Logo

Der Maler Johann Adam Klein an der Staffelei in seinem Atelier im Gräflich Chotekschen Palais in Wien

Ident. Nr.: SZ Erhard 7

ObjID: obj:972814

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Johann Christoph Erhard (1795 - 1822),
Zeichner*in
Johann Adam Klein (1792 - 1875),
Dargestellt
Datierung
Herstellung: 1818
Provenienz
Nationalgalerie, Sammlung der Zeichnungen,
bis 1992
Abmessungen
Blattmaß: 22,9 x 27,9 cm

Objektbeschreibung

Die beiden miteinander befreundeten jungen Künstler Erhard und Klein waren 1816 von ihrer gemeinsamen Vaterstadt Nürnberg nach Wien gezogen und hatten sich im Chotekschen Palais in der Josephstadt bescheidene Ateliers gemietet. In seinem kahlen, außer der Staffelei und zwei Stühlen gänzlich uneingerichteten Raum sitzt der Künstler in Mantel und Mütze vor seiner Arbeit, einem kleineren Ölbild. Seitlich fällt das Licht ein, das Fenster ist im unteren Teil verhängt, die oberen Flügel sind geöffnet. Auf seine Profession weisen die Graphikmappe und der Gipsabguß eines Pferdekopfes vom Parthenon hin. Pferdedarstellungen treten in Kleins Werk sehr häufig auf. Die Freunde zeichneten sich gegenseitig und fast gleichartig: Ein Blatt Kleins, sehr ähnlich in Situation und Komposition, nur etwas reicher im Detail, zeigt Erhard beim Aquarellieren (Dresden, Kupferstichkabinett). Klein hatte 1817 auch den Ausblick aus seinem Atelier in den Garten und auf die Häuser und Kirchen der Stadt gezeichnet (Wien, Historisches Museum).

Text: Gottfried Riemann, in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 381., Nr. VII.29 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Christus in der Vorhölle

Christus in der Vorhölle

Der Abstieg zur Hölle, wo Christus nach dem Kreuzestod und vor der Auferstehung die Gerechten - angefangen von Adam und Eva bis hin zu Johannes dem Täufer - aus der Gewalt Satans befreite, wird im apokryphen Nikodemus-Evangelium erwähnt. Das Thema war im 15. Jahrhundert weit verbreitet. Mantegna könnte Anregungen von einem kleinen Bild seines Schwiegervaters Jacopo Bellini (Padua, Museo Civico) und von einem Bronzerelief Donatellos erhalten haben (Florenz, San Lorenzo). Unter den Zeichnungen des Kabinetts befindet sich noch eine exakte Wiederholung der Christusfigur, die auf einer um 1490/92 entstanden Gemäldeversion Mantegnas erscheint (KdZ 622; Kat. [Andrea Mantegna, London / New York 1992], Nr. 71, Farbabb.).Die Auseinandersetzung mit der Mantegna-Graphik ist von ständig wechselnden Zu- und Abschreibungen geprägt und in vielen Punkten noch klärungsbedürftig. Erst kürzlich wurden aus Anlaß der Londoner Ausstellung wieder zwei völlig divergierende Meinungen vertreten. Während Suzanne Boorsch vermutet, das gesamte Œuvre sei nur unter der Aufsicht des Meisters entstanden (ebd., S. 56ff.), verzeichnet der von David Landau erstellte Katalog sieben eigenhändige Werke und vier Attributionen. Unter den letzten wird auch der »Abstieg in die Hölle« aufgeführt. Die Argumente für eine Zuschreibung des Stichs an Mantegna überwiegen. So weicht die Komposition nur in wenigen, aber doch wichtigen Details von der Vorzeichnung in der École des Beaux-Arts zu Paris ab, einem unbestrittenen Autograph (ebd., Nr. 66, Farbabb.). Veränderungen und Zusätze wären einem rein reproduzierenden Graveur nicht erlaubt gewesen. Gewichtiger als dies ist aber der unvollendete Zustand der Platte, die nur in den zentralen Partien und auch hier ohne feine Tonnuancen durchgearbeitet ist, welche ein Stecher zum Schluß hinzufügen würde. Ein solches Nonfinito war wohl kaum für den Markt gedacht. Es ist Resultat des künstlerischen Experiments. Dieser Neugier mag ebenfalls verdankt werden, daß das Berliner Blatt in brauner Farbe abgezogen ist, welche die koloristischen Effekte der Federzeichnung imitiert (ein gleichartiger Abzug in London; Hind [Catalogue of Early Italian Engraving, London] 1910,S. 347, Nr. 5a).Text: Hein-Th. Schulze Altcappenberg in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 252-253, Kat. V.10 (mit weiterer Literatur)