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Die Rose oder Die Künstlerwanderung

Ident. Nr.: A I 110

ObjID: obj:968267

Details (Expert)

Beteiligte
Moritz von Schwind (1804 - 1871),
Maler*in
Datierung
1846/1847
Provenienz
Carl Schwarz, Erlangen,
7.11.1874
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 216 x 134 cm
Erwerbung
1874 Ankauf von dem Spinnereifabrikanten Carl Schwarz, Erlangen

Objektbeschreibung

Schwinds Wanderjahre, nach der prägenden Frühzeit im Wiener Kreis um Franz Schubert, hatten ihn über München und Karlsruhe nach Frankfurt am Main geführt. Den Abschluß dieser Wanderjahre markiert das Bild mit dem Doppeltitel »Die Rose oder Die Künstlerwanderung«, begonnen in Frankfurt und vollendet in München, wohin er dreiundvierzigjährig als Akademieprofessor berufen worden war. Die Darstellung ist Traum von der Ritterzeit und Landschaft in einem, Ballade und Naturlyrik zugleich. In morgenfrischer Luft, bei Trompetenschall, erwarten Braut und Brautjungfrauen den Bräutigam. Während er sich mit seinem Gefolge aus blauer Ferne nähert, erklimmen Musikanten mühselig – von rechts nach links, gegen die bequeme Leserichtung – den steilen Pfad zur Burg. Den Vordergrund begrenzt ein abgründiger Hang. Das Hochformat, die Schmalheit des Weges und die Enge des Fernblicks, die heftige perspektivische Verkürzung steigern den Sog der Tiefe.
Zwei soziale Sphären stoßen aufeinander: die Idealwelt märchenhaften Rittertums und bräutlicher Schönheit und eine groteske, verzerrte, traurige Realität. »Der Held«, erläutert Schwind, »ist der letzte der Musikanten, ein Mann von hohen Ideen, bedeutender Phantasie, aber nicht weiter in der Welt vorgerückt, als in der Gesellschaft gemeinen eitlen Gesindels zur Ergötzung, vielleicht zum Spott der vornehmen Welt sein Stücklein zu blasen – ein verdorbenes Genie mit einem Wort« (Moritz von Schwind, Briefe, Leipzig 1924, S. 203). Die Rose, die eines der Mädchen fallen ließ – unachtsam oder mutwillig? –, wird der Tagträumer im nächsten Augenblick beglückt an sein Herz pressen.
Der ›letzte der Musikanten‹ – als Urbild gilt der Maler Theodor Rehbenitz, einst ein hoffnungsvoller junger Romdeutscher, der jetzt im abgelegenen Kiel als Universitätszeichenlehrer darbte – gehört in die Reihe der Sonderlingsgestalten und Antihelden, die das Biedermeier geschaffen hat. 1847, im Jahr der Fertigstellung des Gemäldes, erschien Grillparzers Novelle »Der arme Spielmann« über einen Geiger, dessen Träume von Kunst und von Liebe kläglich scheitern. Während die Mädchengruppe auf dem Söller von weich gleitenden, graziösen Schwüngen bestimmt wird, sind die Konturen dort, wo die Musikanten karikiert werden, spitzig, winklig und arhythmisch gebrochen.
Das Motiv der fallen gelassenen Rose ist, wie man den vorbereitenden Zeichnungen entnehmen kann, erst im letzten Augenblick erfunden. Zuvor hielt der Klarinettenspieler die Hände hinter dem Rücken verschränkt. Die Episode mit der Rose ist also keineswegs der Kern der Bildidee, nur eine Pointe. | Claude Keisch

Letzte Aktualisierung: 19.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Alte Nationalgalerie

