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Hl. Christophorus

Ident. Nr.: 120-1908

ObjID: obj:978934

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Unbekannt,
Holzschneider*in
Hl. Christophorus,
Erwähnte/Dargestellte Person
Datierung
Herstellung: um 1430
Geografische Bezüge
Material / Technik
Holzschnitt, koloriert
Abmessungen
Blattmaß: 28,3 x 20,1 cm

Objektbeschreibung

Der ungewöhnlich attraktive Holzschnitt stammt aus jener frühen Zeit (Anfang des 15. Jahrhunderts), als die Sitte, Bilder auf Papier zu drucken, erst wenige Jahre alt war. Das Bedürfnis der Menschen nach den Abbildern heiliger Personen, vor denen man auch zu Hause, fern der Gemeinde, beten konnte, hatte die Technik entstehen lassen, geschaffen von rührigen Kleinverlegern, die große Mengen dieser begehrten frommen »Bilder« auf den Markt brachten. Tatsächlich dienten die graphischen Blätter häufig als Wandschmuck, als Bilder-Ersatz also, und manche altniederländischen Gemälde, auf denen ein bürgerlicher Innenraum Bühne der heiligen Handlung ist, zeigen, wie ein derartiges Blatt an der Wand oder am Kamin befestigt ist. Für die Wirkung war dabei eine gute Farbigkeit wichtig, und es gibt kaum ein geschmackvoller koloriertes Blatt als das vorliegende. Es ist, wie rationelles, schnelles Arbeiten nahelegte, mit Hilfe von Schablonen koloriert, was erkennbar ist an den geraden Farbkanten, die über die schwarzen Linien hinausgehen (Grün an Blättern und Gewand Christi). Das Mennigerot allerdings scheint freihändig aufgetragen zu sein. Trotz der riesigen Auflagenhöhe, die wir annehmen müssen, ist unser Blatt der einzige erhaltene Abzug, Kennzeichen dafür, daß diese Blätter der Frühzeit nicht als Kunst angesehen wurden, die man bewahrte, sondern zum Verbrauch bestimmt waren. Christophorus war nach der Legende ein Riese, der an einem gefährlichen Flußübergang Reisende sicher von einem ans andere Ufer brachte. Ihn beseelte dabei der Wunsch, dem größten König zu dienen. Eines Tages trug er ein Kind, und mitten im Fluß wurde ihm die Last fast zu schwer: das Kind, Schöpfer der Welt, trug selbst alle Sünde der Welt. Als Maßstab für die gewaltige Stärke des Riesen dient der Eichbaum, den er als Stab benutzt.

Text: Hans Mielke in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, S. 93, Kat. III.3 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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