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Kaspar - kopfüber im Damenstiefel

Ident. Nr.: A IV 592

ObjID: obj:968156

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Hartwig Ebersbach (1940 ),
Künstler*in
Datierung
1987
Provenienz
im Besitz des Künstlers / Galerie Vogtland Plauen,
1987–1988
Material / Technik
Öl auf Hartfaser
Abmessungen
Höhe x Breite: 145,5 x 96,5 cm
Erwerbung
1988 Ankauf vom Künstler über die Kunstgalerie Vogtland Plauen und den Staatlichen Kunsthandel der DDR

Objektbeschreibung

Kurze Zeit nach Abschluss seines Studiums an der HGB Leipzig beteiligte sich Ebersbach 1965 an der kontrovers diskutierten „7. Kunstausstellung“ des Bezirks Leipzig. Hart traf ihn die vernichtende Kritik von offizieller Seite, sein Werk zeuge von einem „extremen Individualismus“ und dem „reinen Selbstausdruck der isolierten Persönlichkeit“. Somit im Rahmen des kollektivistisch ausgerichteten sozialistischen Kunstbetriebes abqualifiziert, kultivierte Ebersbach dennoch eine psychologisch determinierte und farbkräftige gestische Malerei, der sich die Hand des Künstlers impulsiv einschrieb. Erfolge im Ausland halfen ihm dabei, seine Position im Inneren zu festigen. In den 1970er-Jahren hielt sein Alter Ego „Kaspar“, Identifikations- und Projektionsfigur zugleich, Einzug in sein Schaffen. In unzähligen Einzelwerken, Werkfolgen und teils raumgreifenden Ensembles verlieh er der Figur immer wieder neue Erscheinungsformen. Kaspars Antlitz zeigt sich mitunter nur schemenhaft oder ist im Bild kaum greifbar. In diesen Fällen gibt allein der Titel Anlass, nach ihm zu suchen. Ebersbach beschrieb sein Verhältnis zu Kaspar mehrfach, auch in Versform: „er, mein Protagonist / ich sein Animator / alles, was ich nicht will, nicht brauch / nicht soll, nicht darf, nicht kann / hat er mir abzunehmen / zu spielen / auch gegen mich / er hat ja ein Eigenleben“ (zit. n. Zeitvergleich ’88. 13 Maler aus der DDR, Berlin [West] 1988, S. 215). | Sophie Thorak

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz