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Schlitten mit Ledersack

Ident. Nr.: KdZ 26792

ObjID: obj:970957

Details (Expert)

Beteiligte
Joseph Beuys (1921 - 1986),
Maler*in
Datierung
Herstellung: 1965
Abmessungen
Blattmaß: 19,7 x 34,0 cm

Objektbeschreibung

Das zeichnerische Werk nimmt im Gesamtwerk von Beuys einen großen Raum ein. Die frühen Zeichnungen, noch während des Krieges entstanden, verdeutlichen, daß er von Anbeginn über alle für ihn typischen zeichnerischen Möglichkeiten verfügte. Seine vielfältigen Mittel waren nicht in einem langen Prozeß gereift, sondern gehörten zu seiner ihm natürlich zugewachsenen Ausdrucksfähigkeit. Das Zeichnen bedeutete für Beuys eine Erweiterung, die über die Grenzen der Sprache hinausführt.
Das Sichtbarwerden von Gedanken und Gefühlsmomenten in den unterschiedlichsten Materialien der Zeichnung ist eine der Möglichkeiten, einen Ideenfundus anzulegen und bestimmte Konstellationen schärfer auszuleuchten.
Die Ölfarbenpinselzeichnung zeigt einen Schlitten mit aufgeladenem Ledersack als dunkle Masse auf dem Karton eines geöffneten Briefumschlags. Der Schlitten hat nicht die Form eines Rodelschlittens, wie von Beuys in der Installation »Das Rudel« von 1969 (Kassel, Neue Galerie) verwendet, sondern erinnert an die Transportmittel der Völker, die das Rad nicht kannten, etwa die nordamerikanischen Indianer oder verschiedene mongolische Stämme. In anderen Zeichnungen, die sich ebenfalls mit dieser Schlittenform auseinandersetzen, wird mit der Bezeichnung Urschlitten die archaische Zuordnung verbal bestätigt. Der Schlitten ist Requisit der nordischen Mythologie und Sinnbild einer Bewegungsform, die auf einer mechanischen Wärmeerzeugung beruht, die den Schnee oder das Eis an der Oberfläche kurzzeitig verflüssigt. Dieser physikalische Vorgang ist im Sinne von Beuys ein plastisches Ereignis, das erstarrte kristalline Formen in einen fließenden, chaotischen Zustand zurückverwandelt, der neue Möglichkeiten einer Bewegung beinhaltet. Der Schlitten ist als Erfindung in bestimmten Regionen des Nordens eine kulturelle Leistung von großer Tragweite und steht in der Zeichnung für den Menschen und seinen geistigen Haushalt. Nicht zufällig zeichnet Beuys den Schlitten auf einen Briefumschlag, ein anderes Transportmittel für mögliche geistige Botschaften. Der Stempel »Hauptstrom«, den Beuys seit 1968 verwendete und der sich auf die Aktion »Hauptstrom« vom 20. 3. 1967 in der Galerie von Franz Dahlem in Darmstadt bezieht, markiert die geistige, nach vorn gerichtete Bewegung als Teil eines umfassenden evolutionären Prozesses.

Text: Eugen Blume in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 501f., Kat. VIII.67 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 18.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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