielen Himmelfahrten gestanden, daß ich jetzt für Stiefeletten im Sonnenschein bin« (Th. Fontane, Der Stechlin, in: Werke, Schriften und Briefe, Bd. 1/5, München 1980, S. 228).
Nicht nur den ›Himmelfahrten‹ der alten Kunst, auch den anspruchsvollen Großformaten des Historismus werden diese Miniaturen des Lebens entgegengesetzt. Und dem intimen Sujet entspricht das Format. Meist sind Frauen in diesem Genre dargestellt, zurückgezogen, in eine Arbeit vertieft oder auch ruhend, abgeschirmt in ihren Räumen. Bei Skarbina sind diese Impressionen in Licht und Farbe eingebunden und harmonisiert; eine in sich geschlossene kleine Welt, die nicht durch Einzelheiten, sondern durch ihre Atmosphäre besticht. | Angelika Wesenberg

Letzte Aktualisierung: 28.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Alte Nationalgalerie

E-Mail:

n/a

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Porträt Johann Georg Sulzer

Porträt Johann Georg Sulzer

Im Auftrag des Leipziger Verlegers Philipp Erasmus Reich reiste Anton Graff 1771 nach Berlin, um für dessen Freundschaftsgalerie Moses Mendelssohn, Karl Wilhelm Ramler, Johann Joachim Spalding und Johann Georg Sulzer zu porträtieren. Im Hause des wie Graff aus Winterthur stammenden, von Friedrich dem Großen nach Berlin berufenen Philosophen Sulzer begegnete der Maler dessen ältester Tochter und heiratete sie noch im selben Jahr. Sulzer hatte bereits mehrere pädagogische Schriften verfaßt und arbeitete zu dieser Zeit an seinem Hauptwerk »Allgemeine Theorie der schönen Künste«, (1771/1774), der ersten deutschsprachigen Enzyklopädie zur Ästhetik und Kunst. Darin sprach er dem Porträt einen hohen Rang zu und würdigte Graff als herausragenden Meister seines Faches. Graffs Beziehung zu Sulzer war eng und freundschaftlich, er schuf vom Schwiegervater mehr als zwanzig Bildnisse, darunter jenes für die Reich-Galerie, ein repräsentatives Porträt für die Stadt Winterthur (Museum Oskar Reinhart, Winterthur), ein beeindruckendes privates Profilbildnis, das Graff 1782 der Halberstädter Freundschaftsgalerie des Dichters Gleim übergab (Gleimhaus Halberstadt), sowie 1777, zwei Jahre vor Sulzers Tod, ein Bildnis mit dem Enkel Carl Anton (Museen der Stadt Aschaffenburg). Im gleichen Jahr entstand diese Teilreplik, die Sulzer mit Perücke im Hausrock – ohne Enkel – zeigt. Sie wurde von der Nationalgalerie aus dem Besitz der Nachkommen Sulzers erworben. Eine präzise Vorzeichnung befindet sich im Museum der bildenden Künste Leipzig. | Birgit Verwiebe