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Freiherr Uz von Schönberg

Freiherr Uz von Schönberg

Möglicherweise auf Vermittlung des befreundeten Erich von Schönberg lernte Rayski in den 1840er Jahren den königlich-sächsischen Kammerherrn Freiherr Kaspar Karl Philipp Uz von Schönberg (1804–1864) kennen. Ihm gehörten die Rittergüter Purschenstein südöstlich von Sayda und Reichstädt südwestlich von Dippoldiswalde; als Vertreter des Erzgebirgischen Kreises war er Mitglied der ersten Kammer der Ständeversammlung. 1841 weilte Rayski erstmals auf Schloß Purschenstein, malte im Auftrag des Schloßherrn zwei Ganzfigurenporträts von ihm und seiner Ehefrau Ida für die Kapelle (vgl. M. Walter, Ferdinand von Rayski, Bielefeld 1943, Nr. 483 und 726) sowie fünf große Schlachten- und Landschaftsbilder für den Speisesaal (vgl. O. Grautoff, Ferdinand von Rayski, Berlin 1923, S. 43). Über fünfzehn Jahre später, 1858, porträtierte Rayski Uz von Schönberg erneut. In geschmeidig lockerem Pinselstrich zeigt er den damals 54jährigen Witwer in schwarzem Rock und schwarzer Halsbinde vor braungrünem Hintergrund, den Kopf leicht zur Seite gedreht, mit wachem, ernstem Blick.Rayski, selbst einer sächsischen Adelsfamilie entstammend, mit deren Helmzier im Wappen, einem Hundekopf, er seine Bilder vor allem in späteren Jahren zu signieren pflegte, wurde erst 1906 durch die Deutsche Jahrhundertausstellung einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Sowohl die Nationalgalerie als auch die Dresdner Gemäldegalerie kauften im Zusammenhang mit dieser Ausstellung die ersten Arbeiten Rayskis an. 1907, ein Jahr später, erschien in Dresden die früheste Würdigung seines Werks von Ernst Sigismund; es folgte eine umfängliche Gedächtnisausstellung in der Dresdner Galerie Ernst Arnold, die im selben Jahr bei der Galerie Schulte in Berlin wiederholt wurde, und auf der auch das vorliegende Porträt zu sehen war. | Regina Freyberger

Rosa Rosen

Rosa Rosen

Im Sommer 1923 hatte in der Neuen Abteilung der Nationalgalerie im Kronprinzen-Palais die sehr erfolgreiche Ausstellung zum 65. Geburtstag des Secessionspräsidenten Corinth stattgefunden. Unmittelbar darauf zeigte Direktor Ludwig Justi in diesen Räumen neu erworbene Arbeiten Lesser Urys, darunter den „Fliederstrauß“ von 1922 (A II 403), und sofort stellte sich eine Beziehung zu Édouard Manets Bild „Der Fliederstrauß“ (um 1882, A II 379) im Impressionistenraum daselbst her, wie die Presse ausdrücklich vermerkte. Im folgenden Sommer erwarb Justi die gerade vollendeten „Rosa Rosen“ von Corinth und verstärkte damit diese das breite Publikum versöhnlich stimmende Motivreihe. Corinth, der in den 1920er-Jahren unter den Folgen eines Schlaganfalls wie unter schweren Depressionen litt, hat aus ebenjener Gefährdung heraus eine große Anzahl von Blumen und Sträußen gemalt. Wie seinerzeit den todkranken Manet reizte ihn an diesen fragilen Gebilden das Beieinander von kurzer Pracht und Vergänglichkeit, und wie Manet entlockte er ihrer Darstellung koloristische Reize von großer Feinheit. Unter dem Stichwort „Letzte Meisterschaft“ beschreibt Justi die „Rosa Rosen“ als „Beispiel aus einer Schar herrlicher Blumenstücke, die Corinth in seinen letzten Jahren malte, meist riesige Sträuße von vielerlei Blüten, gern besonders große Formen und leuchtende Töne darin, ein wahres Rauschen von Farbe, wie man es noch nie gesehen hatte. Die Rosen sind bescheidener in der Anlage, aber äußerst fein in der Stufung vom kühlen zum brennenden Rot; auch das Grau des Glases und der Umgebung ist farbig wie malerisch höchst lebendig“ (Ludwig Justi, Von Corinth bis Klee, Berlin 1931, S. 43). | Angelika Wesenberg

Schleichhändler-Felouke vor der Küste von Biskaya

Schleichhändler-Felouke vor der Küste von Biskaya

Théodore Gudin, der in den dreißiger Jahren mehrfach in Berlin, sowohl in der Akademie wie auch im Kunstsalon Sachse, ausgestellt hatte, war seit 1837 Mitglied der Akademie. Der junge Menzel erwähnt ihn lobend in einem Brief vom 29. Dezember 1836 (vgl. A. Menzel, Briefe, Bd. 1, Berlin 2009, S. 89). Am 24. Januar 1845 wurde er mit dem Orden Pour le Mérite ausgezeichnet und hielt sich wohl deshalb im Frühjahr 1845 in Berlin auf. Wie das »Kunst-Blatt« berichtete, machte er »in der vornehmen Kunstwelt Furore«. Dennoch wies »ein vermögender Kunstfreund in Potsdam« ein großes Bild zurück, das er bestellt hatte, »da es zum größten Theil aus einem Nebel besteht« (Kunst-Blatt, Beilage des Morgenblatts für gebildete Stände, 27. Jg., 1846, H. 3, S. 11). Daß Gudin auch auf kontinentalen Reisen unverdrossen seine Meeresmotive wiederholte, unterstreicht den Anteil der Spezialisten-Routine an seiner Arbeit. Als das Bild »Leuchtturm an der Bretonischen Küste« (Nationalgalerie, Inv.-Nr. W.S. 62) in Berlin bekannt wurde, nannte man es ›die Laterna magica‹. Der Leuchtturm, dessen Wirkung mit diesem Beinamen beschrieben wird, ragt unerschüttert aber nutzlos über der stürmischen See, die sein rötliches Licht zurückwirft, und den Überresten des zerschellten Schiffes, dessen Insassen sich retten konnten. Der Schiffbruch ist eines der bevorzugten Bildthemen der Romantik. Ein »gestrandetes Schiff« stellte Gudin im Juni desselben Jahres 1845 bei der Gesellschaft patriotischer Kunstfreunde in Prag aus (Kunst-Blatt, Beilage des Morgenblatts für gebildete Stände, 26. Jg., 1845, H. 52, S. 216).Der im Vergleich mit dem düster-dumpfen Gegenstück deutlich freiere Vortrag in Gudins »Schleichhändler-Felouke vor der Küste von Biskaya« (Nationalgalerie, Inv.-Nr. W.S. 63), die lebhaftere und frischere, französisch geprägte Farbigkeit sind auch inhaltlich begründet. Das Bild, wie der Maler an Wagener schrieb, »stellt die Abfahrt des Schiffes dar, das auf dem Pendant ›Leuchtturm‹ vor der Küste zerschellt ist. Hier ist alles Licht, Hoffnung und Freude, in dem anderen ist alles Trauer« (Brief von Gudin an Wagener vom 4.4.1845, SMB-ZA, IV/NL Wagener, Künstlerbriefe, im Original französisch). | Claude Keisch

Sabina von Steinbach

Sabina von Steinbach

Die Ursprünge der Legenden um Erwin von Steinbach, den Erbauer des Straßburger Münsters, und um seine Tochter, die Bildhauerin Sabina, reichen zurück bis ins frühe 16. Jahrhundert. Moritz von Schwind hatte sich diesem Stoff bereits vor der 1840 begonnenen Arbeit an den Fresken zur »Einweihung des Freiburger Münsters« im Treppenhaus der Karlsruher Kunsthalle zugewandt. Er war ihm gewiß durch Goethes unter dem Titel »Von deutscher Baukunst« (1772) erschienenen Hymnus auf Erwin von Steinbach bekannt. In dem Gemälde »Sabina von Steinbach« wiederholte Schwind das ein Jahr zuvor entstandene gleichnamige Karlsruher Wandbild. Dargestellt ist die Bildhauerin Sabina bei der Arbeit an der allegorischen Figur der Synagoge. Von ihr sollen die Skulpturen des Straßburger Südquerhausportals und des Engelspfeilers stammen. Auf dem Boden steht ein Blumenstrauß, auf dem Wandregal hinter der Bildhauerin ist die Büste ihres Vaters zu erkennen, zum Zeichen, daß Sabina in seinem Geiste arbeitet. Im Türausschnitt rechts sieht man einen Steinmetzen bei der Arbeit, vielleicht eine Darstellung des Bruders Johannes. Dahinter ist Erwin von Steinbach, durch eine Meßlatte als Architekt bezeichnet, im Gespräch mit dem Straßburger Erzbischof Konrad zu sehen. Mit Blick auf den eingerüsteten Nordturm der Westfassade besprechen Baumeister und Bauherr Grundrißpläne der Kathedrale. Ludwig Justi, der mehrere Gemälde von Schwind erwarb, schrieb über den Künstler: »Sein Werk ist die schönste und reichste Gabe des Wienerischen an die deutsche Malerei des Jahrhunderts. Er liebt die Welt des Märchens und des behaglichen Bürger-Daseins, man benennt ihn daher gern mit dem vieldeutigen Wort Romantiker« (Von Runge bis Thoma, Berlin 1932, S. 82). | Birgit Verwiebe

Am Frühstückstisch

Am Frühstückstisch

Die Bildnismalerei von Königs um 1900 war von seinen Freunden der Berliner Secession und den Eindrücken eines mehrjährigen Aufenthaltes in Paris beeinflusst. Aus dem Zueinander von Berliner Vorbild und französischer Tradition entstanden die frühen, noch dem Impressionismus verpflichteten Werke. Das Gemälde „Am Frühstückstisch“, das Meisterstück des ersten Jahrzehnts des Künstlers in Berlin, zeigt dessen Frau, die französische Malerin Mathilde Tardif (1872–1931), mit deren Tochter Yvonne (1892–1956), die von König adoptiert hatte, am Tisch sitzend und im Hintergrund ein Mädchen, das eine Kanne herbeibringt. Das auf dem elterlichen Gut Warringholz bei Hamburg gemalte Bild besticht durch seine kultivierte Malweise, die gedämpfte Farbigkeit, gestimmt auf Blau und Grau, und die ruhig-freundliche, stilllebenhafte Zuständlichkeit. In vielerlei Hinsicht erinnert es an das Gemälde „Das Frühstück im Atelier“ von Édouard Manet (1868; Neue Pinakothek, München), in der Dreieckskomposition auch an dessen Bild „Der Balkon“ desselben Jahres (Musée d’Orsay, Paris). Doch die Szenen, die von König malt, sind umgebungsärmer als jene von Manet; darin wiederum ist das Gemälde der „Unterhaltung“ von 1908 seines Freundes Max Beckmann nahe (B 598). Zeigt Beckmann jedoch ein psychisch spannungsvolles Miteinander, so erscheinen die Personen in diesem Frühstücksstillleben schon etwas wie von Königs weibliche Figuren der folgenden dreißig Jahre: sinnend und zurückgenommen, still und ein wenig mondän (vgl. etwa „Frau in gelbem Pelz“, B 601). Die subjektive Geste des aufgestützten Armes wirkt im Rückblick geradezu frei und lässig. | Angelika Wesenberg

Lyraspielendes Mädchen

Lyraspielendes Mädchen

Das Motiv der musizierenden Genien in Form zweier Laute beziehungsweise Lyra spielenden Mädchen (B II 87 a, b) entwickelte Hildebrand aus der ursprünglichen Idee einer Orpheus-Darstellung. Verschiedene Skizzen und plastische Entwürfe (Sigrid Esche-Braunfels, Adolf von Hildebrand [1847–1921], Berlin 1993, S. 335–342) zeigen Sänger sowohl mit Laute als auch mit Leier. War das durch den Orpheus-Mythos angerissene Thema der Musik im Zusammenhang mit der Idee einer Brunnenanlage zunächst noch als Relief vorgesehen, so tritt das Motiv mit der Konzeption der beiden musizierenden Mädchen plastisch in den Vordergrund. Der Bildhauer hatte nach dem Wegfall des stark räumlich entwickelten Brunnenbeckens offensichtlich nach einem plastischen Ausgleich gesucht und die beiden wandgebunden konzipierten Gestalten vollplastisch ausgeformt. Beide Musikerinnen sind in einem komplizierten Spiel gegenläufiger Achsen aufeinander bezogen; sie bekrönten einst den treppenartigen Aufbau einer von Pilastern bestandenen Wandnische. Die Ausführung der Marmorarbeiten für das Denkmal, das Joseph Joachim gewidmet ist (vgl. B II 87 c, d), war dem Bildhauer Rothenburger übertragen worden, doch befriedigte diese nicht vollständig. Augenscheinlich sind die Figuren nicht mit der gleichen subtilen Oberflächenqualität gehauen, wie eigenhändig von Hildebrand ausgeführte Werke. Jener war sich dieser Abweichung im arbeitsteiligen Werkprozess durchaus bewusst, unterschied er doch das Original als „Ergebnis eines gestaltenden Prozesses, einer schaffenden Phantasie“ von der „Kopie“ als „das Resultat einer Nachahmungsfähigkeit“ (Adolf von Hildebrand an Alfred Hildebrand-Koppel, Dezember 1891, zit. nach Bernhard Sattler [Hrsg.], Adolf von Hildebrand und seine Welt. Briefe und Erinnerungen, München 1962, S. 373). Die Originalgipse beider Figuren befinden sich zusammen mit dem umfangreichen Ateliernachlass in der Neuen Pinakothek in München. | Yvette Deseyve

Die beiden Männer

Die beiden Männer

Das Triptychon »Die Hesperiden« (1884–1887, Neue Pinakothek, München) ist die Zweitfassung eines wohl bereits 1878/79 gemalten, zerstörten Werkes. Zu diesem gehörte die Bildtafel »Die beiden Männer« – entweder als linker Flügel, der in diesem Fall von der Vernichtung (durch Adolf Hildebrand, der die Tafeln zu neuer Verwendung abhobeln ließ) verschont worden wäre, oder (doch weniger wahrscheinlich) als Ansatz zu einer dritten Fassung. Von den Abenteuern der Heraklessage und dem Raub der Äpfel aus dem Garten der Töchter der Nacht läßt das Werk auch in seiner Gesamtheit nichts ahnen. Aber über alle drei Flügel dieser Fassungen verteilt sich rhythmisch das aus dem Dunkel glühende Orange der Früchte um die Frauen (im Mittelfeld), Männer, Greise und Kinder (in den Flügeln). Es assoziiert, wie häufig bei Marées, das Leben selbst. Marées hatte sich »eine äußerste Anstrengung« vorgenommen (27. Juli 1878 an Fiedler, in: J. Meier-Graefe, Hans von Marées, Bd. 3, München 1910, S. 177), und dies wird auch in der vorliegenden Bildtafel sichtbar: Im unentwegten Umziehen der Körperkonturen, wodurch die Farbschicht weit schwerer außerhalb als innerhalb der Körper wird, ist das Ringen mit der Form nur zu deutlich zu erkennen. In vielen Partien leuchtet das eigenwertige, hochdifferenzierte Farbgewebe aus der Tiefe; doch unverkennbar ist die Verzerrung der Gliedmaßen. Für die angestrebte Bindung von Körper, Farbe und Raum – in der Nachtbläue der Ferne ahnt man eine dritte Figur – waren die gewählten Stellungen mit ihren perspektivischen Verkürzungen höchst ungünstig; in der zweiten Fassung wurden sie geklärt. | Claude Keisch

Jugendliches Selbstbildnis

Jugendliches Selbstbildnis

Der Kunststudent Bernhard Pankok übersiedelte im Herbst 1892 nach München und widmete sich fortan in einem kleinen Atelier dem freien Studium. Zu dieser Zeit entstanden die ersten Selbstbildnisse von bleibendem Wert, allerdings auf einfache Pappe gemalt. Das vorliegende Bild zeigt einen jungen Mann mit konzentriert angestrengtem Ausdruck in anspruchsvoller Kleidung vor verschiedenen Bildern an der Wand – ein Lebensprogramm drückt sich aus. Die Pappe hat Pankok nachträglich am linken Rand beschnitten, so daß der Bildausschnitt prägnanter, aber auch die Signatur verstümmelt wurde. 1906 stiftete der Sammler Carl Steinbart das Bild der Nationalgalerie. Zu dieser Zeit war Pankok bereits ein bekannter Entwerfer von Interieurs, Möbeln und Kunsthandwerk und gerade Direktor der Königlichen Lehr- und Versuchswerkstätten in Stuttgart geworden. Die verkürzte Signatur ist von der ersten Erwähnung 1907 an in den Ausstellungskatalogen der Nationalgalerie vermerkt. Ab 1916 kommt der Satz hinzu »Der Rahmen ist nach dem Entwurf des Künstlers geschnitzt« (Verzeichnis der Gemälde und Skulpturen in der Königlichen National-Galerie, Berlin 1916, S. 86). Der Bildträger ist auf der Rückseite beschriftet: »Selbstbildnis 20. Dez. 1892 / Von Pappe auf Holz übertragen November 1935 Pankok«. Das verwundert, da das Bild zu diesem Zeitpunkt schon lange in Museumsbesitz war.In gleicher Kleidung hat sich Pankok Anfang Januar 1893 vor Malutensilien am Fenster seines Ateliers gemalt. Das Bild gelangte 1916 aus dem Besitz des Künstlers in die Staatsgalerie Stuttgart, eventuell sind in diesem Zusammenhang beide Rahmen entstanden. Das Stuttgarter Bild ist auf der Rückseite beschriftet: »Pankok gemalt 5 Jan 1893, auf Holz übertragen Juli 1916«. Für die Übertragung auf Holz des Berliner Bildes erhielt Pankok vielleicht 1935 anläßlich von dessen geplanter Ausstellung in der Preußischen Akademie der Künste die Genehmigung. | Angelika Wesenberg