Im Etappenquartier vor Paris

Im Etappenquartier vor Paris

Dem Gemälde »Im Etappenquartier vor Paris« liegt eine frühe Skizze aus dem Herbst 1870 zugrunde. Damals wollte Anton von Werner, obwohl für dienstuntauglich erklärt, an Ort und Stelle Material für ein Auftragsbild »Moltke mit seinem Stabe vor Paris« (vollendet 1873, Kunsthalle Kiel) sammeln. Im requirierten Schlößchen Brunoy einquartiert, zeichnete er am 24. Oktober diese harmlose Szene: wie das Kaminfeuer vorbereitet wird, wie zwei Ulanen das Schubert-Lied »Das Meer erglänzte weit hinaus« nach dem Gedicht Heinrich Heines vortragen und wie die Concierge, vom Gesang angezogen, mit ihrem Töchterchen in der Tür erscheint. »Das Innere des Hauses, Mobiliar usw.«, schrieb Anton von Werner im September 1894 in einem erklärenden Brief an die Nationalgalerie, »war damals im Oktober, kurze Zeit nach Beginn der Belagerung von Paris, noch völlig intakt, auch die oft genannten Pendules auf dem Kamin u. andere Nippes fehlten nicht« (SMB-ZA, I/NG 2035, Journal-Nr. 1895/105). ›Oft genannt‹ meint: in späteren Berichten über Plünderungen und Diebstähle deutscher Truppen. Auch von den Schrecken der viermonatigen Belagerung von Paris wußte man inzwischen, doch davon läßt das gemütliche Treiben der deutschen Militärs in der besetzten Villa nichts vermuten. Die Hemdsärmeligkeit, mit der sie sich mit ihren schmutzigen Stiefeln in der fremden Pracht eingerichtet haben, soll als erheiternd, nicht als peinlich empfunden werden: leuchtet doch mit der Musik ein Abglanz heimatlicher Kultur. Ein leidenschaftsloses Einverständnis mit dem Seienden bestimmt auch den malerischen Vortrag, der sich, um täuschende Vergegenwärtigung bemüht, mit kühler Virtuosität gleichmäßig jedem Gegenstand bis ins Detail, bis zu den lückenhaft benagelten Stiefelsohlen hin, zuwendet. Nicht einmal der Kontrast zwischen dem Kaminfeuer mit seinen roten Reflexen und dem schon winterlich weißen Himmel wird nicht malerisch ausgespielt. So sehr der Krieg als ein Wechsel dramatischer, besinnlicher und humoriger Augenblicke verharmlost erscheint – Werner hütet sich, ›den Feind‹ verächtlich zu machen. | Claude Keisch

Einzug des Kronprinzen Friedrich von Preußen in Jerusalem 1869

Einzug des Kronprinzen Friedrich von Preußen in Jerusalem 1869

Dargestellt ist, gleich einer authentischen Schilderung, der prächtige, bejubelte Einzug des preußischen Kronprinzen Friedrich (1831–1888) in Jerusalem Anfang November 1869. Man sieht den Maler selbst rechts im Bild auf einem Esel sitzend und zeichnend. Dabei entstand das Auftragswerk erst 1876 nach Studien. Es stellt eine nachträgliche Interpretation der Ereignisse dar und bekräftigt den neuen Machtanspruch: Inzwischen hatten der Krieg von 1870/71 und die Proklamation des deutschen Kaiserreichs im Spiegelsaal von Versailles stattgefunden. Aus diplomatischen Gründen war dem Kronprinzen 1869 die Aufgabe zugefallen, Preußen bei den Eröffnungsfeierlichkeiten des Suezkanals zu vertreten. Der König hatte ihm zudem gestattet, die seltene Reise in den Orient auch etwas zu erweitern. Bei seiner Audienz in Istanbul übereignete der Sultan Preußen ein lange begehrtes Gelände in Jerusalem mit den Ruinen des mittelalterlichen Johanniter-Hospizes und der zugehörigen Kirche. Der Kronprinz nahm das historische Gelände nun vor Ort symbolisch in Besitz. Erst im Frühjahr 1873 erhielt das Kronprinzenpaar den auf dem Bilde dargestellten weißen Araberhengst als Geschenk des Sultans. Vielleicht war dies der äußere Anlaß, ein repräsentatives Erinnerungsbild der Reise in Auftrag zu geben. Wilhelm Gentz, zu dieser Zeit schon ein bekannter Orientmaler, reiste 1873 für einige Wochen zu Studien nach Jerusalem. Dort wählte er für das zu malende Geschehen einen Hügel vor der Stadtmauer mit freiem Blick auf die Silhouette der Stadt aus. In Berlin entstanden die Studien vom Kronprinzen in der 1869 getragenen Staatsrobe und von dem prächtigen Hengst. Das fertige Werk wurde auf der Akademieausstellung 1876 mit einer goldenen Medaille ausgezeichnet; es war zuvor bereits für die Nationalgalerie erworben worden. Der einflußreiche Kunstkritiker Adolf Rosenberg schrieb 1891: »es ist die erste bildliche Darstellung der sieghaften Macht, die das neuerstarkte Deutschland über Orient und Occident damals zu gewinnen anfing« (Zeitschrift für bildende Kunst, N.F., 15. Jg., 1891, S. 213). | Angelika Wesenberg